05 Juni 2018 | Natur & Umwelt

Keine Spur von Erongo-Löwen

Verbleib der seit Januar gesuchten Raubkatzen ungewiss – und umstritten

Mitte Januar hatte das Umweltministerium bekanntgegeben, die zuvor im Erongo-Gebirge ausgesetzten Löwen wieder einzufangen und in den Etoscha-Nationalpark zu bringen. Seitdem blieb jede Suche erfolglos. Über den Verbleib der Löwen herrschen verschiedene Annahmen.

Von Nina Cerezo, Windhoek

Wir sind noch immer auf der Suche nach den Löwen“, erklärte Romeo Muyunda, Pressesprecher des Ministeriums für Umwelt und Tourismus (MET) vergangene Woche im AZ-Gespräch. Damit bezog er sich auf jene Raubkatzen, die im November vergangenen Jahres Ziegen und Schafe im Torra-Hegegebiet gerissen hatten und daraufhin als Problemtiere ins Erongo-Gebirge umgesiedelt worden waren. Dies hatte bei den dort lebenden Farmern einen Streit entfacht, woraufhin das MET im Januar bekanntgab, die Löwen wieder einzufangen und in den Etoscha-Nationalpark zu bringen (AZ berichtete). „Bislang haben wir die Tiere aber nicht gesehen“, so Muyunda, der auch berichtete, alle ansässigen Farmer aufgefordert zu haben, das Ministerium bei Sichtung der Tiere zu informieren.

Tot oder lebendig

Dass die Löwen bislang unentdeckt blieben, verwundert Hagen Denker vom Erongo Mountain Rhino Sanctuary Trust (EMRST) keineswegs. „Das Gebiet ist 180000 Hektar groß und an vielen Stellen unzugänglich“, berichtet er. Außerdem gebe es im Gebirge genügend Wild und damit ausreichend Nahrung für die Raubkatzen. Als Mitglied des Trust, der die Fauna in diesem Gebiet grundsätzlich „so natürlich wie möglich“ halten wolle, habe man zudem auch kein Interesse, den Tieren aufzulauern. Weiter könne sich Denker aber auch vorstellen, dass die Löwen bereits wieder abgewandert und dann vermutlich in den Nordwesten gezogen seien.

Conny Kayser vom Erongo Plateau Camp äußert hingegen eine andere Annahme über den Verbleib der Tiere. So seien die Löwen oder Spuren von ihnen bis zur ersten Februarwoche noch gesehen worden, anschließend jedoch nicht mehr – Und das, obwohl „sämtliche Farmen in der Mitte vom Erongo über viele Trail-Kameras verfügen und auch die Wasserstellen genau beobachten“. Doch nirgends seien die Raubkatzen seitdem mehr gesichtet worden. Für Kayser steht damit fest: „Wir vermuten einen privaten Abtransport oder eine Jagd.“

Dass die Löwen Jägern zum Opfer gefallen sein könnten, erwägt auch Martin Bacsak von der gemeinnützigen Organisation Desert Lion Human Relations Aid (DeLHRA). Bacsak weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es sich bei den ausgesetzten Tieren um vier Männchen und ein Weibchen handelte, wobei die männlichen Löwen aufgrund der Mähne als Trophäentiere besonders begehrt seien und es im Erongo-Gebiet einige Jagdbetriebe und -farmen gebe. Für diese seien die Katzen – vor allem als Problemtiere – willkommen. Die Aussage von EMRST, dass sie die Löwen im Rahmen einer „Wiedereinbürgerung ehemals im Erongo-Gebirge heimischer (Wild-)Arten“ begrüße, könne also allein wegen des Ungleichgewichts zwischen Männchen und Weibchen nicht stimmen. „Das hat mit nachhaltiger Reproduktion wenig zu tun“, so Bacsak.

Denker und Muyunda dementierten strikt jegliche Jagdabsicht. „Niemand von uns will die Raubkatzen erlegen und wir würden sowieso gar kein Permit dafür erhalten“, erklärt Denker und betont die Absicht des Trust, einen Schutzraum für Wildtiere – und damit auch für die Löwen – zu bieten, „wie es ihn immer weniger gibt.“ „Hier wächst eine ursprüngliche Wildnis-Landschaft zu uralter Harmonie zurück“, heißt es auf der Homepage des Trust und Denker ergänzt, dass die Artenvielfalt eines der erklärten Ziele der Mitglieder und Förderer sei.

Keine Halsbänder

Für Kayser sind dies bloße Behauptungen. „Wir sollen in dem Glauben gelassen werden, dass die Löwen noch immer präsent sind“, sagt sie und weist darauf hin, dass seit mehr als vier Monaten nicht einmal mehr Spuren gesichtet worden seien. Muyunda hingegen ist sich sicher: „Es geht den Löwen gut und wir freuen uns, dass es zu keinem weiteren Mensch-Tier-Konflikt mehr gekommen ist.“ Die Frage, warum die Tiere keine Halsbänder vor ihrer Aussetzung erhalten haben, beantwortet der MET-Pressesprecher damit, dass zu diesem Zeitpunkt keine verfügbar gewesen seien. Damit hätte der Aufenthaltsort der Tiere per Funk überwacht werden können.

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