24 Juli 2019 | Landwirtschaft

Komplexer mit Ahnenland

Gruppeninteressen in der Landreform überlagern sich teilweise

Im Rehobother Gebiet melden drei Gruppen ihr Anrecht auf Grund und Boden an: Baster, Nama und Damara; die San (Buschleute) nicht gerechnet. Ryno van der Merwe, NAU-Präsident (Namibischer Landwirtschaftsverband), hat Deutschlehrer über den Stand der Landreform und Ansprüche auf Ahnenland informiert.

Von Eberhard Hofmann

Otjiwarongo

Der langwierige Verlauf der Landreform seit 1990 ist mit der Untersuchung der Ansprüche auf Ahnenland nach der 2. Landkonferenz Ende 2018 noch einmal komplizierter geworden. Aber der NAU-Präsident gibt sich optimistisch, dass die präsidiale Untersuchungskommission, die landesweit zur Untersuchung dieser Frage eingesetzt wurde, zu anwendbaren Ergebnissen komme, solange der kommerzielle Landwirtschaftsverband aktiv daran beteiligt bleibt. Er selbst war am Samstag auf Einladung 500 Kilometer nach Otji­warongo zu der jährlichen Dieter-Esslinger-Tagung der Deutschlehrer Namibias angefahren, um die rund 85 Teilnehmer über den aktuellen Stand der Landreform zu informieren. Am nächsten Tag war er schon wieder 800 Kilometer nach Karasburg unterwegs, um der nächsten Anhörung über Ahnenboden beizuwohnen. Bei der jährlichen Lehrertagung der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schulvereine (AGDS) wird neben Sprachthemen in der Regel ein Referent zu einem aktuellen Landesthema eingeladen.

Van der Merwe bot eingangs eine Übersicht der Herangehensweise zur Landreform, wie sie in Namibia betrieben wird – für jede Seite ein emotionales und sensibles Thema. Alle Beteiligten müssen sich mit den vielseitigen Aspekten befassen, nämlich der Tagespolitik, der Produktion, des Wachstums der Wirtschaft und der sozio-ökonomischen Veränderungen. Die Politik strebe Korrekturen an, die sich nicht unbedingt als „richtig oder falsch einordnen lassen“, wie er die Komplexität andeutet.

Die Frage, ob kommerzielle Farmer „Einfluss mit Auswirkung“ (impact) hätten, beantwortete der Referent mit entschiedenem Nein. Aber die organisierte Landwirtschaft (NAU) übe Einfluss aus. Den Verhandlungsweg haben seine Vorgänger an der NAU-Spitze, Jan de Wet und Raimar von Hase, auch schon eingeschlagen.„Unsere Herausforderung besteht darin, die Regierung zu überzeugen, dass wir im Landesinteresse handeln. Reagieren wir impulsiv in der Gesinnung von Opfern oder handeln wir von uns aus aktiv mit Initiativen?“ Um auf den Ausgang der Landreform einzuwirken, verlangt van der Merwe aktives Engagement („take ownership“).

Als Beispiel weist er auf die Kriterien (score card) hin, die die NAU erarbeitet und der Regierung zur Anwendung bei der Entscheidung über Farmenteignung überreicht habe und die akzeptiert worden seien. Die NAU engagiere sich bei der praktischen Unterstützung von Neusiedlern mit Mitteln, die die Europäische Union zur Verfügung stelle. Kontinuierlich aktualisiere die NAU auch das eigene Farm- und Bodenregister im Vergleich zum zuständigen Ministerium.

Die NAU notiert 9,45 Millionen Hektar, die infolge der Landreform vom kommerziellen Farmland – insgesamt 38, 4 Mio. ha – in schwarze Hände übergegangen sind, davon über 3 Mio. ha durch staatlichen Farmankauf und 6 Mio. ha durch Vorzugsdarlehen. Das Umverteilungsziel von insgesamt 15 Mio. ha bis 2020 sei noch aktuell, so der Referent.

Inzwischen ziehen drei Arbeitsgruppen der präsidialen Kommission zur Untersuchung des Ahnenlands durch Namibia, um im November dieses Jahres und in der ersten Jahreshälfte 2020 den endgültigen Bericht vorzulegen. Die Kommission verfährt nach rund 25 Rahmenrichtlinien und Anweisungen des Amtsblatts vom 15. März 2019.

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