08 Februar 2019 | Polizei & Gericht

Missstände im Gefängnis

Verhörabwartende unterstellen der Polizei Brutalität

Die Polizei streitet Behauptungen ab, laut denen Beamte drei sich in Untersuchungshaft befindende Drogenhandel-Verdächtigte misshandelt oder tätlich angegriffen haben sollen. Noch weniger sei ihnen Nahrung oder tägliche Verpflegung vorenthalten worden.

Von C. Sasman & F. Steffen

Windhoek

Die Polizei weist vehement Beschuldigungen einer institutionellen Vernachlässigung und eines angeblichen brutalen Vorgehens gegen Personen, die sich in der Untersuchungshaft in der Windhoeker Polizeiwache befinden, von sich. Dies folgt der Nachfrage der namibischen Menschenrechtsorganisation NamRights, die noch im Januar von der besorgten Mutter des inhaftierten Wesley Welgemoed angeschrieben und um Hilfe gebeten worden war.

Immer wieder fallen die Untersuchungszellen der namibischen Polizeiwachen in den Medien auf. Die Beschwerden variieren von Mal zu Mal, doch generell scheint die Versorgung und die Behandlung der Untersuchungshäftlinge teilweise katastrophal und menschenrechteverachtend. Vor einigen Jahren hatte es der Häftling Petrus !Ganeb geschafft, wegen sogenannter „Ernährungs-Schikane“ eine Gerichtsverfügung gegen die Vollzugsbeamten des Zentralgefängnisses durchzusetzen. Das Obergericht hatte seinerzeit das Gefängnispersonal dazu angehalten, die Gefängnismahlzeiten regelmäßig zu überprüfen und dabei feststellen zu lassen, ob jene den Ernährungsvorschriften entsprechen (AZ berichtete).

Im Juli 2018 waren der 19-jährige Südafrikaner Wesley Welgemoed, der ebenfalls 19-jährige Brite Lee Douglas Surtees Jenkins, die 30-jährige Deutsche Verena Sazmann und der 30-jährige Namibier Buruxa Butkus wegen des Besitzes von Drogen im Wert von 200000 N$ in einem Haus im Windhoeker Stadtteil Kleine Kuppe verhaftet worden. Der Haftrichter hatte Salzmann Kaution in Höhe von 30000 N$ zugestanden, doch den anderen Dreien die Kaution verweigert. Die scheinbar desperate Mutter Welgemoeds aus Port Elizabeth in Südafrika, sorgt sich nun um ihren 19-jährigen Sohn, der sich bereits seit sechs Monaten in Untersuchungshaft befindet.

Demnach hätten die Inhaftierten in den Monaten November und Dezember teilweise tagelang „ohne Nahrung” auskommen müssen – dies sei unmenschlich. „Ihnen wird nicht erst eine Scheibe Brot am Tag gereicht“, beschwerte sie sich in einem weiteren Brief. Eine Freundin von ihr habe gelegentlich Nahrung ins Gefängnis gebracht, doch gebe es Tage, an denen die Polizisten diese Nahrungsmittel absichtlich auf den Boden schmeißen würden, von wo es dann aufgesammelt werden müsse „wenn die anderen Mitgefangenen es ihm nicht vor der Nase wegstehlen.“ Die Freundin, die anonym bleiben will, behauptet, dass die Versorgung öfter nur aus Haferflocken oder einer verwässerten Suppe sowie Zuckerwasser bestehe.

Außerdem hätten die Gefangenen im Winter weder warmes Wasser noch Reinigungsmittel und -Gerät bekommen womit sie die Zellen hätten reinigen können, geschweige denn Toilettenartikel für die persönliche Hygiene. „Dagegen gibt es massenweise Marihuana. Überhaupt scheint die Drogenversorgung ohne Probleme zu funktionieren, denn die Zellen riechen ständig danach“, meinte die Dame.

Die Mutter beschert sich indessen über die Zustände in den Zellen, zumal ihr Junge eine derart lange Zeit „ohne Struktur, ohne Programm, ohne Beratung und ohne jegliche Leibesübungen auskommen muss“. Der junge Jenkins sei indessen bereits dreimal an einer Lungenentzündung erkrankt, bei der er teilweise ohnmächtig wurde und trotzdem nur den Polizisten zum Gespött diente. Einer dieser Polizisten sei versetzt worden, nachdem sich herausgestellt hatte, dass er statt Jenkins zu versorgen, lediglich bemerkt hatte: „Boers do not die (Buren sterben nicht).“

Beide, der Hauptuntersuchungsbeamte der Khomas-Region, Kommissar Abner Agas, sowie die Pressesprecherin der namibischen Polizei, Inspektorin Kauna Shikwambi, streiten die Behauptungen vehement ab. „Zu jeglicher Zeit gab es genügend Nahrung in allen unseren Haftanstalten, auch in den Zellen der Windhoeker Polizeiwache“, meinte Agas. Shikwambi bestätigte dies und fügte hinzu: „Die Mahlzeiten sind natürlich nicht unbedingt das, was die Inhaftierten gewohnt sind oder bevorzugen, doch werden sie täglich versorgt.“ Ferner wisse sie von einer zuverlässigen Quelle, dass es zu keinerlei physischen Übergriffen gekommen sei.

Die Angeklagten hatten vor Gericht ihre Unschuld beteuert, man habe keine Drogen an ihnen gefunden. Demnach soll die Polizei erst nahezu sieben Tage nach der Verhaftung der vier Angeklagten die verpackten Drogen im Haus gefunden haben. Der Fall war auf den 28. Februar 2019 vertagt worden.

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