20 März 2017 | Politik

Kurze Anhörung zu Genozid-Klage

Herero und Nama tragen ihr Anliegen in New York vor - Klagt auch Namibia?

Vertreter der Herero und Nama haben vor einem Gericht in New York/USA erstmals ihre Forderungen gegen die Bundesrepublik Deutschland formuliert, von der sie Entschädigung fordern. Indes sorgt ein Medienbericht für Irritationen, wonach auch Namibias Regierung Geld einklagen will.

Von Stefan Fischer, Windhoek/New York

Die Anhörung am vergangenen Donnerstag (Ortszeit) habe nur zehn Minuten gedauert, teilte die Deutsche Presseagentur (dpa) mit. Dabei hatten Vertreter der Herero und Nama Gelegenheit, ihr Anliegen kurz vorzutragen. Sie fordern von der Bundesrepublik Deutschland finanzielle Entschädigung für den Kolonialkrieg 1904-08, den die Regierungen Namibias und Deutschlands inzwischen Völkermord nennen, und dessen Folgen. Im Rahmen dieser Pre-Trial-Conference ging es um die Klärung von Detailfragen und noch nicht um die Entscheidung, ob es auch zu einem Verfahren kommt.

„Als ich gehört habe, wie sie (die Richterin) sagte, dass die Anhörung stattfindet, war das der größte Erfolg, den wir bislang hatten“, wird die namibische Abgeordnete Ida Hoffmann, Vorsitzende des Nama-Genozid-Komitees, in der Schweizer Zeitung „Blick“ zitiert.

Wie dpa berichtet, sei die Anhörung ohne einen Vertreter der Bundesregierung erfolgt. „Wir sind überrascht, dass Deutschland sich noch nicht hat blicken lassen“, wird Anwalt Kenneth McCallion von der US-Anwaltskanzlei McCallion & Associates zitiert, der beide Stämme vertritt. Und weiter: „Wir bitten lediglich um einen Platz am Tisch, um uns zu beteiligen.“ In der 22 Seiten langen Klageschrift ist laut dpa von über 100000 Todesopfern (manche Historiker sprechen von 65000 der 80000 Herero und von mindestens 10000 der 20000 Nama) die Rede.

Laut AZ-Informationen hat die Bundesregierung die Klageschrift noch nicht erhalten und sieht sich deshalb offiziell auch nicht als Beteiligte an diesem Verfahren. Die Richterin Laura Taylor Swift habe die Klageführer auf genau diesen Umstand aufmerksam gemacht, wobei nicht garantiert ist, dass die Bundesregierung diese Klage überhaupt annimmt und somit akzeptiert. Die Richterin hat den 21. Juli als nächsten Verhandlungstag fixiert.

Die Regierungen Namibias und Deutschlands haben bislang direkte Gespräche mit Vertretern der betroffenen Volksgruppen abgelehnt. Vor diesem Hintergrund hat am Freitag ein Bericht in der Zeitung „The Namibian“ für Irritationen gesorgt, wonach die namibische Regierung nun darüber nachdenke, von Deutschland mehr als 30 Milliarden US-Dollar als Wiedergutmachung zu verlangen. In dem Beitrag wird auf Regierungsdokumente verwiesen. Die AZ-Anfragen an das hiesige Außenministerium und den namibischen Sondervermittler, Dr. Zed Ngavirue, zur Richtigkeit dieser Informationen wurden bis zum gestrigen Redaktionsschluss nicht beantwortet. Auch auf deutscher Seite ist laut AZ-Informationen über eine solche Wendung nichts bekannt.

Diese Veröffentlichung des „Namibian“ wurde auch in europäischen Medien zur Kenntnis genommen. Darüber berichtet unter anderem der Österreichische Rundfunk (ORF) auf seiner Internetseite und weist darauf hin: „Es handelt sich zudem nicht um die erste vor ein US-Gericht gebrachte Klage im Zusammenhang mit dem Völkermord in Namibia. 2001 forderten Herero-Vertreter von der deutschen Regierung einen Schadenersatz in Höhe von zwei Milliarden Dollar.“ Die Klage wurde damals vom Gericht wegen Nichtzuständigkeit abgelehnt.

Gleiche Nachricht

 

Genozid-Vorwürfe werden schwerer

vor 18 stunden | Politik

Von Frank Steffen, Windhoek Seit dem Jahre 1988 findet jährlich das sogenannte International Documentary Film Festival (IDFA) in Amsterdam statt. Bei diesem weltweit größten Filmfestival...

54. Afrikatag begangen

vor 3 tagen - 26 Mai 2017 | Politik

Windhoek (ste) - Gestern wurde der 54. Afrikatag begangen und zu dieser Gelegenheit hatte das namibische Ministerium für internationale Beziehungen und Kooperation (Außenamt) die...

Stadtverwaltung bittet um Subvention

vor 5 tagen - 24 Mai 2017 | Politik

Von Nampa, Marc SpringerWindhoekDer Hilferuf stammt von Bürgermeister Muesee Kazapua, der sich am Montag in Begleitung einer Delegation der Stadtverwaltung mit Präsident Hage Geingob und...

PSP erfolgreich beendet

vor 6 tagen - 23 Mai 2017 | Politik

Das sogenannte „Parliamentary Support Programme“ (PSP) wurde in den Jahren 2012 bis 2017 von der Europäischen Union mit einem Betrag von 1,7 Million Euro unterstützt....

Mehr Handel mit Südafrika

1 woche her - 22 Mai 2017 | Politik

Windhoek (Nampa/cev) • Die Regierung von Namibia und Südafrika wollen den bilateralen Handel stärken. Das sagte die südafrikanische Außenministerin Maite Nkoane-Mashabane im Rahmen eines Besuches...

Amupanda will SPYL verklagen

1 woche her - 19 Mai 2017 | Politik

Windhoek (ms) - Der Aktivist Job Amupanda und einige seiner Mitstreiter haben angekündigt, das am vergangenen Samstag abgehaltene Treffen des Zentralkomitees der SWAPO-Jugendliga (SPYL) inklusive...

Ministerpräsident Ramelow beendet Namibia-Besuch

1 woche her - 18 Mai 2017 | Politik

Der Ministerpräsident von Thüringen, Bodo Ramelow, hat am Freitag einen zweitägigen Besuch in Namibia beendet, zu dem er wegen der 12. Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes...

LWB fordert zu Versöhnung auf

1 woche her - 17 Mai 2017 | Politik

Von Marc SpringerWindhoekIn einer als „öffentliche Stellungnahme“ bezeichneten Erklärung, verweist der LWB darauf, die gestern in Windhoek beendete Vollversammlung habe den Teilnehmern vergegenwärtigt, „wie sehr...

Smit: Verwarnung ist nicht ausreichend

1 woche her - 17 Mai 2017 | Politik

Windhoek (nic) – Laut Nico Smit, Schatzmeister der Oppositionspartei DTA, sind die Staatssekretäre, die für den Bau des Treibstofflagers in Walvis Bay und dem damit...

Oshana-Bewohner gegen Winterzeit

1 woche her - 17 Mai 2017 | Politik

Windhoek/Ondangwa (nic) – Auch die Bewohner der Oshana-Region haben sich gegen die Winterzeit ausgesprochen. Dies gab die Nachrichtenagentur Nampa am Sonntag bekannt und bezieht sich...