19 Dezember 2014 | Kultur & Unterhaltung

„Keine zweite Chance“

Windhoek (bs) Der 22-jährige Zindri Swartz wurde in diesem Jahr mit dem „Namibian Film & Theatre Award“ als bester Newcomer-Regisseur im Bereich Theater ausgezeichnet. Damit würdigte die Jury sein Theaterstück „Prime Colours“, in dem das Thema Homosexualität aus namibischer Perspektive betrachtet wird.


AZ: Was bedeutet es Ihnen, einen Preis als bester namibischer Nachwuchsregisseur erhalten zu haben?


Zindri Swartz: Das ist sehr wichtig für mich, einfach weil dadurch Türen geöffnet werden. Die Anerkennung und der Bekanntheitsgrad steigen, was die Planung der nächsten Produktion erleichtert. Und das Pubikum ist neugierig, wer dieser Kerl ist, der mit so einem Preis ausgezeichnet wurde.


AZ: Wie verlief Ihr Weg zum Theaterregisseur?


ZS: Meine Liebe zum Drama startete in der Schulzeit. Als Kind wollte ich Schauspieler werden, aber mein Umfeld redete mir ein, das sei nur Träumerei. Deshalb hatte ich irgendwann das Ziel, Jura zu studieren und Richter zu werden. Bis ich mich in der Schule einem Theaterklub anschloss und irgendwann dessen Präsident wurde. Als es dann darum ging, sich an einer Uni einzuschreiben, entdeckte ich, dass auch der Studiengang Drama angeboten wird, und ich dachte mir, warum nicht? Das Studium hat mich aus meinen Komfortzonen geworfen, polierte meinen Wortschatz auf und trieb mein Adrenalin in die Höhe. Eine der besten Zeiten in meinem Leben.


AZ: Ein interessanter Wechsel des Berufswunsches, oder denken Sie, dass ein Regisseur auch eine Art Richter der Gesellschaft ist?


ZS: In gewisser Hinsicht, ja. Man braucht ein Gespür dafür, was richtig und was falsch ist. Wobei zu beachten ist, dass jeder Regisseur seine eigenen Probleme und subjektiven Meinungen hat, die ihren Schatten über jedes Urteil werfen. Ein Regisseur hat viel Macht über sein Werk, das kann einen auch erblinden lassen.


AZ: Sie sagten, dass Ihr Umfeld Ihre künstlerischen Ambitionen zunächst kritisch sah. Wie sieht es heute aus, nachdem Sie für Ihre Arbeit mit einem hochkarätigen Preis ausgezeichnet wurden?


ZS: Meine Familie war und ist immer skeptisch, und fragte sich, ob ich irgendwann Geld damit verdienen könnte. Ich selbst spekulierte einfach darauf, dass es schon klappen könnte. Und, ehrlich gesprochen, ich bin lieber ein hungernder Künstler als viel Geld mit etwas zu verdienen, dass ich nicht liebe.


AZ: Worin begründet sich Ihre Liebe zum Theater?


ZS: Ich liebe, dass alles im Moment passiert – nicht wie im Film. Im Theater gibt es keine zweite Chance. Ich erinnere mich, dass ich während meiner Schulzeit einmal als Schauspieler an einer Shakespeare Produktion beteiligt war. In einer Situation hatte ich einen Blackout, konnte mich nicht an meinen Text erinnern – und entschied, einfach auf der Bühne zu erstarren. Die anderen Schauspieler realisierten dies und taten es mir gleich. Zum Glück erkannten auch die Techniker die Situation, und der Vorhang fiel, bevor es zu obskur wurde. Das Publikum applaudierte, es wirkte offenbar geplant. Aber wir Schauspieler schauten uns in die Augen und fragten, „was zur Hölle ist hier gerade passiert?“


AZ: Sie hatten sich ausdrücklich dafür ausgesprochen, dass homophobe Menschen zu den Aufführungen Ihres Theaterstückes herzlich eingeladen waren. Was denken Sie, wie viele sind erschienen?


ZS: Eine ganze Menge! Ich wurde von einigen Besuchern im Nachhinein angesprochen, die Fragen stellten wie, " warum bringst du so etwas auf die Bühne? Findest du, dass das richtig ist?" Darauf fragte ich, was denn falsch damit sei. Mir wurde von einer Vielzahl von Besuchern auch erzählt, dass " Prime Colours" ihre Perspektive darauf verändert hat, was homosexuelle Menschen in diesem Land durchmachen müssen. Ich hatte auch einen Artikel eingearbeitet, der eine Woche vor der Uraufführung in der " Namibian Sun" erschien, über eine lesbische Frau, die eine sogenannte Korrekturvergewaltigung erleiden musste.


AZ: Ist die fiktive Unterhaltung wie im Theater oder auch im Film und der Literatur geeignet, um gesellschaftlich kontroverse Themen anzusprechen?


ZS: Ja. Das große Problem ist, dass die konventionellen Methoden einfach nicht wirksam sind. Im Theater, wie auch in anderen Kunstformen, können wir durch die Unterhaltung Nachrichten übermitteln. Es ist eine Möglichkeit, um aufzuzeigen, was in der Gesellschaft schief läuft. Anstelle also nur über Probleme zu reden, zeigt man sie auf der Bühne und macht sie damit zugänglicher.


AZ: Wie sehen Ihre Pläne für das kommende Jahr aus?


ZS: Ich werde „Prime Colours“ wieder auf die Bühne bringen, auch über Windhoek hinaus. Abhängig vom Aufführungsort vielleicht mit einigen Änderungen. Außerdem arbeite ich an meinem neuen Stück, das den Namen „Manifestations of heart“ tragen wird. Es wird ein feministisch geprägtes Werk über Frauenrechte.


AZ: Also wieder ein gesellschaftlich kontroverses Thema. Was, denken Sie, befähigt Sie als Mann, sich mit dem Thema Feminismus zu beschäftigen?


ZS: Ich sehe mich in meinem Herzen als Feministen. Das ist nicht vom Geschlecht abhängig. Ich sehe, was in der Gesellschaft richtig und falsch läuft. Wenn ich als Mann die Geschichte für Frauen erzähle, kann das helfen, die Ursachen der Probleme näher zu erschließen. Und es passieren definitiv nach wie vor viele Dinge in diesem Land, die alles andere als fair sind.

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