16 August 2018 | Meinung

Lob der Arbeit, von der Stirne heiß …

Wenn Du im August 2018 eine disziplinierte Arbeiterkolonne am Straßenrand siehst, die entlang einer sorgfältig gezogenen Kalklinie einen Graben aushebt, kannste vielerlei Reaktion erwarten.

Einwohner der angrenzenden Wohnsiedlung: „Endlich rührt sich die +***!!//+ Telekom, denn das Internet reißt mos öfter ab und is unterbrochen, gerade wenn ich ´ne wichtige Meldung erwarte oder rausschicken will! Und ich will für f´kol net nich bleddy Gebühren bezahlen. “

Besucher mit Altlasten und Politbrille aus Übersee: „Du meine Güte! Die Menschen müssen hier arbeiten wie Sklaven. Und das 28 Jahre nach der Unabhängigkeit. Hat sich denn hier nichts geändert? Die Arbeiter sind alle schwarz und der Vormann, der ohne Schaufel beim Reklameschild im Schatten steht, ist heller Hautfarbe.“ (Anmerkung am Wendekreis des Steinbocks. Der besuchende Teutone kann nich zwischen ´nem Farbigen und ´nem Voll-Bleichgesicht unterscheiden. Dem Besucher kommt´s sowieso nur auf den farblichen Rangunterschied an.)

Gewerkschafter einer Gewerkschaft, die entweder mit der Partei liiert is, die sich für die Größte aller Zeiten hält, oder einer Gewerkschaft, die sich aus der Parteipolitik raushalten will. Aber das is in diesem Fall schnurzegal: „Wir müssen jtecken, ob wir bei der Telekom nich ´ne 15-prozentige Lohnerhöhung rausschinden können. Die kann mos iesie ihre Anschlussgebühren erhöhen. Und die zahlen die reichen Einwohner. Wenn das nich geht, lassen wir den Arbeiter sofort Schaufel und Pieke ins Gras werfen. Du wirst sehen, wie schnell die Telekom reagieren wird, wenn hier nich mehr bebuddelt wird und die frisch-versprochenen Anschlüsse einfach nich hergestellt werden. Etsê, illegaler Streik? Ach komm Oukie! Hier worried toch wrachtach niemand über den Unterschied!“

Patriotischer Ökonom: „Wie gut, dasse zum Gräben-Ausheben nich Nord-Koreaner herangezogen ham wie seinerzeit beim Bau der Umzäunung des neuen Staatshauses auf Auasblick, derweil unsere Leute arbeitslos an den Straßenecken gehockt ham. Die Umzäunung mit den Plastik-Welwitschias zur Zierde gehört jetzt zum Stadtbild, wo das Reiterstandbild mittlerweile seit fünf Jahren fehlt, das die Nordkoreaner im Auftrag der allmächtigen Partei vom Sockel gehievt ham. Merry Xmäs - hieß das in der Partei.“

Arbeitsexperte: „Im Interesse der Arbeitsbeschaffung isses gut, dass hier keine mechanische Grabschaufel eingesetzt wird, obwohl das mit solch Maschinerie viel schneller, kostengünstiger und mit weniger Streikrisiko ausgeführt werden könnte.“

Kupferklau-Botsotso/Tsotsi: „Die Zeiten für Kupferklau werden bleddy schlecht. Die neuen Kabel ham immer mehr Plastik und sogar Glas und immer weniger Kupfer, von dem wir noch nich so lange her wüst lekker stief schon bei Brakwater rausgescharrt ham. Aber wir werden trotzdem tjecken und ´n paar Drähte rausziehen.“

Politiker der regierenden Partei zu ausländischem Gast: „Sehen Sie sich den Kommunikationsfortschritt an! Namibia an der kommunikationstechnischen Front in Afrika. On the cutting edge of technology. Hier sollen Sie investieren!“

Miesmacher und Mouner: „Das hilft toch alles nix. Die Telekom sucht nur Kohle. Und die Arbeiter werkeln bewusst langsam. Die hätten mos schon huka fertig sein können. Und ob der Service besser wird? Dafür kriegste keine Garantie.“

Landstreicher, Bergie, Hobo: „Kann mir bleddy-well schnurz sein. Für mich fällt sowieso nix ab.“

Vorbeifahrender Autofahrer: „Anderswo auf der Welt kriegste an solcher Stelle ´ne Klippe in die Scheibe.“

Hat noch jemand sein´ Senf dazuzugeben? Ham wir hier jemanden vergessen?

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