08 Juli 2019 | Natur & Umwelt

„Leiden täglich unter Elefanten“

Umweltorganisationen sollten mehr Geld in Mensch-Tier-Konflikt investieren

Das Umweltministerium hat bei der kontroversen Jagd auf den Elefantenbullen Voortrekker richtig gehandelt, erklärt der Leiter des Tsiseb-Hegegebiets, Eric Xaweb, in einem exklusiven Gespräch mit der AZ. Er fordert nichtstaatliche Umweltorganisationen auf, den betroffenen Menschen im andauernden Mensch-Tier-Konflikt finanziell unter die Arme zu greifen.

Von Erwin Leuschner

Swakopmund

Die Kontroverse rundum den Abschuss des bekannten Elefantenbullen Voortrekker, der als Problemtier klassifiziert und vor gut drei Wochen in der Erongo-Region erschossen worden war, ist laut Eric Xaweb, dem Leiter des betroffenen Hegegebiets Tsiseb, eine „bedauerliche Angelegenheit“. „Das alles hätte vermieden werden können, wenn dieselben Antijagd-Aktivisten, die nun für einen Aufschrei sorgen, uns im Vorfeld unter die Arme gegriffen hätten“, sagte Xaweb, der das Hegegebiet, in dem rund 30 Wüstenelefanten leben, vertritt.

Laut Xaweb hatten sich im Jahr 1998 einige Wüstenelefanten im Ugab-Rivier am Fuße des Brandberg-Massivs angesiedelt. Seit jener Zeit habe das Rivier jährlich Wasser geführt und die natürlichen Sumpfgebiete in diesem Gebiet hätten die Elefanten mit ausreichender Nahrung versorgt. „Von Anfang an haben unsere Farmer unter den Elefanten gelitten. Wasserrohre und weitere Infrastruktur wurden zerstört und sie (die Farmer) mussten das Gebiet verlassen“, behauptet Xaweb.

Wegen der anhaltenden Dürre hätten mittlerweile einige der Elefanten das Gebiet verlassen um nach Wasser zu suchen. Diese Tiere würden nun die Bewohner des Gebiets rundum das Dorf Omatjete „terrorisieren“. Meinte Xaweb: „Die Farmer dort leiden täglich, da ihre Rinder und Schafe von den Elefanten angegriffen und getötet werden. Vor einigen Jahren wurde sogar ein Mann von einem Elefanten zu Tode getrampelt.“ Allerdings habe es damals keinen Aufschrei gegeben und die Familie sei auch nicht entschädigt worden. Stattdessen sei die Familie traumatisiert, da sie „täglich den Mörder ihres Sohns“ sehe.

Laut Xaweb gibt es inzwischen mehrere nichtstaatliche Umweltorganisationen, die sich für die wilden Tiere einsetzen. Namentlich nannte er dabei EHRA (Elephant Human Relations Aid). Diese Organisation empfange „unheimlich viel Geld aus dem Ausland“, unterstütze aber nicht die Personen, die unter den Elefanten zu leiden haben. „EHRA hat acht Land Cruiser und wir nicht mal ein einziges Auto“, moniert Xaweb und fordert in diesem Zusammenhang Unterstützung.

„Andere Organisationen haben Hilfe angeboten, aber im Gegenzug Bedingungen gestellt. Ich kann doch nicht die Gesetze meines Landes ignorieren, weil ein Europäer, der nicht mal an unserem indigenen Wissen interessiert ist, mir sagt, was ich in meinem Land tun darf oder nicht“, beschwerte sich Xaweb. Darüber hinaus würden diese Organisationen eine „eigene Agenda“ verfolgen. Als Beispiel nannte er das Material, das von einer Organisation für einen Löwenzaun gespendet worden sei. Das Material würde nach etlichen Monaten unangetastet vergammeln, weil der Zaun noch nicht errichtet worden sei. „Es ist aber das falsche Material. Sie (die Europäer) versuchen uns ihr Wissen über- und Verständnis für die Situation aufzuzwingen“, gab er als Grund an.

Xaweb gab zu, bereits vor dem Abschuss Voortrekkers, von des Elefanten Einstufung als Problemtier gewusst zu haben. Unternommen habe er allerdings nichts. „Wenn der Minister eine Entscheidung über ein Problemtier trifft, dann respektieren wir diesen Entschluss“, sagte er. Dass im Nachhinein jene nichtstaatlichen Umweltorganisationen versuchen würden, die Mitglieder der Hegegebiete gegen das Umweltministerium aufzustacheln, sei weder konstruktiv noch akzeptabel. „Wir unterstützen das Prinzip der nachhaltigen Jagd. Aber andererseits sind wir auch gern dazu bereit, mit den Problemtieren zusammenzuleben, wenn unsere Leute finanziell entschädigt werden, wenn eben genau diese Tiere Schaden anrichten“, sagte Xaweb.

Abschließend forderte Xaweb alle Interessenträger und Organisationen auf, mit den gegenseitigen Beschuldigungen aufzuhören: „Einige dieser Gruppen glauben scheinbar, dass wir und das Umweltministerium nichts tun. Dabei versuchen wir im Interesse unserer Kommunen, so viel wie möglich zu schaffen mit den wenigen uns zur Verfügung stehenden Ressourcen.“

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