09 April 2019 | Afrika

Kämpfe in Tripolis eskalieren: 49 Tote und Rauchsäulen über Flughafen

Trotz internationaler Warnungen gehen die Kämpfe um die libysche Hauptstadt Tripolis unvermindert weiter. Mehr als 49 Menschen sterben, der einzige Flughafen der Stadt stellt seinen Betrieb ein. Die Menschen fürchten eine weitere Eskalation.

Tripolis (dpa) - In Libyen hat der Kampf um die Hauptstadt Tripolis auch den einzig verbliebenen Flughafen der Stadt erreicht. Kampfjets bombardierten am Montag den militärischen Teil des Flughafens Mitiga, sagte ein Sprecher der libyschen Einheitsregierung. Der Flugbetrieb sei eingestellt und der Flughafen evakuiert worden. Flüge würden bis auf Weiteres ins 200 Kilometer entfernte Misrata umgeleitet.

Passagiere seien in Panik geraten, berichteten Augenzeugen der Deutschen Presse-Agentur. Bilder in den sozialen Netzwerken zeigten Rauchsäulen über dem Rollfeld. Der Flughafen Mitigia ist der einzig verbliebene funktionierende Airport von Tripolis. Insgesamt sind bei den erneuten Kämpfen um die libysche Hauptstadt seit Donnerstag bereits mindestens 49 Menschen getötet worden.

Das mit der international anerkannten Einheitsregierung verbundene Gesundheitsministerium erhöhte die Zahl der Opfer seit Beginn der Offensive auf 35. Wie viele Zivilisten unter den Opfern sind, teilte das Ministerium allerdings nicht mit. Ein Sprecher der Richtung Tripolis marschierenden Truppen von General Chalifa Haftar hatte am Wochenende zudem von 14 getöteten Soldaten in den eigenen Reihen gesprochen.

Seit Donnerstag rückt die sogenannte "Libysche Nationalarmee" (LNA) von General Haftar auf Tripolis vor. Haftar gilt als mächtigster Gegenspieler von Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch. Dessen Regierung der nationalen Einheit in Tripolis wird international anerkannt. Das libysche Parlament hat seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs 2014 seinen Sitz im ostlibyschen Tobruk. Im Osten und Süden des Landes kontrolliert der mit dem Parlament verbundene General Haftar die größten Gebiete, darunter auch zahlreiche Ölförderanlagen. Er bezeichnet seinen Vormarsch als "Anti-Terror-Kampf".

Die Vereinten Nationen warnten vor einer weiteren Eskalation der Situation. Etwa 2800 Menschen seien bereits vor den neuerlichen Kämpfen im Süden der Hauptstadt geflohen, teilten die UN am Montag mit. Augenzeugen berichteten der Deutschen Presse-Agentur von Hamsterkäufen in der Hauptstadt Tripolis. Die Menschen fürchteten dauerhafte Kämpfe und deckten sich vor allem mit Treibstoff und Lebensmitteln ein.

Die Kampfgeräusche waren am Montag in der ganzen Stadt zu hören. Kampfflugzeuge flogen über der Stadt, Maschinengewehrfeuer war zu hören, ebenso wie die Einschläge von Granaten und Bomben.

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sprach am Rande eines Außenministertreffens in Luxemburg von einer "zunehmend besorgniserregenden Situation". Am wichtigsten sei es nun, die vollständige Umsetzung der humanitären Waffenruhe zu ermöglichen, um Zivilisten und Verwundete aus der Stadt zu bringen. Zudem müsse jede erneute militärische Konfrontation und Eskalation vermieden werden, um wieder zu politischen Verhandlungen zurückzukehren. Die Vereinten Nationen hatten zuvor angekündigt, an einer für Mitte April geplanten Versöhnungskonferenz festzuhalten.

"Die Europäische Union wird vereint auf die Parteien und die regionalen Akteure zugehen, um in diese Richtung Druck auszuüben", sagte Mogherini. Es sei im Interesse aller Europäer, dass die derzeitige militärische Eskalation nicht in einen echten Bürgerkrieg münde.

Die Frage, ob die Situation in Libyen von Schlepperbanden ausgenutzt werden könnte, um wieder mehr Migranten auf gefährliche Bootsfahrten in Richtung Europa zu schicken, wollte Mogherini nicht beantworten. Um die Bedeutung Libyens als Transitland für Migranten sei es beim Außenministertreffen nicht gegangen, sagte sie. Die Libyer selbst verdienten Frieden, Stabilität und Sicherheit. In erster Linie deswegen beschäftige man sich mit dem Schicksal des Landes.

Gleiche Nachricht

 

Kakao verdrängt Jumbos: Elefantenbestand der Elfenbeinküste sinkt

vor 3 tagen - 16 Oktober 2020 | Afrika

Abidjan/Johannesburg (dpa) - In der westafrikanischen Elfenbeinküste lassen Rodungen für Kakao-Plantagen und Getreidefelder die Lebensräume und damit auch die Bestände der Waldelefanten schwinden. Ausgerechnet in...

Brandschneisen und Hoffen auf Regen: Weiter Flammen am Kilimandscharo

vor 4 tagen - 14 Oktober 2020 | Afrika

Von Ralf E. Krüger, dpaMoshi/Johannesburg (dpa) - Mit einfachsten Mitteln geht an Afrikas höchstem Berg der Kampf gegen die seit vier Tagen lodernden Flammen unvermindert...

Brot mit Heuschreckenöl? Kulinarische Innovation in Ostafrika

vor 2 wochen - 28 September 2020 | Afrika

Von Anja Bengelstorff, dpaKnusprige Waffeln mit cremiger Sahne, süßer Schoko-Soße und - Insektenöl? In Belgien könnte das schon bald auf Speisekarten stehen. Denn dort experimentieren...

Corona-Restriktionen gelockert

vor 1 monat - 18 September 2020 | Afrika

Johannesburg (dpa) - Angesichts sinkender Infektionszahlen lockert Südafrika seine Corona-Beschränkungen. Präsident Cyril Ramaphosa sagte am Mittwochabend in einer Rede an die Nation, die Restriktionen würden...

Erfolge gegen Heuschrecken in Kenia - Gefahr noch nicht...

vor 1 monat - 10 September 2020 | Afrika

Nairobi (dpa) - Im Kampf gegen die Heuschreckenplage in Ostafrika wurden große Erfolge erzielt, doch die Gefahr ist Experten zufolge noch lange nicht gebannt. In...

Schule im TV oder gar nicht

vor 1 monat - 27 August 2020 | Afrika

Von Gioia Forster - dpaNairobiDie Schule von Joy und Dorkas besteht derzeit aus den paar Quadratmetern ihres Hauses in einem Slum von Nairobi. Auf dem...

Militärputsch in Krisenstaat

vor 2 monaten - 19 August 2020 | Afrika

Deutsche Presse-Agentur - dpaBamako Nach dem erzwungenen Rücktritt des Präsidenten Ibrahim Boubacar Keïta soll der westafrikanische Krisenstaat Mali nach dem Willen der Putschisten von einem...

Kleinstaat ganz groß

vor 2 monaten - 13 August 2020 | Afrika

Von Ralf E. Krüger und Jörn PetringJohannesburg/Peking In Afrika stellt ein völkerrechtlich nicht anerkannter Kleinstaat gerade Pekings Ein-China-Politik infrage. Die von Somalia abgespaltene ostafrikanische Republik...

Afrika überschreitet Millionenmarke bei Corona-Fällen

vor 2 monaten - 07 August 2020 | Afrika

Johannesburg (dpa) - Afrika hat laut der Afrikanischen Union (AU) mehr als eine Million nachgewiesene Corona-Fälle verzeichnet. Mehr als 22 000 Infizierte seien gestorben, teilte...

Kolonialismusdebatte geht weiter

vor 3 monaten - 13 Juli 2020 | Afrika

Windhoek Von Ralf E. Krüger, dpaJahrzehntelang schaute der Reiter von seinem Standort neben Windhoeks Christuskirche weit über die Hauptstadt Namibias. Das Gewehr in der Hand,...