14 Juli 2021 | Politik

Klimaschutz gibt's nicht umsonst: EU hat neuen Plan für CO2-Ziel

Wer Treibhausgase freisetzt und die Atmosphäre verschmutzt, muss dafür zahlen: Das ist das Grundrezept, mit dem die EU ihre ambitionierten Ziele für den Klimaschutz erreichen soll. Jetzt wird es konkret - auch für die Autoindustrie.

Brüssel (dpa) - Keine neuen Benzin- und Dieselautos mehr, eine Steuer auf Flug- und Schiffstreibstoffe und höhere Kosten für das Heizen mit Kohle, Erdgas oder Öl: Die EU-Kommission hat einen umfassenden Plan präsentiert, mit dem das Erreichen der europäischen Klimaschutzziele sicherstellt werden soll. Im Kern sieht er vor, den Verbrauch von fossilen Energieträgern weiter zu verteuern, um den Umstieg auf klimafreundliche Technologien zu beschleunigen. Der Autoindustrie sollen zudem noch einmal strengere Kohlendioxid-Grenzwerte auferlegt werden - spätestens 2035 sollen dann in der EU nur noch emissionsfreie Autos neu zugelassen werden.

Abgesehen davon müssen Verbraucher mit erhöhten Kosten für die Nutzung herkömmlicher Benzin- und Diesel-Fahrzeuge und das Heizen rechnen. Die Brüsseler Behörde will ein separates Emissionshandelssystem für den Straßenverkehr und den Gebäudesektor schaffen, das CO2-Emissionen aus diesen Bereichen kostenpflichtig macht. Innereuropäische Flüge und Kreuzfahrten könnten durch neue Energiesteuern teurer werden. Um Menschen mit niedrigen Einkommen mit steigenden Energie- und Transportkosten nicht alleine zu lassen, soll es einen Klimasozialfonds geben.

„Die Wirtschaft der fossilen Brennstoffe stößt an ihre Grenzen", erklärte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zur Vorstellung der Pläne. Es gehe nun darum, die Reduzierung von Emissionen mit Maßnahmen zum Naturschutz zu verbinden und Beschäftigung und soziales Gleichgewicht in den Mittelpunkt der Transformation zu stellen.

Die Gesamtheit der vorgeschlagenen Maßnahmen soll es den EU-Staaten ermöglichen, die Treibhausgase bis 2030 um mindestens 55 Prozent unter den Wert von 1990 zu drücken. Deswegen wird das Paket von der Kommission auch „Fit for 55" genannt. Langfristiges Ziel der EU ist es, dass 2050 netto gar keine klimaschädlichen Gase mehr in die Atmosphäre gelangen. So sollen der menschengemachte Klimawandel und dessen Folgen aufgehalten werden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sehen in der globalen Erwärmung einen Grund für steigende Meeresspiegel und wetterbedingte Naturkatastrophen wie Wirbelstürme, Überschwemmungen oder Waldbrände.

Für die Autoindustrie schlägt die EU-Kommission konkret vor, dass bis 2030 die Treibhausgasemissionen von Neuwagen um 55 Prozent im Vergleich zu 2021 sinken soll. Wenn sich Hersteller nicht an die Vorgaben halten, sollen Strafen gezahlt werden müssen. Ab 2035 sollen in der EU dann nur noch emissionsfreie Neuwagen zugelassen werden. Dabei soll es jedoch eine Überprüfungsklausel geben. Demnach soll alle zwei Jahre analysiert werden, wie weit die Hersteller sind; 2028 soll ein großer Prüfbericht folgen. Theoretisch könne das Datum 2035 noch verschoben werden.

Für den Wandel im Verkehrssektor sollen auf großen Hauptverkehrsstraßen in der EU alle 60 Kilometer Ladestellen für Elektroautos eingerichtet werden. Die Investitionskosten für die Ladeinfrastruktur schätzt die Kommission auf insgesamt 15 Milliarden Euro. Alle 150 Kilometer sollen Wasserstofftankstellen entstehen. Aus der EU-Kommission hieß es zudem, selbst wenn man derzeit einen schlechten Energiemix zugrunde lege, sei ein Elektroauto emissionsärmer als ein klassischer Verbrenner.

Um die europäische Industrie nicht auf dem Weltmarkt zu benachteiligen, sollen europäische Produzenten von Produkten wie Stahl, Aluminium, Dünger und Elektrizität den Planungen zufolge über einen sogenannten Grenzausgleichsmechanismus vor ausländischer Konkurrenz mit weniger strengen Klimaschutzauflagen geschützt werden. Er sieht vor, auf Importe dieser Güter eine CO2-Abgabe einzuführen.

Über die Umsetzung der Vorschläge müssen nun die Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament beraten. Aus Sicht der EU-Kommission ist Eile geboten, um Industrie und Verbrauchern möglichst viel Zeit für die Umstellungen und Reduktionen zu geben. „Dieses ist die alles entscheidende Dekade im Kampf gegen die Klima- und die Biodiversitätskrise", kommentierte Kommissionsvize Frans Timmermans.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze kündigte an, dass Deutschland schnell mit der Arbeit beginnen wird. Die Bundesregierung werde die Vorschläge der EU-Kommission nun gründlich, aber auch zügig und konstruktiv prüfen, erklärte die SPD-Politikerin. Es gehe um nichts weniger als eine „neue industrielle Revolution, angeführt von der Europäischen Union".

Gleiche Nachricht

 

Korrektur

vor 1 tag - 28 September 2021 | Politik

Fälscherlicherweise wurde gestern in der AZ vermeldet, Landwirtschaftsminister Calle Schlettwein übernehme übergangsweise das Amt des „Arbeitsministers“ John Mutorwa, der erneut an COVID-19 erkrankt ist. Bei...

Schlettwein übergangsweise Arbeitsminister

vor 2 tagen - 27 September 2021 | Politik

Windhoek (km) - Landwirtschaftsminister Calle Schlettwein ist momentan auch mit der Leitung des Arbeitsministeriums betraut und hat das Amt übergangsweise von John Mutorwa übernommen. Dieser...

IPC-Stadträtin endgültig zurückgezogen

vor 2 tagen - 27 September 2021 | Politik

Windhoek (Nampa/km) - Die Partei Independent Patriots for Change hat nun ihre einstige Stadträtin für Windhoek, Desiree Davids, endgültig zurückgezogen. Nach Vorwürfen, sie habe ihr...

SWAPO-Kandidat bleibt Sieger

vor 2 tagen - 27 September 2021 | Politik

Windhoek (km) - Die Wahlkommission von Namibia (ECN) hat die Ergebnisse der Neuauszählung der Wahl in Ndonga Linena bekanntgegeben. Der bei der Bezirkswahl im November...

Vakzin-Apartheid bemängelt

vor 5 tagen - 24 September 2021 | Politik

Swakopmund/New York (er) - Menschen könnten nur vor dem Coronavirus geschützt werden, wenn die sogenannte Impfstoff-Apartheid beseitigt würde. Das sagte Präsident Hage Geingob am Mittwoch...

Ampel oder Jamaika

vor 5 tagen - 24 September 2021 | Politik

Von M. Herzog und U. Winkhaus, dpa Berlin Für die meisten Wähler sind die Würfel schon gefallen: Wenige Tage vor der Bundestagswahl haben sich knapp...

Absichtserklärung liegt vor

vor 6 tagen - 23 September 2021 | Politik

Von Brigitte WeidlichWindhoek Entgegen allen Erwartungen verlief die Debatte um die Absichtserklärung zwischen Namibia und Deutschland – was die Wiedergutmachung für koloniale Gräueltaten anbetrifft –...

Ratsmitglieder in Otjiwarongo und Walvis Bay vereidigt

vor 6 tagen - 23 September 2021 | Politik

Swakopmund/Otjiwarongo/Walvis Bay (er) - In Walvis Bay und Otjiwarongo wurden am Mittwochabend jeweils ein neues Stadtratsmitglied eingeschworen. Die Regionalpolitiker füllen Positionen, die durch COVID-19-Sterbefälle in...

Führungskraft suspendiert

vor 6 tagen - 23 September 2021 | Politik

Windhoek (ot/cr) - Die Stadtverwaltung von Gobabis hat die ehemalige Führungskraft Wynona Steyn suspendiert, weil sie angeblich Informationen über Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit der kürzlich...

Erneut Demonstrationen gegen das Genozidabkommen

1 woche her - 22 September 2021 | Politik

Windhoek (km/bw) - Gestern haben wieder Vertreter der Herero und Nama sowie der sämtlichen Oppositionsparteien gegen das Genozidabkommen mit Deutschland demonstriert. Sie forderten erneut direkte...