10 April 2020 | Kommunikation

Merkur-Sonde „BepiColombo“ fliegt letztmals an der Erde vorbei

Kurzer Besuch beim Heimatplaneten auf dem Weg zu wenig erforschten Teilen des Sonnensystems: Die Sonde „BepiColombo“ ist noch einmal an der Erde vorbei zu seiner Mission am kleinsten Planeten Merkur geflogen. Grund für das Manöver: Die Sonde muss bremsen.

Darmstadt (dpa) - Die Merkur-Sonde „BepiColombo“ ist am Freitag letztmals an der Erde vorbeigeflogen und befindet sich nun auf dem Weg zum kleinsten Planeten des Sonnensystems. Das europäisch-japanische Raumfahrzeug näherte sich um 6.25 Uhr bis auf weniger als 12 700 Kilometer seinem Heimatplaneten - im Universum eine Steinwurf-Distanz.
Anschließend folgte der kritischste Teil des Manövers: Mehr als eine halbe Stunde flog „BepiColombo“ im Erdschatten und war somit ausschließlich auf seine Batterien angewiesen. „Die Raumsonde durchflog den Schatten unseres Heimatplaneten und wurde zum ersten Mal seit ihrem Start nicht mit direktem Sonnenlicht versorgt“, sagte Elsa Montagnon, Leiterin des BepiColombo-Flugkontrollteams bei der europäischen Raumfahrtorganisation Esa in Darmstadt, am Morgen.
Kurz vor der größten Annäherung nahm die Raumsonde ihre letzten Bilder vom Heimatplaneten auf. „Die Fotos zeigen die Erde im Weltall – zu einer der herausforderndsten Zeiten der jüngeren Menschheitsgeschichte“, erklärte die Esa. Gesteuert wird die Hunderte Millionen Euro teure Mission von Experten im Kontrollzentrum Esoc in Darmstadt. Aufgrund der Corona-Krise stand am Freitag allerdings nur eine Rumpfmannschaft in der Kontrollzentrale.
Die im Oktober 2018 gestartete Mission ist die erste europäische zum Merkur. Alleine die Kosten für die Esa liegen einer Sprecherin zufolge bei rund 1,5 Milliarden Euro. Auf der Sonde sitzen zwei Orbiter aus Deutschland und Japan. Sie sollen nach dem Einschwenken der Sonde in eine Umlaufbahn um den Merkur 2025 das Magnetfeld, die Oberfläche oder auch Sonnenwinde untersuchen. Der kleinste und der Sonne am nächsten liegende Planet wurde bislang nur sehr wenig erforscht.
Grund für den Erdumflug war die zu hohe Geschwindigkeit der Sonde. Sie raste mit 30 Kilometern pro Sekunde auf die Erde zu und durch das Manöver abgebremst. Sie fliegt auch noch zwei Mal an der Venus und sechs Mal am Merkur vorbei, um den Schub zu drosseln. Nach rund sieben Jahren Flugzeit und rund neun Milliarden zurückgelegten Kilometern wird „BepiColombo“ dann 2025 am Ziel der Reise sein und den Merkur umkreisen. (Foto: dpa)

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