30 März 2020 | Gesundheit

Khomas und Erongo abgeriegelt

Späte Regierungsankündigung führt zur trägen Umsetzung der Ausgangssperre

Eine Woche lang wird die namibische Öffentlichkeit von Tag zu Tag mit unterschiedlichen Entschlüssen und Bestimmungen konfrontiert. Knapp acht Stunden vor Inkrafttreten der endgültigen Maßnahmen verkündet die Regierung eine verschärfte Ausgangssperre, welche sich am Wochenende nicht so einfach in die Tat umsetzten lässt.

Von Frank Steffen & Erwin Leuschner

Windhoek

Am vergangenen Freitagnachmittag kündigte der namibische Präsident Hage Geingob die endgültigen Maßnahmen an, die für die Ausgangssperre gelten. Das traf dann die Öffentlichkeit teilweise unvorbereitet. Am Vortag hatte Dr. Bernard Haufiku, der mit der Koordinierung der Maßnahmen im Kampf gegen die COVID-19-Pandemie beauftragt worden war, die Maßnahmen weitgehend erklärt. Andererseits hatten Staatsdiener wie der Gouverneur der Erongo-Region, Cleophas Mutjavikua, die Maßnahmen abgeschwächt. Der dadurch entstandene Eindruck, dass es sich eher um eine Ausgangsbeschränkung handeln würde, wurde am Freitag von Geingob, in Anwesenheit einiger Kabinettsmitglieder, vollends berichtigt: Seit Mitternacht von Freitag auf Samstag gilt ein strenges Ausgangsverbot, dass eventuell auf das gesamte Land erweitert werden soll.



Beitrag zum Kampf

Viele Geschäfte, die sich bisher als „unentbehrliche Versorger“ verstanden hatten, traf es unerwartet hart. „Geschäfte, die in irgendeiner Weise mit den als ‚unentbehrliche Dienstleistungen' eingestuften Kategorien tangieren, dürfen geöffnet bleiben. Also alle, die direkt zum Kampf gegen den COVID-19-Virus beitragen. Sie sollten sich aber an die Regel halten, dass möglichst nur Gruppen von zehn Personen in unmittelbarer Nähe voneinander arbeiten sollten“, hatte der neue Finanzminister Ipumbu Shiimi am Freitag betont. Das deckte sich mit der Aussage des Gesundheitsministers Kalumbi Shangula, der die erlaubte Anzahl der Personen in einer Gruppe, von vorher 50 auf zehn herabkorrigierte (dies gilt auch für Hochzeiten und Beerdigungen).

Der gesamte Gesundheitssektor, einschließlich der Apotheken, sowie Polizei, Armee, Notdienste und Sicherheitsdienste (staatlich und privat) bleiben geöffnet. Der Nahrungsmittelhandel und somit Supermärkte und sogenannte Kiosks (Cuca Shops), die Produktion und der Handel mit Nahrungs- und Haushaltsmitteln (Farmer eingeschlossen), Banken, Treibstoffhandel, Logistik, Wasser und Licht sowie alle Reinigungsdienste sind grundsätzlich erlaubt.



Was ist erlaubt?

Alle anderen Geschäfte bleiben geschlossen. Dadurch, dass der Alkoholhandel und öffentliche sowie informelle Märkte mittlerweile ausgeklammert wurden, dürfen seit Inkrafttreten des Ausgangsverbotes auch keine Klubs, Bars und sonstige formelle oder informelle Schenken (Shebeens) geöffnet bleiben. Baubetriebe bleiben geschlossen, während Bergbaubetriebe kein Erz abbauen dürfen, wohl aber die Instandhaltung vorantreiben dürfen.

Nur eine Person des Haushalts darf einkaufen und nur eine limitierte Anzahl Menschen die Läden betreten – deshalb entstanden an sämtlichen Supermärkten am Samstag und Sonntag lange Warteschleifen. Spazierfahrten sind verboten und die Anzahl der Passagiere eines Pkws ist auf drei beschränkt, weitere Beschränkungen gelten für Busse und öffentliche Fahrzeuge. Spaziergänge in Gruppen von maximal drei Personen sind erlaubt. Hotels dürfen geöffnet bleiben, doch Restaurants dürfen nur Mahlzeiten zum Mitnehmen verkaufen.



Realität und Praxis

Am Samstagmorgen setzte sich die Praxis von der Theorie ab. Einwohner, die Spazierfahrten unternommen hatten, wurden von der Polizei zum Umkehren gezwungen. Andere Einwohner waren als Familie zum Einkauf eingetroffen und verstanden nicht gleich, warum nur ein Familienmitglied vom Kaufladenleiter zum Einkauf erlaubt wurde. Außerdem lassen die mittlerweile nur so viele Leute zu, wie den Laden verlassen haben.

Der Leiter des Wernhil-Einkaufszentrums erklärte auf AZ-Nachfrage, warum keine Menschen eingelassen würden, die sich zum Einkauf eingefunden hatten: „Viele Leute sind einfach unvernünftig und halten sich nicht an die Regeln. Die Polizei arbeitet eng mit uns zusammen und so müssen wir regelmäßig das Zentrum leeren, weil die Leute nicht zum Einkauf hier sind, sondern sich zum Schaufensterbummel treffen.“

Haufiku musste andererseits gemeinsam mit Shangula und dem Innenminister Frans Kapofi sowie dem Landwirtschaftsminister Calle Schlettwein eingreifen, als sich herausstellte, dass sämtliche Lkws aus Südafrika, entgegen der vorigen Entschlüsse, von der Polizei an den Straßenkontrollen vor der Stadt aufgehalten worden waren.



Geisterstädte an der Küste

Ähnlich Windhoeks in der Khomas-Region, verwandelten sich auch Swakopmund, Walvis Bay und Henties Bay – die größeren Ortschaften der Erongo-Region – seit gestern infolge der Ausgangsperre in Geisterstädte. Bereits am Samstag war ein deutlicher Rückgang von Personen in den jeweiligen Stadtmitten sichtbar. Da sich einige Angestellte wie immer am Freitag zum Arbeiten gemeldet hatten (eine der Auswirkungen der späten Ankündigungen am Freitagnachmittag), konnten diese Einwohner ihre Monatseinkäufe, die teilweise in Hamsterkäufe entarteten, erst am Samstag vornehmen.

So war die Sam-Nujoma-Avenue in Walvis Bay noch ziemlich beschäftigt. In der gleichnamigen Straße in der Swakopmunder Stadtmitte ging es ebenfalls hoch her. Allerdings standen auch einige Teile des zentralen Geschäftsviertels leer – die Straßen waren leergefegt, obwohl viele Einwohner erst zum Wochenende ihre Löhne erhalten hatten.

Gestern standen die Orte dann wie verlassen. Verkehr und Fußgänger gab es kaum, es herrschte eine ungewöhnliche Stille. In Swakopmund blieben sonst beliebte Attraktionen unbesucht – an der Landungsbrücke und am Badestrand der Mole war weit und breit keine Person zu sehen. Auf der Fernstraße B2 zwischen Swakopmund und Walvis Bay, eine der wohl meistbefahrenen Straßen in Namibia, gab es bereits seit Freitag kaum Verkehr.

Ein Großteil der Geschäfte schloss bereits am Freitag. Lediglich Unternehmen und Supermärkte, die als unentbehrlich gelten, blieben geöffnet. Zahlreiche Restaurants, Cafés, Hotels und sonstige Gästebetriebe haben ihre Türen bis Mitte April geschlossen – einige sogar bis Juni. Mitteilungen an den Türen beinhalteten grundsätzlich die gleiche Botschaft: „Geschlossen wegen COVID-19.“

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