14 Juni 2019 | Kultur & Unterhaltung

Löwen, Leoparden und die südliche Kalahari

Tierökologe Bothma veröffentlicht Buch „Written in the Sand“

Im digitalen Zeitalter, wo wir Informationen auf Abruf erwarten, fragt sich der moderne Mensch manchmal, wie Leben davor überhaupt möglich war. Wie funktionierte die Welt damals? Auch im Gebiet der Naturwissenschaften hat sich vieles verändert. Ein Dr. Stander kann heute Daten der Bewegungen vieler Löwen dank moderner GPS-Halsbänder auf Knopfdruck am Computer abrufen, auf digitale Karten einspielen und so genau analysieren, wo ein Löwe in den letzten paar Tagen unterwegs war. Wie aber arbeiteten die Forscher bevor diese Technologie entwickelt wurde?

In seinem Buch „Written in the Sand“, verrät uns der Tierökologe J. du P. Bothma, wie es damals gemacht wurde. Mit den San Spurenlesern, Kompass, Landkarte und Stift auf der Spur der Löwen. Die Spur wird mit dem Wagen verfolgt; bei jedem Richtungswechsel muss abgestiegen werden, einige Meter vom Wagen entfernt wird mit dem Kompass der Richtungswechsel aufgenommen und notiert. Was aber, wenn man auf einmal direkt in die gelben Augen eines Mähnenlöwen blickt? Solch eine Begegnung beschreibt Bothma. Der Instinkt übernahm; plötzlich stand er, geschützt vom Geländer auf der Ladefläche des Begleitwagens, ohne genau zu wissen wie er dorthin gelangt war. Mit Erstaunen hörte er später zu, wie ihm beschrieben wurde, dass er mit ein paar Sätzen auf die Kühlerhaube, über die Kabine auf die Ladefläche gesprungen war. All dass, trotz der Warnung, einem Löwen nie den Rücken zu kehren.

Das Buch hat starke autobiographische Züge und kam durch die Bitte Bothma’s Sohnes, seine Erfahrungen für die Enkelkinder aufzuschreiben, zustande. Im ersten Kapitel beschreibt Bothma seinen Werdegang vom Kind, geboren in Christina - ein Dorf in der Nord Western Provinz von Südafrika -, aufgewachsen auf Farmen, übers Studium an der Universität von Pretoria und später den PhD in Tier- und Fischereiwissenschaften an der Texas A&M Universität in den USA, zur Anstellung als Abgeordneter auf dem „Eugène Marais Chair of Wildlife Management“ in der Abteilung für Zoologie an der Universität Pretoria.

Kapitel zwei und drei bringen einem die südliche Kalahari näher. Eingebettet in ein paar persönlichen Erlebnissen wird das Gebiet, Ökologie, Klima, Fauna und Flora beschrieben. Kenner des Kgalagadi Transfrontier Parks bekommen viele Hintergründe zu den Namen der verschiedenen Plätzen des Parks, außerdem wächst das Verständnis über das Verhalten der Tiere.

In Kapitel vier beschreibt Bothma das Leben der San Buschmänner, welche schon seit über tausend Jahren in der südlichen Kalahari leben. Ohne ihre Hilfe wären die Löwen- und Leoparden-Studien in der Kalahari niemals möglich gewesen. Bothma schreibt auch: „Sie (die San) verstanden das Konzept der nachhaltigen Nutzung, obwohl sie die Bedeutung der Redensart nicht kannten“.

Wie viel wird das Konzept der nachhaltigen Nutzung heute missbraucht, ohne dass es wirklich verstanden wird? Viel können wir vom Leben der San darüber lernen und Bothma bringt sie uns näher.

Im letzten Kapitel schreibt Bothma: „Was mich in der südlichen Kalahari am meisten berührt hat, war die delikat abgestimmte Balance zwischen Leben und Tod aller Kreaturen, Menschen eingeschlossen. Während ich im Frieden mit der Welt, in Sicherheit am Kampfeuer saß, sinnierte ich über mein Glück manch äußerst dummer Aktionen im Feld unversehrt entkommen zu sein. Ich habe gelernt die Wildnis, in der ich auf eigene Gefahr wandern durfte, zu respektieren. Ich habe gelernt was zu tun und was zu lassen. Ich habe gelernt die Spuren zu lesen, welche ihre wilden Tiere in den Sand geschrieben haben.“

Written in the Sand von J. du P. Bothma, 274 Seiten, Taschenbuch, erhältlich bei der Namibia Wissenschaftlichen Gesellschaft, Book Den, Windhoeker Buchhandlung, Swakopmunder Buchhandlung, Die Muschel

Professor Bothma, dessen Werke unter anderen die Titel “Kaokoveld The last Wilderness” und “Game Ranch Management” (inzwischen in der sechsten Auflage) einschließen, wird am 19 Juni um 19 Uhr 30 in den Räumen der Namibischen Wissenschaftlichen Gesellschaft einen Vortrag zum Thema “The ecology and conservation of the Kalahari Leopard“ geben. Sein Buch “Written in the Sand” wird bei der Gelegenheit vorgestellt und am Abend zum Vorzugspreis erhältlich sein.

Heiko Denker

Gleiche Nachricht

 

Sternstunden in dunklen Momenten

1 woche her - 09 August 2019 | Kultur & Unterhaltung

Urte Remmert sitzt auf einem Korbstuhl. Die Wände der Galerie sind leer – noch. Morgen werden dort die Bilder hängen, die noch auf den weißen...

Musiker ausgezeichnet

1 woche her - 09 August 2019 | Kultur & Unterhaltung

Swakopmund (er) - Die diesjährige Preisverleihung an namibische Musiker (NAMA) wird am 7. September 2019 im Dome-Zentrum in Swakopmund stattfinden. Der Event erfreut sich großzügiger...

Theater und Kreativität für ein gesundes Selbstbewusstsein

vor 3 wochen - 30 Juli 2019 | Kultur & Unterhaltung

Ubuntu - „Ich bin, weil du bist.“ Dieses südafrikanische Lebensprinzip lernte die Deutsche Elke Reinauer bei ihrem ersten Namibiaaufenthalt 2015 kennen. Land und Leute berührten...

Wundervolle Frauen – Den eigenen Wert erkennen

vor 3 wochen - 26 Juli 2019 | Kultur & Unterhaltung

Über zwei Jahre hat der Künstler Kudzanai Katerere an den Stücken für die Ausstellung WONDERFUL WOMEN gearbeitet und sie dann auch noch höchstpersönlich mit öffentlichen...

Steile Sprünge und rauschende Röcke

vor 3 wochen - 26 Juli 2019 | Kultur & Unterhaltung

Ganz leise klackt es, wenn die Absätze der Tänzer den schwarzen Bodenbelag berühren. Vierunddreißig Ballerinas tippeln, springen und wirbeln fast geräuschlos durch das Ballettstudio des...

Wie Kunst verbindet

vor 1 monat - 19 Juli 2019 | Kultur & Unterhaltung

Mehr als 12000 Kilometer liegen zwischen Berlin und Windhoek. Mit dem Auto rund eine sechs Tage und 22 Stunden lange Fahrt. Zwischen Deutschland und Namibia...

Die Jagd bleibt ein hochemotionales Thema

vor 1 monat - 19 Juli 2019 | Kultur & Unterhaltung

Spannung lag in der Luft des gut gefüllten Saals der Windhoeker Delta-Schule. Die Namibia Wissenschaftliche Gesellschaft (NWG) und der namibische Berufsjagdverband NAPHA luden am Dienstag...

Was wäre wenn?

vor 1 monat - 19 Juli 2019 | Kultur & Unterhaltung

Was wäre wenn? Eine Frage, die zum Träumen einlädt. „Was wenn das Leben Kunst wäre? Was wenn die Wüste weinen könnte? Was wenn Schwerkraft nicht...

Airline im Höhenflug

vor 1 monat - 19 Juli 2019 | Kultur & Unterhaltung

Eine große Glasfront umfasst das Büro von Wolfgang Grellmann am Eros-Flughafen. Von hier aus hat er sein Lebenswerk bestens im Blick. Auf der grau gepflasterten...

Taylor Jaye tackles gender-based violence

vor 1 monat - 18 Juli 2019 | Kultur & Unterhaltung

Sponsored content - The continuing high rates of incidences of gender-based violence (GBV) in Namibia, further highlighted by rapidly increasing cases reported daily from victims...