02 Juli 2020 | Glosse

Mit Corona an unseren (Regierungs-)Schulen

Wer hätte das gedacht, dass so ein unbekanntes – ich nenne es mal Wesen – die ganze Welt innerhalb kürzester Zeit total auf den Kopf stellt. Wo sich der sogenannte Virus in ein paar Wochen rund um den ganzen Globus verbreitete, hat die Entwicklung der deutschen Sprache Jahrhunderte gedauert.

Haben wir uns vor 20 Jahren noch über das verenglischte Deutsch, also Denglisch, aufgeregt, gibt nun das einge-coronarisierte Deutsch uns Lehrern stief graue Haare. In diesen coronarischen Zeiten tjoppt die deutsche Sprache nochall sehr ab. In den Regierungsschulen, wo bis zu sieben verschiedene ethnische und sprachliche Varianten leben und unterrichtet werden, kommt immer wieder ein sprachlicher Kannst-Du-mir-´nen-Ausdruck-leihen-Wortwechsel zustande. Haben wir uns in den Zeiten der BC-Epoche (before Corona) über das Kauderwelsch unserer Kinder beklagt, war das im Vergleich zu heute (d.h. IC, oder Im Corona) ja noch harmlos. Auch wenn wir Namlehrer sehr versuchen, unsere Mutter- oder Deutsche Sprache zu erhalten, isses für uns wüst moeilik. Vor allen, wenn man einem computerminderbegabten älteren Pauker etwas auf dem PC erklären will, geht das einfach nur mehrsprachig. Gottlob gibt's im Lehrerzimmer einen ungecoronaten Kaffee zur Stärkung, denn, nachdem man stundenlang die gebrowsde Info gedownloaded und auf einem Stick gesaved hat, brummt einem wahrlich der Schädel.

Tjeck moi, wir Deutschlehrer achten mos auch streng darauf, dass wir Duden-gemäß den Perfekt korrekt verwenden. dh ge-downloded, ge-browsed, usw.

Freilich isses nich einfach, das Lehrmaterial an die – wegen des Schließrunters zum Zuhause-Bleiben verdonnerten – Acharobs zu schicken. Ein Drittel der Kids is total dabei, das ge-e-learnte sich zu eigen zu machen, das zweite Drittel schaut ab und zu mal in den Computer rein und das letzte Drittel zieht sich um zehn Uhr morgens nochmal die Decke übern Kopf.


Abstand-haltender Stundenplan

Manche Eltern sind auch super, zeigen rege Teilahme, bzw. gackern dazwischen, aber sie machen alles und zuviel für die Kindlein. Aber traurige Tatsache is, dass auch stief Eltern mit einem Comp wüst sökkeln – um nich zu sagen, keine Ahnung davon haben – und andere Eltern kümmern sich überhaupt nich darum, dass ihre Kids – auch wenn sie ´nen Computer zur Verfügung haben – e-lernen und erledigte Arbeiten wieder dem Lehrer zurück-mailen. Die Schule soll doch sehen, wie trotz IC (Im Corona) den Kindern das Curriculum beigebracht wird. Und, sollten sie das Jahr trotz des absurd verminderten Versetzungsdurchschnitts von nur 35 % nich schaffen, is sicher garantiert, dass die Schule, bzw. wir Pauker schuld sind. Wenn man bedenkt, dass ein Kind, was mit nur 35% des verstandenen Lehrstoffes ins nächste Schuljahr versetzt wird, 65% vom Curriculum verpasst hat, ist das Desaster im folgenden Jahr vorauszusehen.

Die oberen Klassen dürfen ja nun wieder physisch dem Unterricht beiwohnen. Wie lange wir Lehrer den extra- neugestalteten Abstand-haltenden Stundenplan noch nervlich durchhalten, sei dahingestellt. Die Kids kommen der Reihe nach in die Klasse, wohlbemerkt Abstand-haltend, werden besprüht und stellen sich sofort zu dritt nebeneinander hin und besprechen noch schnell etwas. Auch auf dem Pausenhof können unsere Augen wrachtach nich überall sein. Immer wieder glucken die Kinders zu nahe zusammen, um dann frisch gesprüht nach der Pause artig mit einem Meter gegenseitigen Abstand in die Klassen zurück zu laufen.

Das Lehrerzimmer sieht auch bleddy blöde aus. Alle Tische raus ... der Raum is geteilt durch die Anzahl Stühle – strikt einen Meter in alle Richtungen. Man führt also mit seinem Nachbarn ein Ferngespräch. Balanciert dabei das Pausenbrot und die Kaffeetasse irgendwie auf dem Schoß – auch das muss gelernt sein.

Möge diese IC-Zeit schnell vorbei sein und wir das AC – after Corona – Zeitalter baldmöglichst betreten, dass sich die ganze Welt wieder zur Normalität zurück bewegt. Das wird muhts ´ne neue Normalität sein, denn nach all diesem Tamtam wird eine gewisse Coronaschädigung an uns allen wohl haften bleiben. Aber machen wir das Beste daraus.

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