15 August 2018 | Wirtschaft

Mehr Potenzial für Holzkohle

Namibia einer der wichtigsten Exporteure – Tendenz steigend

Mehr als 160000 Tonnen Holzkohle werden aktuell jedes Jahr ins Ausland exportiert. Damit gehört Namibia zu den fünf größten Lieferanten der Welt. Bis 2020 soll dieses Volumen nun sogar noch steigen – auf rund 200000 Tonnen.

Von Nina Cerezo, Windhoek/Otjiwarongo

Im südlichen Afrika hat Namibia im Hinblick auf den Export von Holzkohle bereits die Nase vorn und auch im internationalen Vergleich kann sich die hiesige Leistung sehen lassen. Gemessen im Jahr 2016 werden aktuell mehr als 160000 Tonnen vor allem nach Südafrika, ins Vereinigte Königreich, Deutschland, Frankreich und Griechenland, aber auch in weitere Länder ausgeführt. Die namibische Holzkohle-Vereinigung (NCA) sieht dabei Potenzial für mehr. So kalkuliert sie, dass die Zahl der aktuell rund 650 Holzkohle-Produzenten weiterhin wachsen werde und im Jahr 2020 rund 20000 Tonnen für den ausländischen Markt zur Verfügung stehen würden.

Profitieren würden dabei nicht nur die kommerziellen Farmer, die den Großteil der Hersteller ausmachen würden, sondern auch die Umwelt und weitere Wirtschaftszweige. „Das Ministerium für Industrialisierung und Handel hat die Holzkohle-Industrie als eine der zehn wichtigsten Wirtschaftsentwicklungen des Landes eingestuft“, lautet es in einer NCA-Pressemitteilung, die anlässlich der am Freitag stattgefundenen Jahreskonferenz der Vereinigung in Otjiwarongo herausgegeben wurde. Allein die wachsende Teilnehmerzahl im Vergleich zum Vorjahr (260 Gäste und 14 Aussteller) mit nun fast 400 Besuchern und 28 Ausstellern würde das ständig steigende Interesse an der nun seit circa 30 Jahren in Namibia existierenden Holzkohleherstellung deutlich vor Augen führen, heißt es in der Mitteilung.

Insgesamt gibt es gemäß NCA mehr als 30 Millionen Hektar Weideland – und damit rund 30 Prozent der Gesamtfläche Namibias, das von einer starken Verbuschung betroffen und damit für Viehzucht oder Ackerbau nur bedingt brauchbar oder gar vollständig nutzlos ist. „Außerdem sickert durch die Büsche weniger Regen in das Grundwasser und die biologische Vielfalt geht verloren“, heißt es weiter. Dadurch sei die Holzkohleherstellung in Namibia „dynamischer als in anderen Umfeldern“ zu betrachten, weil sie nicht nur das Einkommen von Farmern steigere und Arbeitsplätze schaffe, sondern auch helfe „das degradierte beschädigte Ökosystem“ wiederherzustellen.

Ein internationales Studententeam hatte zudem Ende April eine Vision eines Industrieparks für Biomasse vorgestellt, in dem die hier gerodete Vegetation nicht nur zur Energiegewinnung für Namibia verwendet werden könnte, sondern ein weiteres Exportgut für den weltweiten Markt darstellen würde. Dem Team zufolge könnte in dem „Bioenergie- und Ressourcenzentrum“ aus den gerodeten Büschen jährlich bis zu 330 Millionen Tonnen Biomasse erzeugt werden – mehr als für ganz Namibia notwendig sei (AZ berichtete).

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