18 Juli 2020 | International

Meteoritenfund - Die Sensation schlummerte Jahrzehnte im Garten

Jahrzehnte liegt ein Brocken im Garten von Hansjörg Bayer. Er hält ihn für einen Stein, wenn auch ein ungewöhnlicher. Irgendwann lässt er einen Fachmann einen Blick darauf werfen und erfährt: Der vermeintliche Stein ist eine Sensation.

Blaubeuren (dpa) - Der 30 Kilogramm schwere Brocken fristete lange ein Schattendasein: Möglicherweise mehrere Tausend Jahre lag er unter der Erde, gut 25 weitere Jahre war er Dekostück in einem Garten in Blaubeuren. Zum Schluss landete er in einem Kleiderschrank. Erst dann entschied sich Grundstücksbesitzer Hansjörg Bayer, ein Stück des vermeintlichen Steins, der ihm immer schon ungewöhnlich erschien, einem Fachmann zu schicken - nicht ahnend, dass er jahrelang den bislang größten in Deutschland je entdeckten Steinmeteoriten bei sich zu Hause gelagert hatte.

Das 20 Gramm leichte Fragment des Brockens aus Bayers Garten landet bei Meteoritenforscher Dieter Heinlein vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Er tippt beim bloßen Anschauen auf Eisenerz. „Der sah erst überhaupt nicht meteoritenverdächtig aus“, erinnert sich der Experte, der am DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin arbeitet. Mit einer speziellen Säge durchtrennt er das Stück. Angesichts der typischen Struktur und nach einer Untersuchung auf den Eisen- und Nickelwert ist für ihn alles klar: „Das ist einer.“ Nach Untersuchungen in drei unterschiedlichen Laboren wird seine Vermutung bestätigt: Es ist ein Meteorit.

Und was für einen: Das Fundstück ist 30,26 Kilogramm schwer. Bislang war der bei Oldenburg gefundene „Benthullen“-Meteorit mit einem Gewicht von 17,25 Kilogramm laut DLR der Rekordhalter. Der kosmische Körper aus Bayers Garten wird nach der Stadt Blaubeuren in der Nähe von Ulm benannt. Das DLR berichtete am Mittwoch in einer Mitteilung über den Fund und bezeichnete ihn als „wissenschaftliche Sensation“.

Meteoritenfunde sind laut Heinlein sehr selten. „Das ist etwas ganz Besonderes“, sagt er. Denn nun könne man genauer untersuchen, wie lange der Meteorit welchen Witterungsverhältnissen ausgesetzt war. Über die Jahrhunderte hat es in Deutschland nur 52 Funde gegeben. Das liegt auch daran, dass sie im hiesigen Klima vergleichsweise schnell verwittern.

Bayer hatte den vermeintlichen Stein 1989 entdeckt, als er in seinem Garten in 50 Zentimeter Tiefe ein Rohr verlegen wollte. „Die ganze Haptik, das Anfassen und das Gewicht - ich habe damals schon gemerkt, dass der Stein besonders ist“, sagt Bayer heute. Selbst Profis können ihn laut DLR nicht unbedingt auf den ersten Blick als Meteoriten erkennen. Bayer setzte ihn in den Garten, und dort blieb er auch etwas mehr als 25 Jahre liegen.

2015 war er kurz davor, den Stein zu entfernen. „Das wäre schade um den Stein“, dachte sich Bayer aber und hievte ihn in den Keller. Dort lag er weitere fünf Jahre in einem alten Kleiderschrank. Im Januar dieses Jahr wollte er den Keller entrümpeln, und ihm wurde erneut die Besonderheit des Steins bewusst. Nach all den Jahren dachte er, dass der Brocken einfach nicht zu der Art der Kalksteine passt, die er aus der Region kennt. Er suchte den Kontakt zu einem Fachmann und kontaktiert Dieter Heinlein - der Rest ist Geschichte.

Viele Laien verwechselten Eisenerze mit Meteoriten, sagt Heinlein. Jährlich bekomme er zahlreiche Einsendungen. Mit Meteoriten sei es ähnlich wie mit Lottospielen, findet Heinlein. Man könne das Glück nicht erzwingen, einen zu finden. „Über die vielen Jahre ist es enttäuschend, wenn man den Leuten immer wieder sagen muss, dass es kein Meteorit ist“, sagt er.

„Nur ganz wenige sind wirklich Meteorite“, sagt der Fachmann. „Unter 2000 Einsendungen in den letzten 15 Jahren waren drei echte dabei.“ Die anderen zwei waren faustgroß. Dieser misst 28 mal 25 mal 20 Zentimeter - ähnlich wie ein Fußball. Heinlein vermutet, dass der Meteorit bei seinem Absturz möglicherweise mit 250 Stundenkilometern aufgeprallt ist. In der Luft auseinandergebrochene Meteoriten könnten kilometerweit voneinander entfernt liegen.

Der Meteorit soll jetzt weiter untersucht werden. Bayer erlebt dagegen zurzeit einen wahren Medienrummel. Reporter fragten ihn, ob er den Meteoriten verkaufen wolle. Das lehnt er vehement ab, das sei moralisch verwerflich. Der Meteorit müsse dauerhaft in ein Museum. Da sind sich Forscher Heinlein und Finder Bayer einig.

Gleiche Nachricht

 

Trump will Videoplattform TikTok in den USA verbieten

vor 1 tag - 01 August 2020 | International

Washington (dpa) - US-Präsident Donald Trump will die internationale Videoplattform TikTok in seinem Land verbieten. „Was TikTok betrifft, so verbannen wir sie aus den USA“,...

Tausende zu Anti-Corona-Demonstration in Berlin erwartet

vor 1 tag - 01 August 2020 | International

Berlin (dpa) - Aus Protest gegen die Einschränkungen in der Corona-Krise wollen heute in Berlin Tausende Menschen auf die Straße gehen. Trotz steigender Infektionszahlen möchten...

Bus aus „Into the Wild“ soll in Alaska ins...

vor 1 tag - 01 August 2020 | International

Anchorage (dpa) - Ein rostiger, ausrangierter Bus, der durch das Schicksal des „Into-the-Wild“-Aussteigers Christopher McCandless bekannt wurde, soll in ein Museum kommen. Man stehe mit...

Pilgern mit Mundschutz

vor 3 tagen - 30 Juli 2020 | International

Von Johannes Schmitt-Tegge, dpaMekka In weißen Gewändern gehen die Männer durch den Hof der Großen Moschee von Mekka, die Frauen in Schwarz. Sie halten Sonnenschirme...

sp- int Dressur-Olympiasiegerin Werth in Achleiten nicht zu schlagen

1 woche her - 26 Juli 2020 | International

Achleiten (dpa) - Die sechsmalige Olympiasiegerin Isabell Werth (Bild) war die überragende Reiterin beim Dressur-Turnier im österreichischen Achleiten. Die 51-Jährige aus Rheinberg kam am Wochenende...

Aus der Todeszone

1 woche her - 26 Juli 2020 | International

Kathmandu Von Roshan Sedhai und Anne-Sophie Galli, dpaDawa Finjhok Sherpa wusste, dass er und die anderen Sherpas schnell sein mussten. Sonst bestand die Gefahr, dass...

„Großes Welttheater“ in Salzburg - 100 Jahre Kultur im...

1 woche her - 24 Juli 2020 | International

Von Christina Peters, dpaSalzburg (dpa) - Das größte Musik- und Theaterfestival der Welt beginnt provisorisch und mitten in einer Krise. In Österreich herrscht eine Hungersnot,...

Machtsymbol und Haus Gottes - die Hagia Sophia öffnet...

1 woche her - 23 Juli 2020 | International

Von Mirjam Schmitt, dpaIstanbul (dpa) - Für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan geht ein „Traum aus Jugendjahren“ in Erfüllung, wie er selbst sagt: Das...

„Fragen an den Himmel“: Gelingt China eine Landung auf...

1 woche her - 23 Juli 2020 | International

Von Andreas Landwehr, dpaWenchang (dpa) - China hat erfolgreich ein Raumschiff zu seiner ersten Landung auf dem Mars gestartet. Die Rakete vom neuen, leistungsstarken Typ...

„Mein Körper, meine Sache“ - Junge Russin kämpft um...

1 woche her - 22 Juli 2020 | International

Von Ulf Mauder, dpaMoskau/Komsomolsk am Amur (dpa) - Monatelang hat die junge russische Künstlerin Julia Zwetkowa wegen ihrer Zeichnungen nackter Frauen schon im Hausarrest verbracht....