01 Juli 2020 | Gesundheit

Mögliche Gesetzesreform anvisiert

Parlament aufgerufen Debatte um hiesiges Abtreibungsgesetz neutral zu führen

Eine kürzlich ins Leben gerufene Petition zur Legalisierung von Abtreibungen in Namibia hat innerhalb von knapp zwei Wochen mehr als 35000 Unterschriften erhalten. Die Debatte, ob das namibische Abtreibungsgesetz verändert werden soll, wird indessen im Parlament fortgesetzt.

Von Jana-Mari Smith und Steffi Balzar

Windhoek

Die Menschenrechtsaktivistin Beauty Boois, die in diesem Monat die Abtreibungsdebatte in Namibia erneut entfacht hat, bat in einem offenen Brief an das Parlament darum, dass „die Debatte über die Reform des Abtreibungsgesetzes auf faktischen Grundlagen beruht und Menschen- und Frauenrechte dabei mit einbezogen werden.“ Boois forderte die Gesetzgeber zudem dazu auf, Religion und persönliche moralische Ansichten aus den Diskussionen herauszuhalten.

Sie übergab unter anderem den Gesundheits- und Justizministerien Kopien ihrer Petition. Unter dem Motto „Legalise Abortion in Namibia“ wurden Stimmen laut, die das Abtreibungsgesetz aus der Apartheit-Ära, das Abtreibungen verbietet, als überholt ansehen. Demnach sei eine Abtreibung nur gerechtfertigt, wenn die Schwangerschaft auf einer Vergewaltigung oder Inzest beruht, oder das Leben der Mutter und des Kindes in Gefahr sind (AZ berichtete).

In der vergangenen Woche reichte die stellvertretende Gesundheitsministerin, Esther Muinjangue, einen Antrag auf eine Debatte über Abtreibung im namibischen Parlament ein, die auf den morgigen Donnerstag vertagt wurde. „Obwohl es sich dabei um ein schwieriges Thema handelt, kann es nicht ignoriert werden“, so Muinjangue. Laut der Vize-Gesundheitsministerin ist das Thema Abtreibung in der namibischen Gesellschaft eine Realität und sei es an der Zeit, alle Vor- und Nachteile abzuwägen und eine informierte Entscheidung zu treffen.

Bereits Mitte Juni schrieb der Parlamentarier Mandela Kapere in einem öffentlichen Facebook-Post: „Der Zugang zu einer risiko-freien Abtreibung sollte heutzutage eine Option für jede Frau sein, nicht nur für die Wohlhabenden“. Mehrere Ärzte, darunter auch Gesundheitsminister Dr. Kalumbi Shangula und sein Vorgänger Dr. Bernard Haufiku, hatten ebenfalls zu Protokoll gegeben, dass sie eine Gesetzesreform unterstützen würden.

Am Wochenende meldete sich die Frau des namibischen Präsidenten, Monica Geingos, über Twitter zu Wort. „Sexueller Umgang ohne den Einsatz wirksamer Verhütungsmittel – sei es freiwillig oder durch Zwang – ist die grundlegende Ursache für eine ungewollte Schwangerschaft“. Die Entscheidung, eine Schwangerschaft auszutragen oder abzubrechen, sollte einer reproduktiven Autonomie unterliegen. „Zu behaupten, dass Frauen eine Abtreibung ‚zum Spaß' vornehmen, ist irreführend und sorgt für sinnlosen Zündstoff im Diskurs“, so Geingos.

Während die Unterstützung einer Abänderung des Abtreibungsgesetzes zugenommen und die entsprechende Bewegung an Dynamik gewonnen hat, sind die Ansichten, die gegen die Abtreibung ausgerichtet sind, in Namibia nach wie vor weit verbreitet und gründen sich vor allem auf religiösen Argumenten. Eine Petition, die sich für die Ablehnung der Legalisierung der Abtreibung einsetzt, hatte bis zum Montag dieser Woche mehr als 13000 Unterschriften erhalten. Die Ministerin für Gleichberechtigung, Doreen Sioka, machte kürzlich deutlich, dass sie die Bewegung zur Legalisierung der Abtreibung in Namibia nicht unterstützt.

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