20 März 2014 |

Kreativität im Austausch

„The Project Room“ ist ein handwerkliches Kunstforum, wo kreative Köpfe sich treffen können, um mit Materialien zu experimentieren und neue Ideen umzusetzen. Ende Februar war „The Project Room“ bei der Design Indaba 2014 in Kapstadt und hat dort gezeigt, dass sich die namibische Kunst nicht verstecken muss.

Seit einiger Zeit habe ich mit der Idee gespielt, eine Möglichkeit zu schaffen, dass Künstler im Bereich Handarbeit experimentieren können, um danach ihre Resultate auszustellen. Als ich dann Anfang letzten Jahres zurück nach Namibia zog, fingen die Vorbereitungen für The Project Room an“, sagt Frieda Lühl. Am 31. Januar dieses Jahres war es dann soweit: „The Project Room“ hat seine Türen in Windhoek geöffnet.
Lühl ist in Namibia aufgewachsen und mit 19 nach Deutschland gegangen, um ein Praktikum auf Sylt im Goldschmiedebereich zu machen. Dort hat sie ihre Passion für das Goldschmieden entdeckt. „Ich habe schnell festgestellt, dass ich später als Goldschmiedin arbeiten möchte“, sagt Lühl. Danach ging es nach Schwäbisch Gmünd, wo sie eine dreijährige Ausbildung zum „staatlich geprüften Formgeber für Schmuck und Gerät“ absolvierte. Nach einer zweijährigen Anschlusslehre in Aachen hatte Lühl ihren Gesellenbrief in der Tasche und damit ging es zurück nach Namibia. „2004 habe ich mich dann mit einer Werkstatt in Kapstadt selbstständig gemacht. Eigentlich wollte ich gar nicht so lange in Kapstadt bleiben. Dann waren es doch plötzlich neun Jahre“, erklärt Lühl und lacht.
Anfang vergangenen Jahres ist sie zurück nach Namibia gekommen und hat den Project Room gegründet. Doch was ist der Project Room? Der Project Room ist sowohl eine Werkstatt, als auch eine Galerie. Er konzentriert sich auf handgefertigte Produkte und Design. „Ich veranstalte regelmäßig Workshops, zu denen ich Künstler einlade. Sie können dann mit verschiedenen Medien und Techniken experimentieren, um danach ihre Erfahrungen mit anderen auszutauschen“, erklärt Lühl, und: „Zusätzlich ist vorgesehen, Künstler aus dem Ausland einzuladen, die dann ihre Werke ausstellen.“ Der Project Room ist quasi ein Kunstforum, wo sich kreative Köpfe treffen können, um sich künstlerisch auszutoben. Danach teilt man seine Erfahrungen. Kreativität im Austausch. „Wir probieren viele neue Sachen aus, die Ergebnisse sind oft unheimlich gut“, sagt Lühl.
Ungefähr zehn Leute nehmen immer an einem Arbeitsseminar teil. Was passiert dann mit den ganzen Werken, die währenddessen entstanden sind? „Nach dem Workshop wird alles ausgestellt. Danach können die Teilnehmer ihre Werke mit nach Hause nehmen, oder es wird während der Ausstellung verkauft“, erklärt Lühl. Doch nicht nur für die Teilnehmer sind diese Werkstätten ein Quell der Inspiration: „Auch für mich selbst sind die Workshops immer wieder eine tolle Erfahrung. Dadurch schöpft man oft neue Ideen und kann sich inspirieren lassen.“ Vergangenes Wochenende fand ein Printworkshop statt, vom 28. bis 31. März werden die Werke dann im Project Room ausgestellt. Schon vergangenes Jahr hat Lühl solch eine Werkstatt veranstaltet. Viele haben dabei das Drucken als neues Medium für sich entdecken können. „Bis jetzt habe ich Ideen für zwei weitere Arbeitsseminare. Bei einem sollen Figuren aus Pappmache hergestellt werden, außerdem will ich noch einen Eisenschmuckworkshop veranstalten.“ Übrigens: Man muss kein professioneller Künstler sein, um an einer der Werkstätten teilzunehmen. Wer sich für handwerkliche Kunst begeistert und ein Ventil für seine Kreativität braucht, der ist im Project Room sicherlich gut aufgehoben. „Der Project Room ist bei mir zuhause, in der Lisztstraße 6. in meiner Garage“, sagt Lühl.
Vom 27. Februar bis 2. März war der Project Room auf einer der größten Designausstellungen der südlichen Hemisphäre vertreten: die Design Indaba Expo 2014 in Kapstadt. Mehr als 35000 Menschen besuchen jährlich diese Messe, über 300 Aussteller präsentieren ihre Werke. Für dieses große Event hat sich Lühl zwei alte Schulfreunde ins Boot geholt: Christine Skowksi und Stephan Eins. Christine Skowski ist Fotografin und hat auf der Design Indaba ein Projekt gezeigt, das sie vergangenes Jahr zusammen mit Rafael Scriba für eine Ausstellung im FNCC in Windhoek konzipiert hatte und nun für die Indaba weiterentwickelt hat. Bei dem Projekt handelt es sich um Motive vom ehemaligen Diamantensperrbezirk zwischen Lüderitzbucht und Walvis Bay, die auf Glas gedruckt wurden. Den Glasdruck haben Skowski und Scriba dann in Merantiholzleisten eingefasst. „Das Zusammenspiel von dem kalten Glas und dem warmen Holz macht die Ästhetik dieser Werkreihe aus. Das hat den Besuchern auf der Design Indaba sehr gut gefallen“, sagt Skowski.
Stephan Eins indes entwirft und produziert Möbel und Lampen. Dabei verwendet er Holz, Schrottmetalle und gefundene Materialien die ihn zu neuen Kreationen inspirieren. Das Holz bekommt er von umliegenden städtischen Gärten, die Metalle sammelt er, wo immer er etwas findet. Das Ergebnis sind keine bloßen Lampen, sondern interessante Lichtskulpturen. „Das, was mir an Material zur Verfügung steht, inspiriert mich. Ganz nach dem Motto: „Was des einen Müll ist, ist des anderen ein Schatz.“ Alten und ausrangierten Objekten neues Leben einzuhauchen ist meine Passion“, sagt Eins.
Auf vier Quadratmeter haben die drei Künstler ihre Werke auf der Design Indaba gezeigt: Lühl hat ihren Schmuck in Regalen präsentiert, die Glasdrucke von Skowski hingen an der Wand und die Lichtskulpturen von Eins standen auf kleinen Sockeln. „Der erste Tag war für das Fachpublikum, über das Wochenende kamen dann die normalen Besucher“, sagt Skowski. Viele Leute waren überrascht, dass es in Namibia Produkte dieser Qualität gibt, und waren ganz neugierig. Die namibischen Besucher freuten sich über eine namibische Präsenz auf dieser Veranstaltung.
„Die Design Indaba war ein tolles Erlebnis. Ich fand es total inspirierend. Außerdem ist es enorm wichtig, als Künstler seine Werke auch einem ausländischem Publikum zu präsentieren, um so Rückmeldungen zu bekommen. Schließlich konnten wir den namibischen Besuchern auch zeigen, dass sich die Kunst aus Namibia durchaus mit anderen Ländern messen kann. Wir müssen uns nicht verstecken, ganz im Gegenteil“, sagt Skowski abschließend.

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