11 Februar 2020 | Politik

Milliardenfrage steht noch aus

Lebhafte Begegnung und Austausch zur kolonialen Wiedergutmachung

Nach acht Verhandlungen zwischen Namibia und Deutschland über Wiedergutmachung für koloniale Kriegsschäden 1904 - 1904, auch „Genozidreparation“ genannt, stehen die Parteien offensichtlich vor dem Konsens. Einzig die Höhe der Wiedergutmachung steht noch aus.

Von Eberhard Hofmann

Swakopmund - Bei der ersten repräsentativen Begegnung zwischen namibischen Nachfahren der kriegführenden Parteien des damaligen Kolonialkriegs hat der Sprecher der Ovaherero-Gruppe, Ueriuka Festus Tjikuua, am Freitagabend ein detailliertes Briefing über Inhalt und Stand der deutsch-namibischen Verhandlungen vorgetragen. Tjikuua, Sekretär des Ovaherero/Ovambanderu- und Nama-Rates für Genozid-Dialog 1904-1908 (ONCD), gegründet am 2. Mai 2005 in Opuwo, und vier weitere Mitglieder des ONCD-Rates waren einer Einladung des deutschsprachigen Gesprächskreises (GK) - im vergangenen Jahr an der Küste gegründet - nach Swakopmund gefolgt. Der Vortragssaal im Swakopmunder Museum war vorwiegend von Namibiern deutscher Abstammung und einigen prominenten Ovaherero belegt, darunter Erongo-Gouverneur Cleophas Mutjavikua.

GK-Vorstandsmitglied Prof. Gerhard Tötemeyer begrüßte die ONCD-Delegation und stellte sie namentlich vor, während Anton von Wietersheim, ebenfalls vom GK-Vorstand, das Treffen im abschließenden Diskussionsabschnitt leitete. Zusammen mit Tjikuua gehören die ONCD-Mitglieder Charles Eiseb (Vaalgras), Freddy Nguvauva (Ovambanderu), John Kasaona (Rietfontein) und Tomotheus Tiboth (Berseba) zum Beraterteam des namibischen Unterhändlers Dr. Ngavirue, der mit dem deutschen Beauftragten Ruprecht Polenz die Verhandlungen über Wiedergutmachung führt.

Tötemeyer eröffnete das Treffen mit einer Aufforderung auf Englisch und Deutsch: „Dieser Abend ist nicht als Streitgespräch vorgesehen. Wir teilen viele Fragen und werden damit konfrontiert, aber miteinander sprechen wir nicht darüber. Nur miteinander zu sprechen ist aber nicht unser Ziel. Ebenso wichtig ist aufeinander zu hören.“

Langfristiger Plan für 7 Regionen

Der Hauptreferent Tjikuua informierte das Publikum über die angestrebte deutsch-namibischen Vereinbarung, die nach Festlegung der Summe für Wiedergutmachung sowohl vom Bundestag in Berlin als auch von der Nationalversammlung in Windhoek ratifiziert werden muss. Das ONCD-Komitee leite sein Mandat von der Gründungsversammlung im Jahre 2005 in Opuwo sowie vom bewilligten Reparationsantrag des weiland Ovaherero-Chefs Kuiama Riruako in der namibischen Nationalversammlung vom 26. Oktober 2006 ab.

Die verhandelnden Parteien verfahren laut Tjikuua nach folgenden Agendapunkten: Genozid, formale Entschuldigung, Wiedergutmachung sowie (noch anstehendes) Management künftiger Hilfs- und regionaler Entwicklungsmaßnahmen. Dazu müsse man „eine gemeinsame Sprache“ finden. „Alle drei Punkte müssen als komplettes Paket“ von den Parlamenten ratifiziert werden. Deutschland will laut Tjikuua einen Zukunftsfonds sowie einen Community Trust für betroffene Gemeinschaften gründen, die in sieben designierten Regionen beheimatet sind: Kunene, Erongo, Otjozondjupa, Omaheke, Khomas, Hardap und //Kharas. Vorgesehene Förderung Förderbereiche über 30- 45 Jahre: Landreform, Landwirtschaft, Infrastruktur, Schul- und Berufsausbildung, Gesundheit und Soziales. „Für alle Einwohner dieser Regionen, Deutschsprachige inklusive“, betont Tjikuua. „Bargeld gibt´s nicht.“ Das ONCD-Komitee verfolgt sein Anliegen nicht über New York, wie es eine andere Herero-Fraktion an einem Gericht versucht.

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