17 Dezember 2002 | Politik

Korrupte Kommission

Windhoek - Eine von Präsident Sam Nujoma veranlasste Untersuchung über das Finanzgebahren bei der Sozialversicherungs-Kommission (SSC) hat dort Misswirtschaft, Betrug, Selbstbereicherung, Korruption und Veruntreuung in großem Stil offenbart.

Der leitende Geschäftsführer der Buchprüferfirma Grand Namibia, Faniel Kisting, der als Hauptverantwortlicher mit der Prüfung beauftragt wurde, zählte gestern vor einem Untersuchungsausschuss zahlreiche "Unregelmäßigkeiten" bei der SSC auf. Dabei wies er zunächst darauf hin, dass die am 1. Januar 1996 eingestellte Geschäftsführerin der Kommission, Dessa Onesmus, am 18. Februar 1997 zusätzlichen zu ihrem Gehalt einen Betrag von N$ 115253 erhalten habe, der als rückwirkende Wohnungszulage deklariert und vom Datum ihres Arbeitsantritts berechnet worden sei. Kisting zufolge habe Onsesmus zwischen dem Datum ihres Arbeitsbeginns und dem 31. Oktober 1997 jedoch eine Regierungsunterkunft bewohnt und deshalb keinen Anspruch auf die Wohnungszulage gehabt, die ihr ohne Zustimmung des Aufsichtsrates der SSC genehmigt worden sei.


Nach ihrem Umzug in eine eigene Wohnung habe Onesmus weiterhin eine monatliche Wohnungszulage erhalten, die weit höher als die eigentlich verdiente Zulage gewesen sei, die sich an dem Wert von N$ 300000 des von ihr erworbenen Hauses hätte orientieren müssen. Aus diesem Grunde habe sie in dem Zeitraum zwischen November 1997 bis heute einen Betrag erhalten, der die ihr zustehende Wohnungszulage um N$ 522622 überschreite und auf den sie kein Anrecht habe.


Einen ähnlich unbeschwerten Umgang mit Nebenvergütungen hat Kistings auch bei den Autozulagen festgestellt, die leitenden Angestellten der SSC genehmigt wurden. So wies er darauf hin, dass die Geschäftsführung der SSC am 5. Oktober 2000 dem Aufsichtsrat eine Empfehlung vorgelegt habe, die eine Erhöhung der Autozulage für Onsemus in Höhe von 95 Prozent und eine Steigerung derselben Zulage für die Geschäftsführung in Höhe von 87 Prozent vorsah und rückwirkend für sieben Monate gelten sollte.


Kistings zufolge habe der Finanzverwalter zu diesem Zeitpunkt die rückwirkend berechnete Erhöhung der Autozulage bereits ausgezahlt, ohne auf die Genehmigung des Aufsichtsrates zu warten und dafür einen Betrag in Höhe von N$ 201012 ausgegeben. Im Zuge dieser Maßnahme habe sich die monatliche Autozulage für Onsemus von N$ 5999 um N$ 5710 auf N$ 11709 erhöht, wobei ihr ein rückwirkend berechneter Betrag von N$ 39970 ausgezahlt worden sei.


Ähnlich ist die Geschäftsführung Kistings zufolge bei Leistungszuschüssen verfahren. So hätten die Zuständigen ohne Rücksprache mit dem Aufsichtsrat einen Leistungsbonus für leitende Angestellte eingeführt. Im Zuge dieser Maßnahme seien verschiedenen Geschäftsführern zusätzliche Bezüge gewährt worden, die nach eigenen Aussagen über ihren vertraglich fixierten Verantwortungsbereich hinaus noch andere Aufgaben innerhalb der SSC übernehmen. Im Verlauf dieser Neuerung, die vom Personalbeauftragten Walter Don empfohlen und von Onesmus (aber nicht wie erforderlich vom Aufsichtsrat) genehmigt worden sei, habe beispielweise Don selber, einen monatlichen Zusatzbetrag von N$ 3873 erhalten.


Don, der angegeben habe, neben seiner Aufgabe als Personalchef vorübergehend als Finanzverwalter amtiert und zusätzlich administrative Pflichten übernommen habe, hat Kistings zufolge auf diese Weise N$ 67247 erhalten, auf die er angesichts der "illegalen" Einführung der Leistungszuschüsse (für die N$ 683395 ausgegeben wurden) keinen Anspruch gehabt habe.


Ähnliche Unregelmäßigkeiten hat Kistings auch bei dem Umgang mit Reise- und Spesenzulagen festgestellt, die nach seiner Einschätzung innerhalb der SSC häufig zweckentfremdet und missbraucht worden seien. So habe Onsemus ohne Zustimmung des Aufsichtsrates eine Summe von N$ 46431 für Reisen in die USA, Südafrika, die Bahamas und Singapore erhalten, von denen Kistings nicht sicher ist, ob sie diese in "beruflicher Eigenschaft" unternommen hat.

Gleiche Nachricht

 

Ugandas Wahl keine namibische Angelegenheit

vor 21 stunden | Politik

Windhoek (NAMPA/km) - Vizepräsident Nangolo Mbumba hat Namibia darauf hingewiesen, dass Uganda ein souveräner Staat sei und es daher nicht Namibias Angelegenheit sei, zu beurteilen,...

Mexikanische Staatsbürgerschaft für Lühl/Delgado-Kinder

vor 21 stunden | Politik

Windhoek (sno) – Das namibische Innenministerium hat dem ersten Lühl/Delgado-Kind Yona (2) einen braunen Pass ausgestellt, damit es nach Südafrika reisen kann, um einen Antrag...

NBC fordert Rauswurf des Managements

vor 21 stunden | Politik

Windhoek (km) • Die Namibia Broadcasting Corporation (NBC) hat erneut vor dem Parlament gestreikt. Einer der Streikenden sagte gegenüber der AZ, man könne nicht akzeptieren,...

Namibia verurteilt Gewalt

vor 2 tagen - 12 Mai 2021 | Politik

Windhoek (Nampa/sno) - Die namibische Regierung hat die möglichen Zwangsräumung von palästinensischen Familien sowie die generelle Gewalt, welche die israelische Polizei in den vergangenen Tagen...

Rukambe will zurück zur ECN

vor 3 tagen - 11 Mai 2021 | Politik

Windhoek (bw) - Der ehemalige Leiter der namibischen Wahlkommission (ECN), Joram Rukambe ist einer der 15 Bewerber, die Mitglied dieses Gremiums werden wollen. Gestern Morgen...

Neue Bewerber für Wahlkommission

vor 4 tagen - 10 Mai 2021 | Politik

Windhoek (bw) - Die Amtszeit von drei Mitgliedern der namibischen Wahlkommission endet Mitte September.Daher sollen am heutigen Montag 15 Bewerber im Beisein der Öffentlichkeit interviewt...

Auftragsvergabe hinterfragt

1 woche her - 06 Mai 2021 | Politik

Von Frank Steffen, WindhoekIm November 2020 hatte das Institut für Öffentliche Politforschung (IPPR) das Fehlen eines systemübergreifenden Rahmens moniert, demzufolge Vermögenswerte sowie eventuelle Interessenkonflikte seitens...

EFF: Cassinga war ein Genozid

1 woche her - 06 Mai 2021 | Politik

Von Erwin Leuschner, Swakopmund/Windhoek/JohannesburgAm 4. Mai 1978 haben südafrikanische Streitkräfte einen Angriff auf Cassinga in Angola gestartet. Laut angolanischen Angaben wurden dabei 624 Menschen getötet...

Grenzöffnung gefordert

1 woche her - 06 Mai 2021 | Politik

Windhoek (NAMPA/km) - Die Ministerin für Internationale Beziehungen und Zusammenarbeit, Netumbo Nandi-Ndaitwah, hat auf einem Beratungstreffen zu den namibisch-angolanischen Beziehungen die sich noch immer in...

Windhoek +30-Erklärung verabschiedet

1 woche her - 06 Mai 2021 | Politik

Von Katharina Moser, WindhoekZum Abschluss des Internationalen Tags der Pressefreiheit haben die Teilnehmer der Konferenz am Montag die Windhoek +30 – Erklärung verabschiedet. Die feierliche...