13 September 2021 | Natur & Umwelt

Ölsuche in einer „No-Go-Zone“

ReconAfrica-Ölexploration im Kavango verstößt gegen internationale Abkommen

Namibische Aktivisten und Umweltfachkräfte fühlen sich in ihrem Kampf gegen ReconAfrica oft machtlos, zumal die namibische Regierung ihre schützende Hand über das Ölexplorationsunternehmen hält. Indessen werden immer mehr Abkommen bekannt, laut denen die Exploration in der Kavango-Region nicht stattfinden sollte. Die IUCN hat jetzt einen entsprechenden Antrag gegen die Ölsuche anerkannt.

Von Frank Steffen, Windhoek

Die Weltnaturschutzunion (International Union for Conservation of Nature, IUCN) hat nun den Antrag des Zentrums für Internationales Umweltrecht (Center for International Environmental Law, CIEL) angenommen. CIEL hatte in der vergangenen Woche in letzter Minute einen Antrag einreichen dürfen, wodurch das Thema der Öl- und Gasexploration in den Kavango-Regionen Namibias und dem Okavango-Delta in Botswana als 136. Diskussionspunkt auf die Tagesordnung des IUCN-Weltkongresses für den Naturschutz aufgenommen worden war (AZ berichtete).

Der deutsche Umweltfachmann und Aktivist Andy Gheorghiu freute sich entsprechend in einer Twitter-Botschaft, die sofort von Professor Douglas Rasbash aufgegriffen wurde: „Dies ist ein Riesenfortschritt. (Namibias Präsident) Hage Geingob und (Botswanas Präsident) Mokgweetsi Masisi müssen jetzt das Richtige tun und die Exploration einstellen, bis die Bedingungen des IUCN-Antrags erfüllt worden sind.“ Rasbash lehrt an der Universität von Botswana und ist als ehemaliger Direktor des Stromversorgers „Boswa Energy Botswana“ und vormaliger Vize-Vorsitzender der Umweltorganisation „Botswana Climate Change Network“ nach wie vor aktiv an der Findung alternativer Energielösungen interessiert.

Namibia und Botswana verpflichtet

Leute wie Rasbash und Gheorghiu berufen sich in ihren diesbezüglichen Aussagen auf die verschiedenen Umweltabkommen, zu denen sich Länder wie Namibia und Botswana als Mitgliedsstaaten der UN (spezifisch dem UN-Entwicklungsprogramm UNDP sowie der UNESCO) verpflichtet haben. Dr. Gerald Kutney machte dazu die interessante Anmerkung: „Jeder Katastrophenfilm beginnt damit, dass eine Regierung Wissenschaftler ignoriert. Die Regierungen der Welt haben bereits tausende Wissenschaftler ignoriert, wenn es um den Klimawandel geht.“

Nachdem nun schon einige Umweltabkommen in den Fokus geraten sind, gegen die Namibia momentan scheinbar verstößt beziehungsweise zu denen vor allem das Ministerium für Umwelt, Forstwirtschaft und Tourismus schweigt, muss sich nun erst zeigen, ob die namibische Regierung gedenkt, eine grundlegende Gesinnungsänderung vorzunehmen. Bisher hatte sie sich wiederholt direkt auf eine PR-Kampagne zugunsten des Explorationsunternehmens Reconnaissance Energy Africa (ReconAfrica) eingelassen. Dieses ungewöhnliche Vorgehen wirft bei Kritikern wiederholt die Frage auf, inwiefern sich die Regierung überhaupt in die Werbung für Unternehmen einschalten sollte oder darf, denn letztendlich tut sie dies nicht einmal für Staatsbetriebe.

Rechte der indigenen Völker

Der IUCN-Gipfel befasst sich mit lokalisierten Umweltthemen aus der ganzen Welt und legt Schwerpunkte auf indigene Bevölkerungen und ihre Umwelt, in der sie ihren traditionellen Lebensgewohnheiten frönen. In diesem Jahr geht es insbesondere um die endliche Umsetzung von wiederholten Plänen und Vorhaben, die eine naturpositive Zukunft erlauben. Die sogenannte Nature-Positive-Organisation erfreut sich weltweiter Unterstützung, unter anderem durch Birdlife International, Business for Nature, Conservation International, GEF, The Nature Conservancy, World Resources Institute, WWF und viele andere, wozu ausgefallenere Mitglieder wie die Yellowstone & Yukon Conservation Initiative zählen.

Okavango-Delta ist unantastbar

Der von der IUCN angenommenen Antrag betont, dass „der erste Teil des Sechsten Sachstandsberichts (AR6) des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC) davor warnt, dass die vom Menschen verursachte globale Erwärmung, die hauptsächlich auf fossile Brennstoffe zurückzuführen ist, bereits verheerende und potenziell irreversible Auswirkungen verursacht hat und verursachen wird.“ Beim Befolgen des Netto-Nullenergiepfads bräuchten keine neue Öl- und Gasfelder erschlossen zu werden. „Das Okavango-Delta ein UNESCO-Welterbe, das weltweit größte Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung gemäß der Ramsar-Konvention und Teil des aus fünf Nationen bestehenden Kavango-Zambezi Transfrontier Conservation Area (dem transnationalen Hegegebiet KAZA-TFCA).

Biodiverse „No-Go-Zonen“

Anders als der Umweltfachmann ReconAfricas, Dr. Sindila Mwiya, weist der Antrag auf „die Vielfalt der Ökosysteme der Region Okavango und des KAZA-TFCA, in der viele indigene Völker und andere lokale Gemeinschaften sowie viele gefährdete Tiere leben“. Diesbezüglich wird an die Afrikanische Charta der Menschenrechte und Rechte der Völker erinnert, die das Recht auf eine gesunde Umwelt und eine freie, vorherige und informierte Zustimmung (FPIC) seitens der Bevölkerung garantiert. Laut dem Weltnaturschutzkongress 2016 auf Hawaii seien Schutzgebiete als „No-Go-Zonen“ für industrielle Aktivitäten, einschließlich der Öl- und Gasförderung, anerkannt worden (Punkt 6.102 für Schutzgebiete und Gebiete, die für die Biodiversität in Bezug auf umweltschädliche Industrietätigkeiten wichtig sind).

Gleiche Nachricht

 

ReconAfrica darf sich rechtfertigen

vor 1 tag - 27 September 2021 | Natur & Umwelt

Von Frank Steffen, Windhoek In einem Online-Artikel von Energy Week wird die gesamte Gas- und Ölexploration im Okavango betrachtet: was der namibische Staat gesagt hat,...

Mit Holzkohle-Überschuss gerechnet

vor 4 tagen - 24 September 2021 | Natur & Umwelt

Von Erwin Leuschner, Swakopmund/WindhoekDer namibische Holzkohleverband (NCA) rechnet mit einem möglichen Überschuss des Rohstoffs. Der Verband hat seine Produzenten vor kurzem darauf hingewiesen, teilte der...

Namibia schützt Nashörner gut

vor 4 tagen - 24 September 2021 | Natur & Umwelt

Von Katharina Moser, Windhoek Die internationale Nashornstiftung (IRF) hat seinen jährlichen Bericht zum Zustand der Nashornpopulationen weltweit veröffentlicht und Namibia als Land mit der größten...

Zur Schau abgehaltene Anhörung

vor 6 tagen - 22 September 2021 | Natur & Umwelt

Von Frank Steffen, Windhoek Im Juni hatte sich der Ständige Parlamentarische Ausschuss für Natürliche Ressourcen die Beschwerden und Einwände einiger Interessenträger angehört, die dem Parlament...

EIF unterzeichnet Absichtserklärung mit MTC

vor 6 tagen - 22 September 2021 | Natur & Umwelt

Windhoek (Nampa/km) - Der Environmental Investment Fund (EIF) hat eine Absichtserklärung mit dem namibischen Netzbetreiber MTC unterzeichnet, um zukünftige Zusammenarbeit zu sichern. Ziel sei es,...

Seismik doch erweitert

1 woche her - 21 September 2021 | Natur & Umwelt

Von Frank Steffen, WindhoekDas namibische Umweltministerium und das kanadischen Gas- und Ölexplorationsunternehmen Reconnaissance Energy Africa (ReconAfrica) hatten zu Anfang behauptet, dass die Seismik-Aufnahme in den...

Feuer im Etoscha-Nationalpark

1 woche her - 20 September 2021 | Natur & Umwelt

Im Etosha Nationalpark wüten aktuell mehrere Veldbrände. Eines der Feuer sei auf einer Farm südlich des Nationalparks ausgebrochen, ein weiteres soll durch eine Funkenbildung beim...

Namibia begeht Weltaufräumtag

1 woche her - 20 September 2021 | Natur & Umwelt

Katima Mulilo / Windhoek (cr) - Eine der größten Herausforderungen, vor denen Namibia heute steht, ist die Umweltverschmutzung durch Abfälle. Dies erklärte der Umweltminister, Pohamba...

Eine Entkolonialisierung der Ökologie

1 woche her - 20 September 2021 | Natur & Umwelt

Von Katharina Moser, WindhoekLaut Trisos, Auerbach und Katti beruht der Aufstieg ökologischer Wissenschaft als akademische Disziplin auf dem Kolonialismus und ist ein Ausdruck westlicher, voreingenommener...

#aznamnews – Feuer im Etoscha-Nationalpark

1 woche her - 17 September 2021 | Natur & Umwelt

Das Umweltministerium hat bestätigt, dass es derzeit zwei Brände im Etoscha-Nationalpark gibt. Der Sprecher des Ministeriums, Romeo Muyunda, sagte, dass eines von einer benachbarten Farm...