26 Juni 2020 | Landwirtschaft

Mit der Landwirtschaft aus der Krise

Schlettwein: Namibia muss Agrarproduktion steigern – 98000 Nutztiere wegen Dürre verendet

Die Landwirtschaft ist laut Minister Calle Schlettwein in der besten Lage, der schwächelnden Konjunktur auch angesichts der wirtschaftlichen Folgen der Covid-19-Pandemie aus der Krise zu helfen. Allerdings ist die Regierung dafür auf alternative Finanzierungsquellen angewiesen.

Von Clemens von Alten

Windhoek

Von den insgesamt 2,26 Milliarden Namibia-Dollar, die im aktuellen Haushalt (2020/21) dem Ministerium zugeteilt werden, sind 1,34 Mrd. N$ für das Ressort Landwirtschaft und -reform vorgesehen. „Dieser Wirtschaftsbereich bietet uns die besten Möglichkeiten, der Konjunktur wieder auf die Beine zu helfen, produktive und angemessene Arbeitsplätze zu schaffen, und Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln zu ermöglichen“, sagte der Minister für Landwirtschaft, Wasserbau und Landreform, Calle Schlettwein, als er kürzlich seine Budgetzuteilung erläuterte.


Große Herausforderungen

Die Landwirtschaft sei für Namibia von strategischer Bedeutung: „Der Sektor ist die Lebensgrundlage für 70 Prozent der Bevölkerung“, so der Minister. „Dieser Wirtschaftsbereich ist mit 167242 Menschen der größte Arbeitgeber im Land – er beschäftigt 15,3 Prozent der verfügbaren Arbeitskräfte.“ Gleichzeitig stehe der Wirtschaftsbereich aber rückläufigen Investitionen gegenüber und habe während der Dürre große Verluste einstecken müssen. „Während der Trockenheit des Jahres 2018/19 haben wir 97854 Nutztiere verloren, darunter 57937 Rinder, 27876 Ziegen, 10936 Schafe, 762 Esel und 343 Pferde“, teilte Schlettwein mit. „Zudem waren Farmer gezwungen, ihre Herden wegen mangelnder Weide zu reduzieren.“ Insgesamt seien 464646 Rinder, 47519 Ziegen und 740481 Schafe durch formelle Märkte entweder geschlachtet oder lebend exportiert worden.

Zudem stellt die Covid-19-Pandemie die Landwirtschaft vor neue Herausforderungen und legt folgenschwere Schwächen bloß: „Bisher konnte Namibia importieren, was es benötigt, aber nicht selber produziert“, erklärte der Politiker. „Doch Pandemie und Populismus untergraben die multilaterale Zusammenarbeit – wir können uns nicht mehr auf externe Märkte verlassen.“ Weltweit habe es Ausfuhrverbote für Medikamente und medizinische Ausrüstung gegeben, während geschlossene Grenzen den Handel mit Lebensmitteln und anderen notwendigen Gütern beeinträchtigten. „Wir sind in einer ‚Jedes Land für sich selbst'-Ära angelegt“, meint Schlettwein, der in der Landwirtschaft den „besten“ Ausweg sieht: „Künftig müssen wir unsere Exporteinnahmen verwenden, um die hiesige Agrarproduktion zu steigern, statt mit Importen Fehlmengen zu decken.“

Mehr produzieren

Die landwirtschaftliche Strategie für mehr wirtschaftliche Autonomie konzentriere sich vor allem auf die kommunalen Nutzflächen im Norden des Landes (Northern Communal Areas, NCAs): „Wir wollen in diesen Gebieten die Qualität und die Gesundheit der Tiere verbessern, um Viehproduzenten nördlich des Veterinärzaunes Marktzugänge zu ermöglichen“, erklärte der Minister. Der als Rote Linie bekannte Zaun soll schlussendlich verschwinden beziehungsweise an die nördliche Grenze zu Angola verschoben werden. „Doch die in diesem Jahr dafür vorgesehenen 15 Mio. N$ reichen nicht aus, um den Bau des 450 Kilometer langen Zauns zu beginnen“, so Schlettwein. „Zunächst ist es unser Ziel, Zugang zu hiesigen, regionalen und internationalen Märkten zu ermöglichen.“

Darüber hinaus sind beispielsweise 31,1 Mio. N$ für die Errichtung von Schlachthäusern in den kommunalen Gebieten geplant. „Diese Summe deckt 41,2 Prozent des gesamten Finanzaufwandes, der sich auf insgesamt 75,5 Mio. N$ beläuft“, sagte der Minister. Zusätzlich sollen die acht Quarantänestationen von Omutambo-Gwomane, Okongo, Oshivelo, Mangetti, Mpungu, Thomas Siyave, Kopano und Katima Mulilo aufgerüstet und insgesamt 1,3 Millionen Rinder geimpft werden gegen Maul- und Klauenseuche (MKS) und Rinder-Lungenseuche (CBPP). „Für dieses Projekt sind 25 Mio. N$ vorgesehen, was aber nur 29 Prozent der Gesamtkosten des Vorhabens sind“, so Schlettwein. „Die restlichen 71 Prozent (62,5 Mio. N$) müssen wir woandersher beziehen.“

Fremdkapital benötigt

Außerdem will die Regierung die zwölf Green-Scheme-Anbauprojekte vorantreiben, die mit Wasser aus den Flüssen Kunene, Sambesi, Kavango und Oranje sowie den Dämmen Naute, Hardap und Neckartal versorgt werden. Vier dieser Projekte werden verpachtet, die anderen acht von der staatlichen Agricultural Business Development Agency (AgriBusDev) betrieben. „Im Zeitraum 2020/21 haben wir 45,1 Mio. N$ eingeplant, um die Green-Scheme-Projekte zu entwickeln“, erklärte der Landwirtschaftsminister. „Das sind nur 37,6 Prozent der eigentlich benötigten Geldmittel.“

Ferner hat sich das Ministerium zum Ziel gesetzt, im Rahmen des sogenannten Dryland Crop Production Programme (DCPP) 51327 Ackerbauern unter die Arme zu greifen. „Die DCPP-Initiative gibt es in zehn Regionen und besitzt 167 Traktoren – einer pro Wahlkreis“, berichtete Schlettwein, laut dem das Programm 22 Mio. N$ im aktuellen Budget erhalten soll, was knapp 63 Prozent der Kosten des Projekts entspreche. Weitere 81 Mio. N$ seien für das NAMSIP-Vorhaben (Namibia Agricultural Mechanisation and Seed Improvement Project) vorgesehen, das mit einem AfDB-Kredit finanziert wird und die Agrarproduktion steigern soll. „Diese Summe entspricht nur 62 Prozent der von der Regierung erforderlichen Finanzierungsbeteiligung“, sagte der Politiker.

Private Partner gesucht

Allerdings sei das Landwirtschaftsministerium bei einer Reihe von Projekten gezwungen, nach „alternativen Finanzierungsmethoden“ Ausschau zu halten, sei es in Form öffentlich-privater Partnerschaften (PPPs) oder „außerbudgetärer Mittel“. Ein solches Vorhaben ist das sogenannte Livestock Restocking Scheme, mit dem die Regierung 14805 dürrebetroffenen Rinderfarmern auf die Beine helfen wollte. „Die Absicht war es, jedem dieser Farmer den Kauf von höchstens einem Bullen und 25 Kühen oder Färsen zu subventionieren“, so Schlettwein. „Bei einer Beteiligung von 40 Prozent würde dieses staatliche Programm 118,4 Mio. N$ für (14805) Bullen benötigen und 888,3 Mio. N$ für (370000) Kühe/Färsen.“

Ferner wolle die Regierung in den kommunalen Gebieten Mastbetriebe errichten, die auch als Quarantänestationen (für MKS und CBPP) dienen könnten. Die geschätzten Kosten dieses Projektes würden sich auf 25 Mio. N$ belaufen. Außerdem würde das Landwirtschaftsministerium beabsichtigen, in den NCA-Regionen seuchenfreie Zonen zu etablieren und die „semi-kommerziellen Ländereien“ nahe Mangetti, Ombuga, Onalusheshete und Omutambo Maowe zu umzäunen. „Dafür werden knapp 381150 N$ benötigt, die wir aber von woanders beziehen müssen.“

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