14 Juni 2021 | Meinung & Kommentare

Mehr Zerwürfnis als Versöhnung

Die hoch-emotionale, teils hysterische Reaktion von Stammesführern und Oppositionsparteien auf das Versöhnungspaket, das in Berlin und Windhoek zur Ratifizierung vorgelegt wird, ist total aus dem Ruder gelaufen. Allein das Poker mit Milliarden, Billionen und Trillionen Nam-Dollar und Euros steigert sich zur Farce. Kriegsopfer, Tote der Gefangenenlager sowie andere Schäden, die jetzt politisch einvernehmlich unter dem Genozid-Dogma eingeordnet sind, kann man117 Jahre später mit zusätzlichen Nullen nicht quantifizieren. Es ist ein Unding, Ressentiments von vor 100 Jahren auszugraben.

Kompletter Konsens zwischen Deutschland und Namibia, bzw. den Nachkommen der Geschädigten ist bei tief verwurzeltem Anspruchsdenken – Nachlass aus der Apartheid – so nicht möglich, selbst wenn Berlin die Euro-Komponente verzehnfachen würde. Der gähnende materielle Graben kann aber mit beidseitiger Bereitschaft, auf den anderen zu hören und fundierte Erkenntnisse zu respektieren, überbrückt werden. Ohne Zuckerschlecken.

Namibia hat nach den Kriegsepochen 1904-1908, 1914-1915 sowie dem Unabhängigkeitskampf –„low intensity warfare“ -1966-1989 drei friedvolle Jahrzehnte der Stabilität mit offener Dialogkultur erfahren – gewiss mit extremen Auswüchsen. Der Einstieg zum öffentlichen Austausch über das gegenwärtige Reizthema sollte mit dem Abbau der Haarspalterei um die Begriffe Reparation, Entschädigung, Wiederaufbau und Versöhnung beginnen. Das erfordert Mut und Engagement, die historische Kulisse die Verkettung von Ursache und Wirkung zu erkennen und die Abfolge des Geschehens aufzuarbeiten. Beispiel: Der Schießbefehl Samuel Mahareros: „Tötet alle Deutschen“, mit entsprechenden Folgen, wird neben Von Trothas Schießbefehl konsequent ignoriert. Koloniale Opfermentalität und chronische Schuldkomplexe auf deutscher Seite sind fehl am Platz.

Austausch auf Augenhöhe und Dialog auf reellem Boden sind angesagt, um Gegenwart und Zukunft zu gestalten. Für Schwärmerei, Süffisanz und Gerüchte bleibt ohnehin Raum genug.

Eberhard Hofmann

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