18 November 2011 | Politik

Minister empört Verlagshaus

Windhoek - Auslöser seines verbalen Rundumschlags war ein Bericht in der englischen Tageszeitung "Namibian Sun" vom 11. November. Darin hatte der Chefredakteur des Blattes, Jan Poolman, ein vertrauliches Kabinettsdokument thematisiert, wonach die Kosten der Deutschlandreise einer namibischen Delegation zur Rückführung von 20 Schädeln der Herero und Nama von ursprünglich veranschlagten 1 Millionen N$ auf gut 1,7 Millionen N$ gestiegen sind (AZ berichtete).

Bei einer Pressekonferenz am Mittwoch hatte Kazenambo zwar nicht den Kostenanstieg dementiert, sich aber dennoch darüber empört, dass ein als geheim eingestuftes Dokument an die Öffentlichkeit gelangt war. Für diesen Umstand machte Kazenambo den Autoren des redaktionellen Beitrages verantwortlich, der das Kabinettsdokument "gestohlen" und den Inhalt derart "verzerrt" widergegeben habe, "als hätte er ein Interview zu dem Thema mit mir geführt".

Durch diese Art der "tendenziösen, provozierenden und intoleranten" Berichterstattung habe der "verdammte Boer" (Poolman) deutlich gemacht, dass er noch immer "die Mentalität eines Koevoet" habe und "keine Reue für die von seinen Vorfahren verübte Ermordung tausender Namibier" empfinde. Schließlich sei die Deutschlandreise allein zu dem Zweck unternommen worden, posthum die Menschenwürde der Opfer wiederherzustellen, die während der kolonialen Fremdherrschaft in Namibia ermordet worden seien.

Indem Poolman jedoch nicht dieses Ziel, sondern die damit verbundenen Kosten ins Zentrum seiner Berichterstattung gerückt habe, habe er deutlich gemacht, dass "er mehr über Geld als die Ermordung unserer Vorfahren" besorgt sei. Damit habe sich nicht nur Poolman als "kranker Geist" entlarvt, sondern auch demonstriert, dass die Eigentümer und Verleger der "Namibian Sun" seine "Apartheid-Gesinnung teilen".
Mit Hinweis auf die "unsensible" Berichterstattung und "Arroganz" von Poolman, erklärte Kazenambo: "Die Weißen (in Namibia) sollten die Politik der nationalen Versöhnung nicht als Selbstverständlichkeit betrachten. Viele von ihnen besetzen noch immer das Land, das unseren Vorfahren entwendet wurde. Wenn sie uns weiter herausfordern sollten, werden wir ihre Farmen beschlagnahmen und das zurückholen, was uns gehört."

Kazenambo, der sich im Verlaufe seiner rund 30 Minuten andauernden Ansprache immer mehr in Rage redete und demonstrativ ein Exemplar der "Namibia Sun"zerriss, zeigte sich auch "schockiert" darüber, dass die Zeitung "ständig aus vertraulichen Kabinettsdokumenten zitiert". Dadurch mache sich die Zeitung nicht nur des Diebstahls schuldig, für den sie angeklagt werden sollte, sondern habe auch die Pressefreiheit für den Zweck missbraucht, "andere zu beleidigen". Darüber hinaus schüre eine derart "unethische" Verwertung geheimer Dokumente nicht nur das Misstrauen innerhalb der Regierung und gefährde die nationale Sicherheit, sondern exponiere auch die "gestörten" Informanten als Verräter, die der Zeitung vertrauliche Informationen zugespielt hätten.

Chrisna Greef, die Geschäftsführende Direktorin und Vorstandsvorsitzende von DMH, die neben der "Namibian Sun" auch den "Republikein" und die "AZ" verlegt, zeigte sich in einer schriftlichen Erklärung tief verstört über Kazenambos Generalabrechnung mit mutmaßlichen Neokolonialisten. Darin hebt sie hervor, die Äußerungen des Ministers stellten eine "ernsthafte Bedrohung für den Frieden und die Stabilität in Namibia dar, wenn sie die Meinung des Kabinetts, der Regierung, oder der Bevölkerungsmehrheit Namibias repräsentieren sollten".

Des Weiteren hob Greef hervor, dass der auf Kabinettsunterlagen basierende Bericht über die (mit Steuergeldern finanzierte) Deutschlandreise der namibischen Delegation im öffentlichen Interesse gewesen sei. Des Weiteren legte sie dem Minister bzw. der Regierung nahe, rechtliche Schritte gegen Poolman oder die "Namibian Sun" einzuleiten, falls sich diese tatsächlich einer "kriminellen Handlung" schuldig gemacht haben sollten.

Eine Videoaufzeichnung der Rede von Kazenambo ist auf der Internetseite der "Namibian Sun" (http://www.namibiansun.com/content/national-news/video-kazenambo-fumes-namibian-sun) und des "Republikein"( http://www.republikein.com.na/videonuus/ontstoke-minister-vaar-uit-teen-koerant.138068.php) zu sehen.

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