16 März 2021 | Natur & Umwelt

Ölexploration zunehmend hinterfragt

Ältestenrat in Botswana fordert Antworten - Frauenrechte beschäftigen UN

Die Titelseite der botswanischen Zeitung Weekend Post sorgte gestern mit ihrer Schlagzeile „Dikgosi zitieren Masisi zu sich wegen Ölgeschäft“ (Dikgosi summon Masisi over oil deal) für internationales Aufsehen. In Namibia ist es indessen kein Ältestenrat, der die Regierung zur Rechenschaft zieht, sondern ein UN-Menschenrechtsgremium.

Von Frank Steffen, Windhoek

Während ReconAfrica über Twitter alle Umweltaktivisten als „Spinner“ verurteilt, fordert der botswanische Ältestenrat „Ntlo ya Dikgosi“, der sich aus Stammesoberhäuptern und Vertretern aus der Bevölkerung zusammensetzt, eine Erklärung von Staatspräsident Mokgweetsi Masisi. Das Gremium hat zwar keine Staatsgewalt, dient aber dem Parlament als Ratgeber und wird von Einwohnern sowie Staat hochrespektiert.

„Während der Minister für Bodenschätze, grüne Technologie und Energiesicherheit, Lefoko Moagi, vor zwei Wochen den lokalen und internationalen Medien versicherte, dass eine Due Diligence im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung (EIA) durchgeführt wird, gibt es Befürchtungen, die auf vorigen schlechten Erfahrungen mit der Regierung beruhen, was den Umweltschutz im Central Kalahari Game Reserve (CKGR) anbetrifft“, heißt es in dem Bericht der Weekend Post.

Gemüter im Okavango beruhigen

Masisi sei aufgefordert worden, sich im Gebiet Okavango einzuschalten, da befürchtet wird, dass die Entscheidung der Regierung, der kanadischen Gas- und Ölexplorationsgesellschaft Reconnaissance Africa (ReconAfrica) eine Explorationslizenz zu erteilen und die spätere Förderung zu genehmigen, verheerende wirtschaftliche und ökologische Folgen nach sich ziehen könnte.

Acht der 35 Mitglieder des Ältestenrats sind Stammesoberhäupter (Kgosi) der Hauptstämme BaKgatla, BaKwêna, BaMalete, BamaNgwato, BaNgwaketse, BaRôlông, BaTawana und BaTlôkwa. Weitere 22 Mitglieder werden indirekt gewählt - vier davon sind Unterhäuptlinge aus den Distrikten des Nordostens, Chobe, Ghanzi und Kgalagadi. Fünf Mitglieder werden vom Staatspräsidenten ernannt. Um sich als Kandidat zu qualifizieren, dürfen die gewählten oder ernannten Anwärter in den vorigen fünf Jahren nicht politisch aktiv gewesen sein.

Namibia gefährdet Frauenrechte

Das Ölexplorationsvorhaben, wie es von ReconAfrica in seinem ersten und bisher diesbezüglich nicht veränderten Geschäftsplan beschrieben und auch vermarktet wird, muss unweigerlich in der unkonventionellen Fördermethode des Frackings enden. Diese Aktivitäten ReconAfricas haben nun dazu geführt, dass sich auch das UN-Menschenrechtskommissariat eingeschaltet hat.

In der neuesten Arbeitsliste des CEDAW-Unterausschusses (datiert auf den 8. März 2021), der die Beseitigung der Diskriminierung gegen Frauen im Rahmen eines UN-Menschenrechtsabkommens mit Namibia anstrebt, wird Namibia unter der Rubrik „Reduzierung des Katastrophenrisikos und Klimawandel“ daran erinnert, dass es eine Erklärung hatte herausgeben wollen, wie namibische Frauen - insbesondere vorher benachteiligte und ältere Frauen - von der Regierung mit in die Beschlussnahmen und Durchführung von Programmen zum Klimawandel und zur Verringerung des Katastrophenrisikos eingebunden werden.

Darum will CEDAW wissen, welche konkrete Maßnahmen ergriffen wurden, um sicherzustellen, dass „die Genehmigung der Exploration und Erschließung von Öl und Gas in den Kavango-Regionen nicht das Recht von Frauen und Mädchen auf dem Land, auf Zugang zu sauberem Wasser, Nahrungsmitteln und Gesundheit verletzt“. Es gehe CEDAW um die Risiken, welche Ölbohrungen und Fracking für den bestehenden Wassermangel sowie die Kontamination desselben beinhalten würden, sowie umweltbedingte Gesundheitsgefahren.

Mitspracherecht indigener Frauen

Ferner soll die namibische Regierung erklären, inwiefern sie Maßnahmen ergriffen hat, damit ihre Klimawandel- und Energiepolitik - insbesondere was die Gewinnung und Ausfuhr von Gas und Öl (inklusive Fracking) anbetrifft - nicht die bereits unverhältnismäßigen Auswirkungen des Klimawandels auf Frauen in ländlichen und indigenen Gebieten, nicht die Frauenrechte zusätzlich benachteiligt. Namibia soll aufklären, welche Maßnahmen ergriffen worden seien, denen zufolge Frauen und Mädchen ein Mitspracherecht eingeräumt worden war, als die Auswirkungen der Öl- und Gasexplorationsaktivitäten öffentlich besprochen und akzeptiert wurden. Welche geeigneten Minderungs- und Schutzmaßnahmen seien zum Vorteil der marginalisierten Frauen ergriffen worden?

Gleiche Nachricht

 

Fälle der Wilderei 2020 deutlich gesunken

vor 8 stunden | Natur & Umwelt

In Namibia sind die Anzahl Fälle der Wilderei im Jahr 2020 im Gegensatz zum Vorjahr deutlich zurückgegangen - besonders die Anzahl Fälle mit hochwertigen Arten,...

Nichtregulierter Sand- und Kiesabbau führt zu Parlamentsdebatte

vor 2 tagen - 12 April 2021 | Natur & Umwelt

Trotz der geäußerten Besorgnis seitens der Einwohner der Epale-Niederlassung im Norden Namibias, hatte der zuständige Umweltkommissar des Ministeriums für Umwelt, Forstwirtschaft und Tourismus (MEFT) auf...

Frist für Einwände verlängert

vor 2 tagen - 12 April 2021 | Natur & Umwelt

Windhoek (ste) - Laut einer Pressemitteilung des Ministeriums für Umwelt, Forstwirtschaft und Tourismus (MEFT), hat die kanadische Gas- und Ölexplorationsgesellschaft ReconAfrica „die Umweltverträglichkeitsprüfung, den Entwurf...

Umweltministerium führt neue Parkgebühren ein

vor 2 tagen - 12 April 2021 | Natur & Umwelt

Windhoek (sb) - Das Umweltministerium hat neue Parkeintritts- und Naturschutzgebühren für Besucher aller namibischen Nationalparks eingeführt. Das gab das Ministerium am Donnerstag schriftlich bekannt. Die...

Ballonfahrt über Sesriem

vor 5 tagen - 09 April 2021 | Natur & Umwelt

Ein einmaliger Anblick und „ein unvergessliches Erlebnis“ - so bezeichnete Namib Sky Balloon Safaris diese Aufnahme. Es zeigt einen Heißluftballon, der über den mit Wasser...

SOUL: Elefanten in Gefahr

vor 5 tagen - 09 April 2021 | Natur & Umwelt

Windhoek (ste) - „Wenn die Aktivitäten fortgesetzt werden, sind die Elefanten der Region einer neuen Bedrohung ausgesetzt.“ Die Aktivistenorganisation SOUL (Save Okavango’s Unique Life),...

Umwelthilfe schaltet sich ein

vor 6 tagen - 08 April 2021 | Natur & Umwelt

Von Frank Steffen, Windhoek Seit gestern zieht die Deutsche Umwelthilfe (DUH) gemeinsam mit der Umweltaktivistin der Windhoeker Organisation Fridays for Future (FFFW), Ina-Maria Shikongo, gegen...

Fracking birgt Erdbebengefahr

1 woche her - 07 April 2021 | Natur & Umwelt

Von Frank Steffen, Windhoek Das Erdbeben, das am vergangenen Osterwochenende laut Richterskala 97 Kilometer nordwestlich von Khorixas eine Stärke von 5,6 erreichte (AZ berichtete), ist...

Mutmaßliche Wilderer gefasst

1 woche her - 07 April 2021 | Natur & Umwelt

Windhoek (cr) - Drei mutmaßliche Nashorn-Wilderer wurden am Samstag mit Hilfe von Farmern und der K9-Anti-Wilderei-Einheit mit einer Schusswaffe festgenommen, nachdem am Freitag bei einer...

Erdbeben der Stärke 5,6 in der Nähe von Khorixas...

1 woche her - 06 April 2021 | Natur & Umwelt

Khorixas/Windhoek (sb) • Ein Erdbeben der Stärke 5,6 wurde am frühen Sonntagmorgen etwa 97 Kilometer nordwestlich von Khorixas aufgezeichnet. Das gab das Ministerium für Bergbau...