12 Januar 2018 | Kultur & Unterhaltung

Lokaler Kriminalroman

Zwei Autorinnen, Almut Hielscher und Uta König, verorten ihren Kriminalroman in der Gegenwart des 21. Jahrhunderts vor dem Bergmassiv mit dem klingenden Namen Waterberg, der den geographischen und historischen Rahmen der Handlung bietet. Sie betonen, dass das Buch auf historischen und kulturellen Tatsachen beruhe. „Alle Personen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten zu lebenden Personen sind nicht beabsichtigt und rein zufällig.“ Für die kulturellen und historischen Tatsachen steht vor allem die Hauptautorin Hielscher ein, die nach der, von der damaligen deutschen Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek Zeul 2004 am Waterberg angestoßenen Sonderinitiative, in Okakarara und dem neuen Kulturzentrum auf Ohamakari ein pflichtgemäßes, vermittelndes Gastspiel zu absolvieren hatte.

Hielschers direkte Erfahrungen, Erfolge und Enttäuschungen im Umgang mit traditionellen Stammesführern, Amtsträgern, Funktionären, Männern und Frauen der Ovaherero sowie mit deutschen Entwicklungshelfern finden in diesem Kriminalroman ihren Niederschlag und bilden mit den Reizthemen Reparation, Genozid und Versöhnung einen real-aktuellen Rahmen für die Handlung, die kurz auf dem Buchumschlag angerissen wird: „Katrin reist unter tragischen Vorzeichen in das atemberaubend schöne Namibia: Sie will den Leichnam ihrer ermordeten Schwester nach Deutschland holen. Doch die Dinge sind noch viel komplizierter …“

Für den unbedarften Leser bieten die Autorinnen eine knappe Chronologie der Geschichte Namibias, wobei sie (politisch korrekt und undifferenziert) der Genozid-These folgen („erster Völkermord in der deutschen Geschichte“). Auf dem mühevollen Weg der Aufklärung des Mordes an ihrer Schwester erfährt Katrin die vielschichtigen Empfindungen, Empfindlichkeiten und Ressentiments der Menschen von Okakarara sowie weißer und schwarzer Farmer, woraus Hielschers Erinnerungen vor Ort deutlich zu erkennen sind. Auch das „Gutmenschentum“, mit dem manch europäischer Entwicklungshelfer den Kontinent betritt, wird bei der Aufklärung des Mordes zum kritisch hinterfragten Thema. Freilich unterlaufen den Autorinnen hier und da „kulturelle Schnitzer“, wenn sei ein (afrikanisches) Gehörn als Geweih bezeichnen oder wenn sie ein Vley zum Weiher machen wollen.

Die Autorinnen lassen in die Handlung einfließen, dass jenseits des heiligen Feuers und der vordergründig sichtbaren kulturellen Rituale auch die Magie bis ins Racheritual hinein unter den Ovaherero eine Rolle spielt.

Der Roman schöpft weitgehend aus der Spannung - pauschal gesehen – die sich zwischen afrikanischer (Herero) Kultur und europäischen (deutschen) Wertvorstellung ergibt.

Für Namibier ist es ein unterhaltsamer Kriminalroman mit vielen Wiedererkennungsmerkmalen und für Auswärtige ein spannender Einstieg in ein namibisches Kernthema.

Eberhard Hofmann

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