19 Februar 2020 | Natur & Umwelt

Klimawandel und Erderwärmung - einige Gedanken (Teil 3)

Namibia wird als eines der am meisten beeinträchtigten Länder genannt. Die unter dem Klimawandel zu leiden haben. Vor allem die Landwirtschaft- und Wassersektoren des Landes sind davon betroffen.

Namibia muss seine Land- und Weidewirtschaft verbessern und auf landwirtschaftliche Nutzpflanzen und Tierarten umstellen, die besser an Dürre und Hitze angepasst sind. Die Wasserversorgung muss sichergestellt sein. Es kostet noch viel Forschung, um verlässliche Wetterprognosen zu erstellen, Landmanagement an den Klimawandel anzupassen, die geeigneten landwirtschaftlichen Arten zu erforschen und zeitig genug auf Wettervorhersagen zu reagieren. Die Farmer müssen bereit sein, neue Praktiken zu lernen und entsprechend anzupassen.

Es ist skandalös, dass riesige Flächen für den Tabakanbau missbraucht werden, während die lokale Bevölkerung unter einer Nahrungsmittelkrise leidet und die meisten Lebensmittel importiert werden müssen. Außerdem ist der Konsum von Tabak und Tabakwaren Lungenkrebsverursacher Nummer eins.

Namibia als arides bis semi-arides Land wird immer unter Wasserknappheit leiden, ein Zustand, der sich mit Bevölkerungswachstum, industrieller Entwicklung und Klimawandel verschlimmert.

Eine der wenigen nachhaltigen Lösungen für die andauernde Wasserkrise ist die Entsalzung von Meereswasser. Seit vielen Jahren wird der Bau einer Entsalzungsanlage diskutiert, aber sie wird nicht durchgeführt. Ironischerweise ist aber die Rede davon, Wasser nach Botswana zu liefern. Die bestehende Entsalzungsanlage bei Wlozkasbaken, die sich im Besitz von Orano Resources (ehemals Areva) befindet, könnte auf ihre volle Kapazität gebracht werden, um die aktuelle Wasserkrise zu überwinden. Dennoch ist das keine Langzeitlösung, der Bau einer zusätzlichen Entsalzungsanlage ist unvermeidlich. Wissenschaftler haben errechnet, dass die enorme Energiemenge, die für die Anlage und das Pumpen des Wassers ins Landesinnere benötigt wird, durch Solarenergie gedeckt werden kann.

Namibia ist mit günstigen Bedingungen für erneuerbare Energiequellen wie Sonne, Wind, Biomasse und Ozeanwellen gesegnet und könnte durch die Nutzung dieser kostenlosen Ressourcen für erneuerbare Energien auf dem afrikanischen Kontinent führend werden, wenn nicht gar weltweit. Stattdessen importiert Namibia 60 Prozent des Stroms zu hohen Kosten aus Nachbarländern, wobei es größtenteils schmutziger, aus Kohle gewonnener Strom ist. Diese kritische Situation kann leicht durch die Nutzung der Sonnen- und anderer Energiequellen aus der Welt geschafft werden. Solange es an politischem Willen mangelt, wird sich nicht viel ändern.

Fairerweise muss gesagt werden, dass sich kleine Veränderungen in die richtige Richtung abzeichnen. Etwa 60-70 MW (Megawatt) Solarenergie werden derzeit durch Investitionen von Independent Power Producers (IPP) und zu einem geringen Teil von NamPower erzeugt. Diese Anlagen sind über das gesamte Land verteilt und erleichtern vielen Menschen das Leben, besonders in den ländlichen Gebieten. Der Renewable-Energy Feed-In-Tarif (REFET) sollte mehr Unternehmer und Privatpersonen motivieren, auf erneuerbare Energien umzustellen. Solaranlagen werden immer besser und erschwinglicher, die Ressource Sonne kostet nichts.

Präsident Dr. Hage Geingob teilte auf dem UN-Gipfel in New York im September 2019 mit, welche Verpflichtungen Namibia sich zum Schutz des Ozeans vorgenommen hat. Bis 2020 sollen 10 Prozent der exklusiven Wirtschaftszone zum Meeresschutzgebiet erklärt werden. Die Gewässer bis zu einer Tiefe von weniger als 200 Metern sollen vor dem kommerziellen Fischfang geschützt werden, da sich hier die Brutstätten für viele Fischarten befinden. Sind diese Schutzmaßnahmen ausreichend? Und können wir hoffen, dass sie die Pläne für den Phosphatabbau am Meeresboden null und nichtig machen? Der Fischfang ist ein wichtiges Standbein der Namibischen Ökonomie und darf nicht durch so schädigende Aktivitäten wie Phosphatabbau gefährdet werden.

Das Transportwesen muss dringend verändert werden. Es müssen bessere Möglichkeiten für den generellen und den Berufsverkehr geschaffen werden. Wenn wir das Auto zu Hause lassen sollen, um die CO2-Emissionen zu reduzieren, müssen uns akzeptable Alternativen angeboten werden. Die Bevölkerung wird die Chance von sicheren und zuverlässigen öffentlichen Verkehrsmitteln wahrnehmen, allein schon, um die hohen Kosten für Treibstoff zu vermeiden. Sichere Fahrradwege müssen eingerichtet werden. Der Transport von Gütern muss auf die Schiene verlegt werden.

Die Aufgabe des Klimaschutzes kann nicht allein von der Bevölkerung bestritten werden. Effektive Gesetzgebung und Regulierungen müssen erarbeitet und eingehalten werden. Eine gute Zusammenarbeit zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor ist notwendig. Politiker und Industrielle sind aufgerufen, die Herausforderungen anzunehmen. Es liegt an der Wachsamkeit der Wähler, die Wahlversprechen der Politiker einzufordern. Gemeinsam die Herausforderungen anzugehen ist das Beste, was wir tun können. Gemeinsam bedeutet, dass alle Länder und alle Menschen dieser Erde am gleichen Strang zu müssen. Wir sind alle betroffen, und wir müssen alle dazu beitragen, dass die kommenden Generationen ein gesundes Leben leben können.

Wir können nicht die ganze Welt auf einmal reparieren, aber wir können den Teil des Planeten schützen, der in unserer Reichweite liegt.

Bertchen Kohrs, Earthlife Namibia

Gleiche Nachricht

 

Wilderei und Klimawandel führen zu Rückgang von Rentier-Beständen

vor 15 stunden | Natur & Umwelt

Moskau (dpa) - Wilderei und Erderwärmung führen nach Erhebungen von Tierschützern zu einem dramatischen Schwund der Rentiere in Russlands hohem Norden. Die Zahl der Wildtiere...

Wenn Tiger Menschen töten - und wie man das...

vor 16 stunden | Natur & Umwelt

Neu Delhi (dpa) - Es passierte, als Bhadai Tharu im Wald mit mehr als hundert anderen Dorfbewohnern Gras schnitt. Mit dem Gras wollte der Tigerschützer...

Türkisblaues Wasser: Kolumbiens Karibik atmet wegen Corona-Pause auf

vor 1 tag - 08 April 2020 | Natur & Umwelt

Bogotá (dpa) - Die strengen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus haben einen positiven Effekt auf die Umwelt in Kolumbien: In der als Touristenziel beliebten Hafenstadt...

Massensterben von Lederschildkröten gibt Rätsel auf

vor 2 tagen - 08 April 2020 | Natur & Umwelt

Swakopmund (er) - Experten und Wissenschaftler rätseln über ein Massensterben von Lederschildkröten an Namibias zentraler Westküste. Mindestens zwölf ausgewachsene Tiere wurden zwischen Swakopmund und Henties...

Elefant zieht auf eine Farm

1 woche her - 03 April 2020 | Natur & Umwelt

Swakopmund (er) - Der Swakopmunder Elefantenbulle, der sich im Februar bei dem Rössmund-Golfplatz niedergelassen hat und seither regelmäßige Abstecher ins Stadtgebiet unternimmt, wird in absehbarer...

Schnabelwal bei Paalties gestrandet

1 woche her - 31 März 2020 | Natur & Umwelt

Ein Cuvier-Schnabelwal ist vor kurzem tot bei Paaltjies an den Strand gespült worden. Laut dem namibischen Delfinprojekt (NDP) wurden der Fettschicht und der Haut Proben...

Mufeti ist neuer Umweltkommissar

1 woche her - 30 März 2020 | Natur & Umwelt

Swakopmund/Windhoek (er) - Timoteus Mufeti ist rückwirkend vom 19. März zum Umweltkommissar im Ministerium für Umwelt, Tourismus und Forstwirtschaft ernannt worden. Das teilte die das...

Earth Hour 2020: Trotz Corona-Krise ein Zeichen für das...

vor 2 wochen - 23 März 2020 | Natur & Umwelt

Genf (dpa) - Mit dem Ausschalten von Lichtern setzen Millionen Menschen in aller Welt jeweils Ende März ein Zeichen für mehr Klima- und Umweltschutz. Die...

Der Wettlauf mit den Heuschrecken - schlimmste Plage seit...

vor 2 wochen - 23 März 2020 | Natur & Umwelt

Archers Post (dpa) - Gräser, Büsche und Akazienbäume bedecken die Landschaft Samburus. Heuschrecken sind keine zu sehen. Es herrscht Stille. Wo sind die Insekten, die...

Tief durchatmen: Wie die Corona-Krise Luft und Klima beeinflusst

vor 2 wochen - 22 März 2020 | Natur & Umwelt

Berlin/Rom (dpa) - Der Flug in den Osterurlaub fällt wegen der Corona-Krise aus. Autoreisen schnell übers Wochenende zur See und Bustouren - all das gehört...