15 Oktober 2020 | Leserpost

Keine Verbrennung von Buschholz aus Namibia in Hamburger Kraftwerken!

Breiter Protest aus der Zivilgesellschaft gegen das Vorhaben der Hamburger Umweltbehörde, Steinkohle durch importiertes Buschholz zu ersetzen

In einer gemeinsamen Stellungnahme sprechen sich Organisationen der Zivilgesellschaft und Wissenschaftler*innen gegen Pläne aus, Hamburger Kraftwerke, wie das Heizkraftwerk Tiefstack mit Buschholz aus Namibia zu befeuern. Im Mai 2020 war ein „Memorandum of Understanding“ bekannt geworden, wonach die Hamburger Umweltbehörde (BUKEA) und die Wärme Hamburg GmbH ein entsprechendes Vorhaben prüfen. Die Unterzeichner*innen lehnen dieses von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) vorangetriebene Projekt einer „Transkontinentalen Biomassepartnerschaft Namibia - Hamburg“ entschieden ab.

Mit dem 2013 erstrittenen Volksentscheid zum Rückkauf der Energienetze wurde der Hamburger Senat darauf verpflichtet, das Ziel einer „sozial gerechten, klimaverträglichen und demokratisch kontrollierten Energieversorgung aus erneuerbaren Energien“ zu verfolgen. Die beabsichtigte Verbrennung von Buschholz aus Namibia steht eindeutig im Widerspruch zu diesem Ziel.

Wegen des langen Transportweges und vor allem wegen Veränderungen der Landnutzung in Namibia wäre diese Form der Energieversorgung nicht klimaverträglich.

Das geplante Projekt ist auch nicht sozial gerecht, da der weitaus größte Teil der Wertschöpfung außerhalb Namibias stattfinden würde. Infolge einer Industrialisierung der Buschholz-Ernte würden zahlreiche Arbeitsplätze vernichtet. Profitieren würden in erster Linie Konzerne im globalen Norden, indem sie Maschinen und Transportfahrzeuge verkaufen und sich mit Rohstoffen versorgen könnten.

Eine öffentliche und ergebnisoffene Debatte über das Vorhaben in Hamburg findet bislang nicht statt; es mangelt an Transparenz und demokratischer Kontrolle.

Die angestrebte „Partnerschaft“ wird ausgerechnet mit Namibia gesucht, einem Land, das zwischen 1884 und 1915 als Deutsch-Südwestafrika unter deutscher Kolonialherrschaft stand.

„Der rot-grüne Senat in Hamburg soll das Projekt einer Biomasse-Partnerschaft mit Namibia stoppen. Wir fordern eine klimagerechte, zu 100 Prozent erneuerbare Energieversorgung, die ohne neokolonialen Import von Ressourcen aus dem globalen Süden auskommt“, sagt Ronja Heise, ROBIN WOOD-Energiereferentin. Die Umweltorganisation hat zusammen mit dem Hamburger Energietisch die gemeinsame Stellungnahme initiiert.

„Namibia befindet sich in einer Energiekrise und importiert bis zu 60 Prozent schmutzigen Kohlestrom aus Nachbarländern, um den lokalen Energiebedarf zu decken. Statt Biomasse zu exportieren, sollte Namibia sie im eigenen Land zur Stromproduktion nutzen. Dabei müssen nachhaltige Methoden zur Entbuschung angewendet werden. Büsche sind eine wichtige Kohlenstoffsenke. Sie dürfen daher nur gezielt geerntet werden, was bei einem Export sehr großer Holzmengen nicht garantiert werden kann“, sagt Bertchen Kohrs, Vorstand der Organisation Earthlife Namibia.

„Der Hamburger Senat hat in der Beantwortung einer Schriftlichen Kleinen Anfrage den Eindruck erweckt, den Nichtregierungsorganisationen, die den Buschholz-Import ablehnen, stünden ähnlich viele Unterstützer*innen gegenüber. Das ist falsch“, sagt Gilbert Siegler vom Hamburger Energietisch. „Wir laden weitere Organisationen ein, sich gemeinsam mit den Unterzeichner*innen der Umsetzung einer ‚Biomassepartnerschaft mit Namibia‘ entgegenzustellen. Diese Vortäuschung von Klimaschutz muss verhindert werden.“

Die Unterzeichner*innen fordern die Hamburger Umweltbehörde auf, dieses Projekt nicht weiter zu verfolgen, sondern auf eine Energieversorgung Hamburgs hinzuwirken, die im Einklang mit den verbindlichen Zielen des Volksentscheids steht.

Der Autor des Leserbriefs ist der AZ bekannt.

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