06 Dezember 2012 | Tourismus

Kolmanskuppe, faszinierender Ort der Diamanten

Heißer Wüstenwind fegt über die Hügel und treibt feinste Sandkörnchen vor sich her, die sich wirbelnd drehen, in die feinsten Ritzen eindringen und Mensch und Tier den Atem nehmen.
Verlassene Häuser mit zerbrochenen Fenstern starren wie leere Augenhöhlen in die trostlose Landschaft, zerborstene Lampen bewegen sich quietschend an dünnen Drähten, bröckelnde Mauern und Tapetenreste versinken im stetig vordringenden Sand.
Sagenhafte Diamantenfunde machten diesen Ort in der feindlichen Wüste vor 100 Jahren zum Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens, wo heute nur noch Touristen mit Kameras und ehrfürchtigen Blicken durch die verlassenen Ruinen streifen und Werbespots für Filme und Videos gedreht werden.
Begonnen hatte alles im Jahre 1908, mit dem Deutschen August Stauch, seines Zeichens Bahnmeister an der einsamen Bahnstation "Grasplatz" inmitten der Wüste, die ihren Namen nicht etwa einem saftigen Grün, sondern der Tatsache verdankte, dass die Ochsenwagen-Transporte hier ihr Gras oder Heu für die Rückreise lagerten. Stauch und seine Mitarbeiter hatten die Aufgabe, die Gleise vom stetigen Sand freizuhalten, und eines Tages wurde ihm ein glitzernder Stein vorgelegt, der an der Schaufel seines Mitarbeiters Zacharias Lewala kleben geblieben war.
Ohne verlauten zu lassen, welch sagenhafte Entdeckung er bzw. sein Mitarbeiter gemacht hatte, sicherte sich Stauch geschickt binnen kürzester Zeit eine ganze Reihe Claims mit Schürflizenzen bei der Deutschen Kolonialgesellschaft und wurde innerhalb weniger Jahre unsagbar reich.

Als die sagenhaften Funde bekannt wurden und die Sensation sich wie ein Lauffeuer verbreitete, ließen Hunderte von Männern alles liegen und stehen, erwarben Claims und zogen los, um ihr Glück zu machen. Sie mussten sich nicht einmal großartig anstrengen, denn die wertvollen Steine lagen offen im Sand und brauchten anfangs nur aufgeklaubt zu werden.
In langen Reihen lagen die Schürfer bäuchlings im Sand und als wichtigstes Behältnis galt ihnen ein leeres Marmeladenglas - um es mit Diamanten zu füllen.
Schon bald wurde ein einfaches Verfahren mittels eines Drahtsiebs und See- oder Brackwasser angewandt, kurze Zeit später entwickelte der deutsche Ingenieur Schiechel ein mechanisches Verfahren mit ähnlicher Technik, dem Prinzip des Goldwaschens angelehnt. Mit rotierenden Bewegungen, auf der Basis, dass die enthaltenen Mineralien, Sand, Halbedelsteine und Diamanten sich entsprechend ihres Gewichts im Sieb verlagern, wurde sozusagen die Spreu vom Weizen getrennt. Beim Diamantenwaschen sammelt sich in der Mitte ein kleiner Kreis von Rubinen, den man "Herz" nennt, und in dessen Mitte wiederum sammeln sich die Diamanten. Diese Technik der "Schiechel-Anlage" wird noch heute in ausgereifter Form angewandt.
Aus dem Nichts entstand binnen weniger Jahre eine blühende Siedlung, in der rund 300 Deutsche mit ihren Kindern lebten. Man ließ alles, was zur damaligen Zeit ein luxuriöses Leben ausmachte, per Schiff in die Wüste bringen, baute Häuser im Wilhelminischen Stil, die mit Badewannen, glänzenden Armaturen und sogar Toiletten mit Wasserspülung ausgestattet waren. Linoleum für die Fußböden, Kühlaggregate, Grammophone und Sportgeräte kamen über den großen Teich in die Wüstensiedlung, man baute Clubs, Restaurants, Schule und Krankenhaus, Schwimmbad, Bäckerei und sogar eine Limonadenfabrik.

Einzig Trinkwasser war knapp, es musste per Eisenbahn oder Tankschiff nach Lüderitzbucht und von dort aus per Ochsenwagen nach Kolmannskuppe transportiert werden, bis man später in Lüderitzbucht eine Meerwasser-Entsalzungsanlage baute, die mit einem eigens hierfür gebauten Elektrizitätswerk betrieben wurde.
In kürzester Zeit entstanden weitere Siedlungen wie Stauchslager, Charlottental und Bogenfels, doch Kolmanskuppe blieb der Hauptort, an dem sich das Leben abspielte.
Diamanten wurden zur gängigen Währung, ersetzten das Geld, wenn die erfolgreichen Schürfer ihr freie Zeit in Lüderitz verbrachten. Jeder Laden, jedes Hotel und jede Bar war mit Taschenhandwaagen ausgestattet, denn man bezahlte vorzugsweise in Karat.

Im September 1908 erließ die Reichsregierung eine Sperrverfügung für freie Schürftätigkeit, die das Gebiet von Lüderitzbucht bis zum Oranje umfasste und einen hundert Kilometer breiten Küstenstreifen bis zum 26. Breitengrad zum Sperrgebiet erklärte. Die Deutsche Kolonialgesellschaft gründete die Deutsche Diamanten-Gesellschaft, zeitweise wurden in Kolmanskuppe 70.000 Karat monatlich gefördert. 1914 erbrachte das Sperrgebiet über eine Tonne Diamanten, es gilt noch heute als eines der Diamantenreichsten Gebiete der Welt.
So schnell, wie der Reichtum entstand, fand er auch binnen weniger Jahre sein Ende. 1915 kapitulierte die Deutsche Kolonialverwaltung, Südafrika übernahm das Protektorat über das damalige Südwestafrika.
Im Süden des Landes, am Oranje, wurden neue, große Diamantenfunde gemacht, und bereits 1931 galt Kolmanskuppe als größtenteils ausgebeutet. 1956 verließen die letzten Bewohner die Wüstensiedlung und der stetig wehende Sand begann sich auszubreiten.
Wo sich für wenige Jahre das große Leben abspielte, weht heute nur noch der stetige Wind gespenstisch durch die Räume, drückt den feinen Sand durch alle Ritzen, durch Dächer und Fußböden und erobert die Wüste nach und nach alles zurück.
Als "Geisterstadt" lockt Kolmanskuppe heute Besucher aus aller Welt an, die ihren Namen dem Transportkutscher namens Johnny Coleman verdankt, dessen Ochsenwagen während eines Sandsturmes dort festsaß und lange Jahre dort stehen geblieben war.
Das Unternehmen "Ghost Town Tours" ist ab 2013 als einziger Betreiber für den Besuch der Kolmanskuppe lizenziert, weitere Informationen finden sich im Internet unter http://kolmanskuppe.com

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