17 Oktober 2019 | Glosse

Malheur nach dem ersten Viertelmillimeter

Wenn die Oukies mittlerweile mit Genickstarre nach Regen spähen, den Optimisten und verwegene Wetterfrösche für wahrscheinlich halten – das Glas halb voll – muss der Regenmesser beizeiten her. Aus übler Erfahrung hat manch Regenanbeter seinen Plastik-Regenmesser während der nich enden wollenden Trockenmonate aus der Sonne in die Garage geholt. Sonne kann meinetwegen von der Flagge der Braven scheinen und ins Herze brennen, aber den Regenmesser darf se nich morschen. Regenmesser kommt wieder ins Freie.

Tatsächlich ziehen jetzt ein paar Wolken hoch, biekie mehr als Hitzewölkchen, auch wenn se nur flache graue Bäuche ham. Es tröpfelt auf den heißen Stein und sogar etwas mehr, dass die Dachrinne zum ersten Mal wieder hohl tönt und die Klanghülle des Regentanks ein Tropf-Echo wiedergibt, wozu Du die Ohren fein spitzen musst. Und tatsächlich, im spitz nach unten zulaufenden Plastiktrichter des Regenmessers haben sich ´n paar Dreppeln gesammelt, die wenigstens ´nen Viertelmillimeter zum Einstieg in die erhoffte Kleine Regenzeit ergeben.

Weil es morgen oder übermorgen hoffentlich schon mehr gibt, müssen die vom Viertelmillimeter angefeuchtete Spinnwebe und Staubreste der Trockenmonate aus dem Trichter entfernt werden. Und da passiert´s! Der Plastiktrichter aus bleddy Schund und Tand zerbröckelt Dir wie Sandkuchen an der Mole, wenn Du drüberlatschst. Dabei war der Regenmesse grad vor einem Jahr im gängigen Baugeschäft als Speschel angepriesen, so für 35 Nam-Dollar. Allein der grüne Deckel und der Ringhalter am Pfahl scheinen was zu taugen, denn die sind noch nich moff. Aber ohne Trichter mit Millimetermaße helfen die mos nich.

Zur Not nimmste ´ne Jämdose, platzierst die im Freien und steckst nach dem nächsten Guss den Zollstock mit Millimetermaß rein, um ´ne annähernde Messung festzustellen. Aber das is eben nur ´n Kompromiss und entbehrt der Präzision, die manch einer verlangt.

Also rein in die Tjorry und ab in die Stadt in der Hoffnung, dass das Fachgeschäft ´nen neuen Regenmesser hat. Die Plastikscherben des alten müssen die im Store aber auch sehen, dasse begreifen, was für ´n lumpiges Produkt die vor ca einem Jahr dem gutgläubigen Kunden verhökert ham. Im Store trägt dieser seine Litanei vor, mount über den bleddy Ramsch, der den Leuten angedreht wird. ´n Anderer Kunde im Laden hört sich den Jammer an und sagt: da und dort in Klein-Ovenduka gibt´s auch Regenmesser, darunter der von Prof. Hellmann. Hellmann! Richtig, den kennen wir huka. Blechzylinder mit Trichterablauf direkt ins markierte Glas. Die Sonne verbrennt das Patent mos in Jahrzehnten nich.

Also nix wie hin. Und siehe da. Prof. Hellmanns Regenmesser is zu haben. Heutzutage mit Hochglanzchrom-Zylinder, eine Trophäe wie bei der Oscar-Verleihung in Hollywood. Und der Preis? Der lässt Dich rückwärts das Lokal verlassen: N$ 2200, in Worten: zweitausendundzweihundert Nam-Dollar! Also sowas wie ein Porsche-Modell unter den Regenmessern, wobei ein Volksie ausreichend wäre. ´s Muss nur nich Plastik sein wie beim Trabant. Aber die bieten Dir für N$ 400 nun doch noch ´n Plastikregenmesser Made in Germany, von dem der Hersteller behauptet, dasser sonnenfest sei. Der Fabrikant vom zerbröckelnden Plastikgemorsche für N$35 hatte auch beteuert, dass sein Produkt UV-fest wäre (ultraviolett-resistent).

Na, wir werden sehen!

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