28 Juni 2019 | Kommunikation

Lautlos durch die Stadt

Wie zwei Männer versuchen, Elektroautos nach Namibia zu bringen

Geht es um Elektromobilität, denken die meisten Menschen an komplexe Technik und teure Marken. Doch es geht auch anders: Axel Conrad and Madryn Cosburn von e-Cars Namibia haben einen Geländewagen mit Verbrennungsmotor in ein Elektroauto umgebaut. Sie zeigen, dass Elektromobilität kein Vermögen kosten muss.

Von Lisa Plank, Windhoek

Axel Conrad steckt den Schlüssel in das Zündschloss seines Geländewagens und dreht ihn um. Nichts ist zu hören. „Der Motor läuft schon, jetzt kann man einfach losfahren“, erklärt er begeistert. Er löst die Handbremse, drückt die Kupplung, legt den Gang ein - und fährt los. Nur ein leises Surren ist zu vernehmen, ansonsten ist der Motor still. Bis vor kurzem hatte Conrads Wagen noch einen gewöhnlichen Verbrennungsmotor, vergangenen Monat hat er das Auto gemeinsam mit Madryn Cosburn zu einem Elektroauto umgebaut.

Die Idee für das Projekt stammt von Conrad. Er arbeitet bereits seit knapp 30 Jahren im Automobilsektor, für verschiedene Hersteller war er bereits in Deutschland, Südafrika, den USA, Kuwait und Katar tätig. Das Potenzial für Elektromobilität in Namibia ist für ihn offensichtlich. „Die Sonne scheint hier ungefähr 300 Tage im Jahr. Damit haben wir die besten Voraussetzungen, um Solarenergie zu gewinnen“, erklärt er. Nutzt man diese Energie, um die Batterien von Elektrofahrzeugen zu laden, fährt man emissionsfrei, wie Conrad erläutert.

Anders als Conrad ist sein Kollege Cosburn nicht in der Automobilindustrie tätig, er arbeitet als Berater in der Fernsehbranche. Dass die beiden gemeinsam an dem Projekt arbeiten, war im Vorfeld nicht geplant. „Axel und ich sind Nachbarn“, erzählt Cosburn. „Ich habe das Auto in seiner Garage gesehen und gefragt, was er dort macht. Dann fand ich das Projekt so spannend, dass ich mich ihm angeschlossen habe.“ Cosburn ist ein Tüftler, mit Technik kennt er sich aus. Doch nicht nur wegen seiner Expertise freut sich Conrad über die Zusammenarbeit mit ihm. „Wir wohnen seit 17 Jahren nebeneinander, aber durch den Umbau haben wir das erste Mal richtig Kontakt zueinander“, erzählt Conrad.

Der Umbau des Autos dauerte einen Monat, viel zeitaufwändiger war die Planung. Die Arbeit, die sie noch vor Beginn des Umbaus in das Projekt gesteckt haben, hat sich jedoch gelohnt. „Wir haben das nicht einfach mal ausprobiert um zu sehen, ob es funktioniert. Wir wussten genau, was wir tun und wir wussten, dass das funktioniert“, so Conrad.

Aber ist es wirklich so leicht, ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor in ein Elektrofahrzeug umzubauen? Glaubt man Conrad und Cosburn ist es das. „Im Prinzip bauen wir einfach den alten Motor aus und ersetzen ihn durch etwas, was leiser, umweltfreundlicher und viel cooler ist“, erklärt Cosburn grinsend.

Aber was kostet der Umbau zum Elektroauto? Auf diese Frage können sie keine konkrete Antwort geben. „Es hängt davon ab, welche Anforderungen jemand an das Auto hat. Sobald wir das wissen, können wir konkrete Aussagen zum Preis machen“, erzählt Cosburn.

Auch auf die Frage, wie weit die Reichweite eines solchen Elektroautos ist, winken sie ab. „Es geht nicht darum, zu fragen, was das Auto kann, sondern darum, was es für unsere Ansprüche können muss“, meint Cosburn. „Die meisten Leute nutzen ihr Auto nur, um damit zur Arbeit oder zum Einkaufen zu fahren. Eine Reichweite von ungefähr 60 Kilometern ist dafür völlig ausreichend.“ Erhalten sie einen Auftrag von einem Kunden, besprechen sie zunächst, welche Anforderungen der Besitzer an sein Fahrzeug stellt, um anschließend Wege zu finden, diesen gerecht zu werden.

Besonders interessant könnte das Angebot von e-Cars Namibia für Tourismusanbieter sein. „Ein Elektroauto ist ideal für einen Game Drive, weil es keine Geräusche von sich gibt und man die Tiere nicht stört“, so Cosburn.

Dass der Prototyp so leise ist, begeistert die beiden Männer gleichermaßen. „Stell dir einmal vor, in der ganzen Stadt würden nur Elektroautos fahren. Wie schön ruhig es wäre“, träumt Cosburn. Das ist jedoch nicht der einzige Vorteil: Auch die Fahrt zu Tankstelle spart man sich mit einem Elektroauto. „Man kann das Auto an einer ganz normalen Steckdose zuhause aufladen, das dauert ungefähr zehn Stunden“, erklärt Conrad. „Theoretisch ginge es auch schneller, dafür braucht man aber mehr Strom.“

Bei ihrem Prototyp sind die Batterien in einer Aluminiumkiste auf der Ladefläche, das soll jedoch nicht so bleiben. „Das ist nur der Anfang, jetzt optimieren wir“, so Conrad.

Die Batterien, die Cosburn und Conrad verwenden, sind unbedenklich, wie Cosburn erklärt: „Wir verwenden Lithium-Eisenphosphat-Batterien. Sie sind umweltfreundlich und komplett recycelbar, deshalb allerdings auch etwas teurer.“ Die Chemikalien im Inneren sind weniger gefährlich als bei gewöhnlichen Lithium-Ionen-Batterien, außerdem werden keine Rohstoffe aus Krisenregionen wie Kobalt benötigt. Dieser ist in vielen Batterien zu finden, der größte Anteil davon wird jedoch in der Demokratischen Republik Kongo gefördert - hier kommt es immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen und bewaffneten Konflikten zwischen Regierungstruppen und Milizen. Anders als viele europäische und amerikanische Autohersteller verzichten die beiden Namibier bewusst auf diesen Rohstoff. „Mit unseren Batterien verursachen wir keinen Schaden“, stellt Cosburn klar. Rund zehn Jahre können die Batterien für das Elektroauto verwendet werden, bevor sie ausgetauscht werden müssen. „Danach können die Batterien noch in anderen Geräten verwendet werden“, so Conrad.

Beide betonen, dass ihr Engagement nicht auf politischer Überzeugung ruht. „Wir machen das nicht, weil wir um jeden Preis Elektroautos auf die Straße bringen wollen. Wir machen das, weil es unter unseren Bedingungen hier einfach das Richtige ist“, so Conrad. Mit ihrem Prototyp wollen die beiden zeigen, dass technischer Fortschritt nicht nur in Europa und den USA entsteht. „Ich glaube, bei der Elektromobilität verlassen wir uns zu sehr auf teure Autohersteller“, überlegt Cosburn. „Auch in Namibia haben wir viel zum Fortschritt beizutragen, das müssen wir hervorheben. Wir wollen Teil der Entwicklung sein, nicht nur dessen Konsument.“ Conrad stimmt ihm zu: „Wir wollen zeigen, dass das nicht schwer ist. Das ist keine Quantenphysik, das ist wirklich machbar.“

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