29 Dezember 2016 | Politik

Menschenrechtsvergehen neu unter die Lupe

Das Elternkomitee für Hinterbliebene verschwundener SWAPO-Opfer wird neu belebt

Die Regierungspartei Swapo wird seit der Unabhängigkeit immer wieder neu zu ihrem Verhältnis zu den Menschenrechten während des Unabhängigkeitskampfes befragt. Dies trifft insbesondere auf ihre Vergangenheit in Angola zu, als sie angebliche Verräter eingekerkert hatte.

Von Catherine Sasman und Frank Steffen, Windhoek

Eine Liste von Namen ist bekanntgemacht worden, nachdem Namibier sich nun dazu bereit erklärt haben, bei einem internationalen Untersuchungsausschuss mitzuwirken, der die angeblichen Menschenrechtsvergehen der Swapo in ihren Lagern in Angola, vor der Unabhängigkeit Namibias, neu untersuchen soll. Das sogenannte „Eltern-Komitee für Hinterbliebene verschwundener SWAPO-Opfer“, welches sich erstmals formell in den Jahren 1984/85 gebildet hatte, gab bekannt, dass sich Dr John Nakuta, Leah Shaanika, Hendrik Christian, Monika von Wietersheim und Paul Thomas gemeldet haben und zusammen mit Paul Threwela aus England, in diesem Ausschuss wirken wollen. Threwela, ein vormaliger Insasse des Robben-Island-Gefängnisses und Mitglied des Umkhonto-we-Size, welches der Militär-Flügel des African National Congress (ANC) während des südafrikanischen Unabhängigkeitskampfes war (ähnlich der PLAN-Armee von Swapo), will vornehmlich bei der Medienberichterstattung behilflich sein. Laut der Vorsitzenden des Eltern-Komitees, Erica Beukes, werden demnächst die Namen weiterer ausländischer Beisitzer bekanntgemacht.

Die Namen sollen dann dem Generalstaatsanwalt, Sackey Shangala, vorgelegt werden, der namens des Staates die Beschwerden der Kommission anhören und bearbeiten muss. Beukes meinte ferner, dass die Namen aller Kommissionsmitglieder auch der UN-Antifolterkonvention (CAT) vorgelegt werden. Namibia ist unterzeichnetes Mitglied der CAT und hat diese Grundsätze ratifiziert. Demnach verschreibt sich die Regierung der Erklärung über den Schutz aller Personen vor Folter und anderer grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlungen oder Strafen.

Beukes und ihr Bruder Walter Thiro wurden 1976 Mitglieder der Swapo, als sie Angestellte des Namibischen Kirchenrates (CCN) war. Thiro verließ später das Land und studierte am UN-Institut in Lusaka (Sambia). Bruder und Schwester sahen sich ein letztes Mal in den frühen Achtzigern, bevor er nach Angola ging, um von dort aus, als Mitstreiter des Swapo-Militärflügels PLAN, gegen die Kolonialmacht Südafrika zu kämpfen. Mitte der Achtziger bekam Beukes die Nachricht, dass ihr Bruder vermisst werde, doch später stellte sich heraus, dass er sich als Gefangener in den sogenannten Swapo-Löchern in Angola aufhielt. Bereits in den späten Siebzigern hatte es immer wieder Gerüchte gegeben, dass Swapo einige seiner Mitglieder unter fragwürdigen Umständen einkerkere. Die Eingesperrten waren laut Swapo als Verräter und Spione der SA-Militärmacht entlarvt worden. Erica Beukes rief nun das Eltern-Komitee ins Leben, geleitet von ihr und Attie Beukes (nicht verwandt). Spätere prominente Mitglieder waren Stella-Maria Boois, Stella Gaes und Thalida Schmidt. Zumeist waren dies betroffene Familienmitglieder, welche die Swapo-Führung davon beschuldigten, alle Kritiker und Nebenbuhler auf unrechtmäßige Weise aus dem Weg zu räumen, denn viele dieser jungen Menschen wurden nie wieder gesehen; andere kehrten mit Narben nach der Unabhängigkeit zurück.

Die Kommission soll nun die Morde und Verhaftungen untersuchen und dabei eventuelle Folterungen, forcierte Geständnisse und allgemeine Beschwerden der Misshandlung, durch die Swapo, in jener Zeit zu entlarven. Es geht den Eltern-Komitee-Mitgliedern dabei auch darum, den Namen ihrer verschollenen Verwandten als Freiheitskämpfer mit gutem Ruf zu erhalten, sowie darum, eine formelle Entschuldigung und Wiedergutmachung seitens der Regierung einzutreiben.

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