29 November 2007 | Polizei & Gericht

Losper schuldig gesprochen

Windhoek - Richter Collins Parker folgte damit dem Antrag von Staatsanwältin Belinda Wantenaar und wies gleichzeitig die Verteidigung Lospers zurück, der auf verminderte Schuldfähigkeit und Automatismus plädiert hatte. Auch verwarf Parker die Argumentation von Lospers Verteidiger Duard Kesslau, der gefordert hatte, die Aussage der Stieftochter seines Mandanten und ihres Cousins, beide Hauptbelastungszeugen der Anklage, zur Tatzeit erst 13 und neun Jahre alt, mit Vorsicht zu genießen. Parker schenkte deren Schilderungen vollen Glauben, kleinere Widersprüche wertete er als weniger bedeutend. Beide seien klar in ihren Ausführungen gewesen und hätten keine Anzeichen gezeigt, den Angeklagten durch Lügen ins Verderben zu schicken.

Parker sah es als erweisen an, dass Losper den Mord vom 8. Dezember 2005 strategisch geplant und schon im Vorfeld gewusst habe, dass seine Ehefrau sich von ihm scheiden lassen wollte. Er sei der Ansicht, dass ein am Tatort gefundener Brief, in dem Losper der Familie der Toten die Verantwortung für den Mord in die Schuhe schiebt, tatsächlich zwei Tage vor der Tat und nicht, wie Losper betont hatte, erst später geschrieben worden war. "Angeklagter ist unglaubwürdig"Auch habe der Südafrikaner die Waffe aus Kapstadt eigens mitgebracht, um seinen mörderischen Plan auszuführen und nicht, wie er sich verteidigt hatte, um sich auf der Fahrt per Anhalter im Falle eines Falles selbst verteidigen zu können.

Losper hatte auf verminderte Schuldfähigkeit plädiert und ausgesagt, er habe im Automatismus und Trance gehandelt. Außerdem könne er sich an fast nichts mehr erinnern. Das wies Parker als unglaubwürdig zurück, da Losper einige Passagen des Abends detailliert rekapitulieren könne. Parker unterstellte dem Angeklagten zudem, erfunden zu haben, dass er sich nach der Ermordung seiner Frau selber habe erschießen wollen: "Dafür gibt es keine Anhaltspunkte. Warum sollte er sich überhaupt umbringen, wenn er sich an den Mord an sich gar nicht erinnern kann? Außerdem ist es äußerst unglaubwürdig, dass er zunächst vergeblich versuchte, sich zu erschießen, dann in ein Koma fiel, plötzlich erwachte, aufstand, die Trommel des Revolvers entleerte, diesen auf das Dach des Hauses warf und dann zurück zur Leiche seiner Frau ging, sich wieder auf deren blutige Leiche legte und erneut ins Koma fiel", so Parker. Die Frage, wie sich Losper dann aber so schwer am Hals verletzte, dass er tatsächlich tagelang in Krankenhäusern behandelt werden musste, bleib in dem Urteil hingegen offen.
"Wollte Familie Lektion erteilen""Der Angeklagte verlor die Beherrschung, weil er sich betrogen fühlte, aber er verlor niemals die Kontrolle über sein Handeln. Er setzte seinen Frust und seinen Ärger ein, um der Snyders-Familie eine Lektion zu erteilen und sein Opfer zu töten. Das beweist einen Vorsatz, der von der Ausführung noch unterstrichen wird", so Parker. Die vier Schüsse in Adamsapfel sowie drei Mal in die linke Brust aus kurzer Distanz zeigten ebenfalls eine bewusste Entscheidung zum Töten. "Es war fokussiert und zielgerichtet: Zunächst hat er sie erschossen, dann ließ er sie zum Sterben liegen und kam später zurück, um drei weitere Kugeln in sie zu pumpen, um sicherzustellen, dass sie auch tatsächlich tot ist." Die Erklärung von Frustration du Ärger reiche allerdings nicht aus, um Losper von seiner Verantwortung für die Tat zu entbinden.Keine Beweise für BedrohungKeine ausreichende Beweislage sah Parker allerdings im zweiten Anklagepunkt. Losper war vorgeworfen worden, nach der Tat seine Stieftochter mit vorgehaltener Waffe gezwungen zu haben, ihn zu einer Telefonzelle zu begleiten. Parker urteilte, dass die Waffe im Rücken der Tochter auch ein Finger hätte sein können, was die heute 16-Jährige in ihrer Aussage ebenfalls akzeptiert hatte. Da Zweifel geblieben seien, sprach Parker Losper von diesem Vorwurf frei.

Der Richter hatte zuvor nochmals seine Version der tragischen Vorfälle des 8. Dezember dargelegt: Demnach war Losper, der in Südafrika lebte und arbeitete, am späten Abend nach Karibib gekommen, um mit seiner Frau zu reden. Als diese ihm unterbreitet hatte, sich scheiden lassen zu wollen, war es zunächst zum erhitzen Streit gekommen, in dessen Verlauf Losper seinen Revolver gezückt und Bessie Snyders zunächst in den Hals geschossen hatte. Während sie sterbend am Boden lag, war er mit der Stieftochter zu einer Telefonzelle gegangen und hatte einer Verwandten angekündigt, sich selbst und auch die Kinder zu erschießen. Nachdem die Stieftochter von dort flüchten konnte, war Losper zurück zum Haus gegangen und hatte Bessie drei weitere Kugeln in den Körper gejagt, dann die Waffe auf dem Dach versteckt und sich selbst verletzt.

Losper, bislang gegen Kaution auf freiem Fuß, wurde noch am Nachmittag im Beisein von weinenden Verwandten ins Zentralgefängnis überstellt. Am kommenden Mittwoch werden Staatsanwaltschaft und Verteidigung ihre Strafanträge stellen.

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