11 Oktober 2018 | Landwirtschaft

Landwirtschaft im Fokus

Fachkräfte und Farmergemeinschaft bestimmen Marschrichtung

In einer zielgerichteten Konferenz beraten sich die Farmergemeinschaft mit Fachkräften sowie Regierungsvertretern mit dem Ziel das Wachstum der namibischen Landwirtschaft zu fördern mit dem Schwerpunkt auf Arbeitsschaffung und der Wertschöpfung.

Von Frank Steffen, Windhoek

Gestern berieten sich Technokraten aus Regierungskreisen mit den Farmern um die Arbeitsschaffung Wertschöpfung zu verbessern. Der namibische Minister für Landwirtschaft, Wasserbau und Forstwirtschaft, Alpheus !Naruseb, ließ sich von Mildred Kambinda, Direktorin der Abteilung für landwirtschaftliche Beratungsdienste und technische Beratung (DAPEES), vertreten. Die von ihr verlesene Rede des Ministers befasste sich systematisch mit jedem einzelnen Projekt im Norden des Landes, welches manchen Farmer frustriert aufstöhnen ließ, da diese Themen oft wenig mit dem anvisierten Ziel der Konferenz gemein zu haben schienen.

Allerdings berichtete Kambinda, dass 70% der namibischen Bevölkerung direkt oder indirekt von der Landwirtschaft abhängig sei. 20,1% der namibischen Arbeiterschaft (nahezu 136000 Erwerbsfähige) sei in der Landwirtschaft beschäftigt, doch habe der Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2016 mäßige 3,7 Milliarden N$ (3,4%) betragen; im Jahr davor waren es 3,6 Milliarden N$ (3,3%). Namibia müsse sich dringend an den AU-Maßstab halten, der den Mitgliedsländer einen Investitionswert von 10% des BIPs in die Landwirtschaft abverlangt: „In Namibia haben wir im Jahr 2017/18 nur einen Betrag von 4,4% des BIPs in die Landwirtschaft investiert - das ist einfach zu wenig.“

Namibia würde nur 24000 Tonnen der benötigten 75000 Tonnen Ackerbauprodukte lokal anbauen, der Rest werde importiert. Indessen habe die Regierung Silos erbaut, in denen Nahrungsreserven von etwa 24000 Tonnen gelagert werden können; bis 2030 will Namibia 67000 Tonnen im Norden lagern können.

Die Bedeutung des Veterinärzauns unterhalb der nördlichen Kommunalgebiete wurde betont. Dadurch würden die Exporte von Fleisch gewährleistet und sei eine Veredelung der Produkte überaus wichtig. Dem widersprach der bekannte ehemalige Wirtschaftsprüfer und Farmer, Vetumbuavi Junius Mungunda. Er erkennt einen Denkfehler: „Wenn wir alles veredeln wollen ohne dass der Wert steigt - manchmal sogar abnimmt -, dann ist das keine Wertschöpfung mehr. Das heißt ich - und somit das Land - verdiene mehr Geld als Exporteur meines Rohproduktes, als wenn ich es lokal veredeln lasse. Das Argument der Arbeitsschaffung macht dann auf Dauer keinen Sinn, weil ich die Produktion ein- oder umstelle, damit ich mehr verdiene. Alle Unternehmen müssen auf Dauer profitabel sein. Sozio-ökonomische Argumente gelten nur, wenn ich einen profitablen Betrieb habe, ohne dem geht nichts!“

„Kein erfolgreiches Land der Welt reguliert den Export; höchstens den Import“, kritisierte Mungunda die bestehenden Modelle im Landbausektor, laut denen der Staat die Ausfuhr von Lebendvieh reguliert. Das sei kontra-produktiv wenn man die abgenommenen Schlacht- und Exportzahlen seit der Unabhängigkeit Namibias betrachtet. Er belegte seine Argumente mit entsprechenden Fakten und Zahlen, die bereits vor der Dürre einen Rückgang verzeichnen. Somit sei laut Mungunda erklärt, warum die Landwirtschaft im Jahr 1990 noch etwa 8% zum BIP beigetragen habe und derzeitig nur noch 3,4%. Eine Zukunftsstrategie müsse daher nicht nur alle Interessenträger einbeziehen, sondern durch Anreize seitens der Regierung, die Produzenten zur gemeinsamen Verfolgung der Ziele animieren (siehe Grafik).

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