14 Juni 2021 | Natur & Umwelt

Ölexploration: Parlament informiert sich

Morgen bekommen lokale Aktivisten und Umweltschützer erstmals eine seriöse Gelegenheit, ihre Bedenken und Vorwände, die gegen die Gas- und Ölexploration in den Kavango-Regionen gerichtet sind, vorzutragen. Fachkräfte befürchten die Auswirkungen von seismischen Vermessungen auf die größte freilaufende Elefantenherde der Welt. Wird ReconAfrica vom Glück verwöhnt?

Windhoek (ste) - Vor allem Umweltschützer und die direkt betroffene indigene Bevölkerung, die dem Umweltschutzverband SOUL (Saving Okavango’s Unique Life) zugehören, sollen morgen vom Ständigen Parlamentarischen Ausschuss für Natürliche Ressourcen angehört werden. Es geht um die Auswirkungen einer fortgesetzten Ölexploration sowie die Möglichkeit einer Fracking-Ölförderung.

In einem Antwortschreiben an Max Muyemburuko, dem Vorsitzenden des Verbands der Hegegebiete und Kommunalwälder in den Ost-und West-Kavango-Regionen (KEWRCCFA) lud Lydia Tjihimise Kandetu (Sekretärin des namibischen Parlaments) die SOUL-Vertreter zu einem Konsultationsgespräch am 15. Juni im Parlamentsgebäude ein. Die Petition, die im April während einer öffentlichen Protestaktion von SOUL im Parlament abgeliefert wurde (AZ berichtete), war an den ständigen Ausschuss weitergeleitet worden. Währen der Sitzung des Ausschusses am 27. April habe man sich entschlossen, die Petitionsunterschreiber selbst zu einem Gespräch einzuladen, denn der Ausschuss sei damit beauftragt worden, dem Parlament einen entsprechenden Bericht vorzulegen.

Kanada schützt Bodenrecht
Indessen liegt der AZ eine überarbeitete dritte Ausgabe des dritten Kapitels des „Landowners‘ Guide to Oil and Gas Development“ vom kanadischen Pembina Institute vor. Das Kapitel dient Landbesitzern im Staate Alberta (Kanada) als Anleitung für die „Exploration nach Öl und Gas“. Umweltschutzfachkräfte wie Jan Arkert, hatten wiederholt bemängelt, dass die Firma Reconnaissance Energy Africa (ReconAfrica) zwar zu jeder Gelegenheit behaupte, dass sie sich grundsätzlich an alle namibischen Gesetze und die kanadischen „Best Practice“-Vorschriften für Explorationsvorhaben halte, dies aber weder tue noch jemals getan habe.

Die Richtlinie des Instituts erklärt, dass alle geophysikalische Exploration von der Alberta-Energiekontrollbehörde gemäß der bestehenden kanadischen Direktiven und der Explorationsverordnung reguliert werde. Abgesehen davon, dass der Vorgang bei seismischen Vermessungen – in der Art wie ReconAfrica sie demnächst in den Kavango-Regionen Namibias und dem Okavango-Flussdelta in Botswana ausführen will – genau beschrieben wird, geht die Anleitung auf die Rechte der Grund- und Bodenbesitzer ein. Demnach kann die Nutzung von Boden für seismische Vermessungen erst dann voranschreiten, wenn die Erlaubnis der „Besitzer und Inhaber“ vorliegt. „Auf jeden Fall hat der Grundeigentümer das ausschließliche Recht, geophysikalische Vorhaben zu verbieten und diejenigen, die die seismischen Vermessungen vornehmen wollen, haben kein Recht dagegen vorzugehen“, heißt es im Paragraphen 3.1.1.

Best Practice mal anders
Wenn ReconAfrica also im Nachhinein behauptet, dass sie dem Gesetz und den „Best Practice“-Richtlinien der Explorationsindustrie gefolgt seien, trifft dies nicht zu, gemessen daran, dass es bereits während der Bohraktivitäten bei Kawe und Mbambi nachträglich zu Scherereien mit den kommunalen Landbesitzern und Farmern Andreas Mawano und Andreas Sinonge kam – im letzteren Fall (Sinonge von Mbambi) muss die Rechtslage noch erst vom Obergericht angehört und beurteilt werden, während ReconAfrica ungehindert auf dem betroffenen Areal weiterbohrt. Dieselbe Sachlage trifft auf das Bohren nach und der Nutzung von Grundwasser für die wasserintensiven Bohrvorgänge zu. ReconAfrica hat bereits einige Bohrlöcher geschlagen und fährt Wasser von außerhalb an, hat aber bisher laut dem Minister für Landwirtschaft, Wasserbau und Landreform, Calle Schlettwein, keine Genehmigung dafür erhalten.
Wer die Erklärungen des kanadischen Instituts mit dem Bericht verbindet, den Annette Hübschle und Sophie Rathmell am 3. Juni auf der Investigativplattform „Daily Maverick” unter dem Titel „Canadian firm ReconAfrica’s quest for Namibian oil and gas poses seismic risk to elephant behaviour” verbindet, versteht, dass es momentan nicht nur um die CO2-Ausstöße geht, die im Rahmen eines offensichtlichen Klimawandels abgelehnt werden , sondern bemühen sich die Umweltschützer insbesondere um die größte verbliebene Herde freilaufender Savannen-Elefanten.

Seismik stört Elefanten
Hübschle ist Forschungsbeauftragte des „Global Risk Governance Program” der Kapstadt-Universität (UCT). Sie befasst sicht mit Herausforderungen des Anthropozäns, der Widerstandsfähigkeit gegen den Klimawandel und Menschenhandelsströme. Sophie Rathmel befasst sich – ebenfalls an der UCT – im Rahmen ihres Masterstudiums mit der nachhaltig-gestalteten Umwelt und Gesellschaft. Beide Autoren sind sich einig, dass seismische Vermessungen in den genannten Gebieten eine störende Auswirkung auf Elefanten haben wird, schon allein deswegen, weil die Dickhäuter sich der Seismik als Kommunikationsmedium bedienten.
„Caitlin O’Connor-Rodwell und ihr Team haben mehr als zwei Jahrzehnte lang untersucht, wie Elefanten und große Säugetiere seismische Wellen als Kommunikationskanal nutzen. Sie fanden heraus, dass Elefanten Fettgewebe an ihren Füßen und eine extrem fortgeschrittene Cochlea verwenden, um sich gegenseitig seismische Signale zu senden. Diese Signale breiten sich unter der Erdoberfläche zwischen 10 Hz und 40 Hz aus und können wichtige Botschaften bezüglich Nahrung, Standort anderer Herden, Brut und naher Raubtiere senden. Mit seismischen Signalen kommunizieren Elefanten innerhalb ihrer eigenen und mit geografisch weit entfernten Herden, oft über große Entfernungen, und helfen sich gegenseitig beim Überleben, indem sie verschiedene Arten von Nachrichten untereinander senden”, heißt es in dem Bericht, in dem Hübschle und Rathmel ihre wissenschaftlich-grundierten Einwände gegen seismische Vermessungen vorbringen.
Der Artikel befasst sich indessen auch mit den Risiken für die lokalen Wasserreserven sowie die Auswirkungen auf indegene Bevölkerungsgruppen wie die San, die teilweise noch ihren traditionellen Lebensgewohnheiten in diesen Gebieten nachgehen (AZ berichtete).

Zweimaliger Jackpot
Auch Arkert meldete sich in der vergangenen Woche erneut zu Wort, nachdem ReconAfrica auch das zweite Bohrloch bei Mbambi als „vollen Erfolg” gefeiert hatte. Laut ReconAfrica habe auch das zweite Bohrloch maßgebliche Ölvorkommen angezeigt. Arkert ist ein qualifizierter Geologe, der auch die Shell-Ölexploration in der Karoo Südafrikas beobachtet hat. „ReconAfrica hat eineinhalb Zufallsbohrungen (wildcat wells) in einem Gebiet ausgeführt, von dem wir alle wissen, dass dort Kohle und weitere, mindere Kohlenwasserstoffe vorkommen. Da ist es derzeit einfach unmöglich, einen Erfolg zu vermelden. Ich möchte gern an den von ReconAfrica in Auftrag gegebenen Sproule-Bericht erinnern, in dem sie zu dem Schluss kamen, dass eine geologische Erfolgswahrscheinlichkeit von 8,8 Prozent (CoGS) besteht. Wenn man nun den Berichten Glauben schenkt, hat ReconAfrica den Lotto-Jackpot nicht nur einmal, sondern gleich zweimal beim ersten Versuch geknackt. Wer das glaubt, der glaubt auch an den Weihnachtsmann”, kommentierte Arkert die ReconAfrica-Ankündigung.

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