11 April 2011 | Dauerbrenner

Mike Campbell: Ein Leben für Gerechtigkeit in Simbabwe

Ruhm hat er nie gewollt. "Ich würde meine gesamte Bekanntheit gerne aufgeben, wenn ich dafür meine Farm zurückbekommen könnte", hat William Michael "Mike" Campbell noch wenige Monate vor seinem Tod gesagt. Am vergangenen Mittwochnachmittag starb der simbabwische Farmer, der es gewagt hatte, Präsident Robert Mugabe vor Gericht zu bringen und diesen Prozess gewann, im Alter von 78 Jahren in Harare im Kreise seiner Familie (AZ berichtete).
Es war der lange, mühsame und auch schmerzhafte Kampf um seine Farm Mount Carmel, die Mike Campbell am Ende die Kraft zum Leben geraubt hat. Im Jahr 2008 waren er, seine Frau Angela und sein Schwiegersohn Ben Freeth von ZANU-PF-Schlägertrupps entführt und brutal misshandelt worden, nachdem sie die Enteignung ihre Farm vor das SADC-Tribunal in Windhoek gebracht hatten. Von diesen schweren Verletzungen hat sich Campbell körperlich und geistig nie mehr erholt.
Trotzdem, so berichtete Ben Freeth am Wochenende im AZ-Gespräch, sei Campbells Tod überraschend gekommen, hatte die Familie doch noch eine Behandlung in Südafrika in Erwägung gezogen. Seit vergangenen Montag habe Campbell an Atembeschwerden gelitten, die sich stetig verschlimmert hätten, so Freeth. Am Mittwochmorgen habe der behandelnde Arzt dann die Einweisung in ein Krankenhaus empfohlen, andernfalls sei Campbell nicht zu retten. Der 78-Jährige selber war es dann, der sich gegen das Krankenhaus aussprach. "Ich habe Frieden mit Gott und bin bereit, von dieser Erde zu gehen", erklärte er seiner Familie, die sich um ihn versammelt hatte.
Es blieb Mike Campbell verwehrt, zu sehen, was er vor dem SADC-Tribunal gewonnen hatte. Im Jahr 2007 hatte er die Regierung Simbabwes und Mugabe persönlich dort verklagt, nachdem ihm seine Farm, die er im Jahr 1975 gekauft und dort die größte und erfolgreichste Mango-Produktion und -Ausfuhr Simbabwes sowie ein gesundes Wildtiervorkommen etabliert hatte, genommen worden war und die parteiischen Gerichte trotz ganz offensichtlicher Unrechtmäßigkeiten seine Klagen immer wieder abgeschmettert hatten. Zuvor waren die Campbells sechs Jahre lang Opfer von Übergriffen der Mugabe-treuen Schlägertrupps gewesen.
Am 29. Juni 2008 nahm die ZANU-PF Rache für den mutigen Angriff gegen Mugabes diktatorisches und unrechtmäßiges Vorgehen. Sie verschleppten das Ehepaar Campbell und Schwiegersohn Freeth (verheiratet mit Campbells Tochter Laura) unter Waffengewalt und mit eiskalter Brutalität und hielten sie für Stunden in einem Foltercamp gefangen. Dort wurden sie in berüchtigter Manier gefoltert, um eine Unterschrift zu erpressen, mit der Campbell sich zum Rückzug seiner Klage verpflichtete. Doch der Gepeinigte blieb hart. Die Fotos des blutenden und misshandelten Trios gingen um die Welt, genauso wie der Kampf der Campbells um ihre Farm, der in der preisgekrönten Dokumentation "Mugabe and the White African" in Europa und den USA bekannt wurde.
Am 28. November 2008 schien der Triumph von Campbell und Freeth perfekt: Das SADC-Tribunal erklärte ihre Enteignung und die von mittlerweile 77 weiteren zum Prozess gestoßenen Farmer nicht nur für unrechtmäßig, sondern auch für diskriminierend und ordnete an, ihnen ihre Ländereien umgehend zurückzugeben und sie ab sofort unbehelligt zu lassen.
Doch Robert Mugabe und seine Schergen hatten nie im Sinn, sich von der SADC oder dem in ihren Augen unrechtmäßig agierenden Tribunal etwas vorschreiben zu lassen. Die Legalität des Tribunals erkennt Simbabwe mittlerweile nicht mehr an. Die Verfolgung der Farmer ging unvermindert weiter, die Schlägertrupps hielten Mount Carmel weiter besetzt und legten die Farm, den Betrieb und weitere Gebäude auf dem Grundstück schließlich Mitte 2009 in Schutt und Asche.
Das Ehepaar Campbell und Familie Freeth hatten sich mittlerweile in der Hauptstadt Harare niedergelassen, den Kampf aber weitergeführt. Erst vor zwei Wochen brachten sie mit einem schwarzen und ebenfalls enteigneten kommerziellen Farmer, Luke Tembani, einen weiteren Eilantrag vor das SADC-Tribunal, in dem sie die SADC-Staatschefs aufforderten, die Arbeit des Gerichts als legal anzuerkennen. Diesen Antrag werde man weiterführen, erklärte Ben Freeth jetzt der AZ, sozusagen als Vermächtnis seines Schwiegervaters.
Ganz heimkehren nach Mount Carmel wird Mike Campbell auch im Tod nicht. Am Samstag fand mit großer Beteiligung seine Beerdigung auf einer Farm nur wenige Kilometer von den verkohlten Ruinen von Campbells Lebenswerk im Distrikt Chegutu (110 km südöstlich von Harare) statt.
Bei aller Trauer wehte ein großes Maß von Dankbarkeit für einen wertvollen Menschen über dieser Veranstaltung. "Sein Mut und sein Durchhaltevermögen waren etwas ganz besonders und werden uns für immer in Erinnerung bleiben", fasste Freeth die Gefühle von Freunden, Familie und Weggefährten zusammen. Mike Campbell wird nicht nur im Leben seiner Frau Angela, seiner zwei Töchter und seinem Sohn sowie aller fünf (im kommenden Monat sechs) Enkel eine Lücke hinterlassen.
Seine Farm hat Campbell die durch seinen Mut erlangte "Berühmtheit" nicht zurückgebracht. Für die Geschichte Simbabwes und für das Leben zahlreicher Menschen hat er trotzdem eine unvergessene Rolle gespielt, so wie es Familie Young in einem Nachruf zusammenfasst: "Ein mutiger Mann, der die Aufmerksamkeit der Welt auf die Not von uns weißen Farmern gezogen hat. Und ein Farmer-Held, der sein Leben für seine Rechte und seine Überzeugungen gab."

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