19 Februar 2020 | Natur & Umwelt

Löwen-Konflikt spitzt sich zu

Nach weiteren Viehverlusten drohen Farmer mit Selbsthilfe

Mit zunehmender Dürre verschärft sich auch der Konflikt zwischen Viehzüchtern und Löwen in der Kunene-Region. Nachdem diese zuletzt erneut einige Nutztiere gerissen haben, drohen Farmer inzwischen indirekt damit, die seltenen und als Touristenattraktion geltenden Raubkatzen zu vergiften.

Von Marc Springer, Windhoek

„Die Abwartehaltung des Umweltministeriums gefährdet Viehzüchter, Löwen und Nutztiere gleichermaßen“, erklärte der Vorsitzende von DeLRHA (Desert Lions Human Relations Aid), Izak Smit, gestern auf Anfrage. Er bezog sich dabei auf die beiden jüngsten Vorfälle, bei denen Nutztiere von Löwen gerissen wurden.

Der eine davon ereignete sich am Montag auf der Farm Opdraend im Torra-Hegegebiet, wo vier Rinder von einer unbekannten Anzahl Löwen angegriffen und getötet wurden. Weil die Raubtiere nicht von ihrer Beute ablassen und das Weite suchen wollten, wurde eines von ihnen von dem Eigentümer der Rinder erschossen und die anderen Mitglieder des Rudels dadurch in die Flucht getrieben.

Der Zwischenfall ereignete sich tagsüber auf offenem Gelände und belege Smit zufolge einmal mehr, dass die Löwen ihre Jagdtaktik geändert hätten, nachdem DeLRHA die örtlichen Gemeinschaften dabei unterstützt habe, die Umzäunung ihrer Viehgehege soweit zu verstärken, dass Löwen nicht mehr eindringen könnten. Seither würden die Raubkatzen nicht mehr nachts im Schutze der Dunkelheit das in Krälen konzentrierte Vieh angreifen, sondern tagsüber Jagd auf Nutztiere machen, wenn diese auf die Weide getrieben wurden. Die anhaltende Trockenheit in den Hegegebieten Sorris-Sorris, Torra, Arabeb, Sesfontein und Tsiseb verstärke das Problem, weil sich die Löwen mangels Wildtieren immer mehr auf die Jagd auf Vieh verlegt hätten.

Dies habe auch ein weiterer Vorfall vor drei Tagen belegt, als eine Gruppe von vier Löwen fünf Ziegen auf der nahe Palmwag gelegenen Farm Palm erbeutet hätten. Die jungen Hirten, die auf die Ziegen hätten achten sollen, seien „panisch“ nach Hause gerannt um dort Schutz zu suchen.

Wie bei früheren Vorfällen dieser Art macht Smit das Umweltministerium und den Löwenforscher Dr. Flip Stander dafür verantwortlich, dass die Viehverluste nicht hätten verhindert werden können. Schließlich würden sich diese weiterhin weigern, DeLRHA in Echtzeit mit den GPS-Koordinaten der mit Peilsendern versehenen Löwen zu versorgen, damit diese frühzeitig vertrieben werden könnten, sobald sie sich menschlichen Siedlungen nähern. Ferner habe es das Ministerium bislang versäumt, auch jene Löwen mit Peilsendern zu versehen, die bisher nicht mit GPS-Trackern ausgestattet seien.

„Wir werden nun bereits seit November vom Ministerium hingehalten und vertröstet und konnten folglich nicht klären, ob, wann und unter welchen Bedingungen wir Zugang zu den GPS-Daten bekommen auf die wir vertraglich Anspruch haben“, erklärte Smit und ergänzte: „ Die Farmer verlieren die Geduld und drohen damit, weitere Löwen zu töten, weil sie sich vom Ministerium allleingelassen fühlen. Es stellt sich also die Frage, wie lange die Löwen durchhalten können und ob erst ein Viehhirte ums Leben kommen muss, bevor die Behörden aktiv werden.“

Das Ministerium verweigert DeLRHA und anderen Naturschutzorganisationen unter anderem deshalb Zugang zu den GPS-Koordinaten, weil es befürchtet, diese könnten von Unbefugten missbraucht werden, um die seltenen Raubtiere zu suchen, verfolgen oder belästigen.

Gleiche Nachricht

 

Wenn Tiger Menschen töten - und wie man das...

vor 4 stunden | Natur & Umwelt

Neu Delhi (dpa) - Es passierte, als Bhadai Tharu im Wald mit mehr als hundert anderen Dorfbewohnern Gras schnitt. Mit dem Gras wollte der Tigerschützer...

Türkisblaues Wasser: Kolumbiens Karibik atmet wegen Corona-Pause auf

vor 1 tag - 08 April 2020 | Natur & Umwelt

Bogotá (dpa) - Die strengen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus haben einen positiven Effekt auf die Umwelt in Kolumbien: In der als Touristenziel beliebten Hafenstadt...

Massensterben von Lederschildkröten gibt Rätsel auf

vor 1 tag - 08 April 2020 | Natur & Umwelt

Swakopmund (er) - Experten und Wissenschaftler rätseln über ein Massensterben von Lederschildkröten an Namibias zentraler Westküste. Mindestens zwölf ausgewachsene Tiere wurden zwischen Swakopmund und Henties...

Elefant zieht auf eine Farm

vor 6 tagen - 03 April 2020 | Natur & Umwelt

Swakopmund (er) - Der Swakopmunder Elefantenbulle, der sich im Februar bei dem Rössmund-Golfplatz niedergelassen hat und seither regelmäßige Abstecher ins Stadtgebiet unternimmt, wird in absehbarer...

Schnabelwal bei Paalties gestrandet

1 woche her - 31 März 2020 | Natur & Umwelt

Ein Cuvier-Schnabelwal ist vor kurzem tot bei Paaltjies an den Strand gespült worden. Laut dem namibischen Delfinprojekt (NDP) wurden der Fettschicht und der Haut Proben...

Mufeti ist neuer Umweltkommissar

1 woche her - 30 März 2020 | Natur & Umwelt

Swakopmund/Windhoek (er) - Timoteus Mufeti ist rückwirkend vom 19. März zum Umweltkommissar im Ministerium für Umwelt, Tourismus und Forstwirtschaft ernannt worden. Das teilte die das...

Earth Hour 2020: Trotz Corona-Krise ein Zeichen für das...

vor 2 wochen - 23 März 2020 | Natur & Umwelt

Genf (dpa) - Mit dem Ausschalten von Lichtern setzen Millionen Menschen in aller Welt jeweils Ende März ein Zeichen für mehr Klima- und Umweltschutz. Die...

Der Wettlauf mit den Heuschrecken - schlimmste Plage seit...

vor 2 wochen - 23 März 2020 | Natur & Umwelt

Archers Post (dpa) - Gräser, Büsche und Akazienbäume bedecken die Landschaft Samburus. Heuschrecken sind keine zu sehen. Es herrscht Stille. Wo sind die Insekten, die...

Tief durchatmen: Wie die Corona-Krise Luft und Klima beeinflusst

vor 2 wochen - 22 März 2020 | Natur & Umwelt

Berlin/Rom (dpa) - Der Flug in den Osterurlaub fällt wegen der Corona-Krise aus. Autoreisen schnell übers Wochenende zur See und Bustouren - all das gehört...

Brände und Abholzung im Amazonas: Zerstörung 2020 noch schlimmer?

vor 2 wochen - 20 März 2020 | Natur & Umwelt

Rio de Janeiro (dpa) - Das Jahr 2020 könnte für den Amazonaswald in Brasilien und Bolivien noch schlimmer werden als das Vorjahr, in dem der...