31 Juli 2013 | Kommunikation

Kein Trinkwasser, aber ein Mobiltelefon: Das Handy-Wirtschaftswunder in Afrika

Mittlerweile haben zwei Drittel der Bevölkerung Afrikas Zugang zu Mobilfunk. Das sind somit rund 650 Millionen Menschen – mehr als in ganz Europa oder in den USA leben. Weltweit sind es rund sechs Milliarden Menschen, die ein Handy nutzen. Beeindruckend sind nicht nur diese Zahlen, sondern besonders die Geschwindigkeit, mit der der Mobilfunkmarkt in Afrika wuchs und noch immer wächst: So gab es vor noch nicht einmal 13 Jahren lediglich 20 Millionen Menschen auf dem Kontinent, die über ein Festnetztelefon verfügten. Diese standen oft nur in Behörden und bei reichen Familien. Diese Zahl hat sich seitdem kaum verändert. Die Anzahl der mobilen Geräte wuchs in der gleichen Zeit jedoch von 16,5 Millionen auf 650 Millionen! So gibt es alleine im 40-Millionen-Einwohner-Land Kenia inzwischen ca. 20 Millionen Handys. Finanzwesen Dieses enorme Wachstum hat nicht zuletzt mit einer ganz besonderen Innovation zu tun, die im Frühjahr 2007 ihren Siegeszug antrat. Der führende Mobilfunkbetreiber in Kenia führte ein Angebot ein, das es möglich machte, sehr leicht und kostengünstig Überweisungen mit dem Handy auszuführen. Das „M-Pesa“, zu Deutsch „mobiles Geld“, genannte System war für ein Land, in dem nur rund 15 Prozent der Bevölkerung ein Bankkonto haeb, revolutionär. Nötig ist lediglich ein Handy, eine Registrierung bei M-Pesa und ein Passwort – und schon verfügt der Kunde über ein Konto. Überweisungen tätigen und Geld empfangen ist somit jederzeit und überall möglich. Direkte Ein- und Auszahlungen können bei landesweit 11000 Agenten vorgenommen werden. Das Netz der „Bankfilialen“ ist unschlagbar dicht. Dieses Angebot entwickelte sich sehr rasant; nicht nur in Kenia, sondern in vielen Ländern Afrikas. Ob Strom- oder Wasserrechnungen, Schulgeld, Eintrittskarten oder der Einkauf im Supermarkt – sehr viel wird per M-Pesa bezahlt. Monatlich werden so in Kenia rund. 200 Millionen Euro (ca. 2,6 Milliarden N$) umgesetzt. Die Grenze von 300 Mio. Euro, die alle Kreditkartenfirmen zusammen umsetzen, wird wohl bald geknackt werden. Aus diesem Grund sind mittlerweile mehrere andere Unternehmen auf den Zug aufgesprungen und bieten ähnliche Dienste an, so auch der Branchenprimus MTM aus Südafrika, der versucht, im arabisch-sprachigen Teil von Afrika Fuß zu fassen. Ein weiterer Vorteil des Bezahlens mit dem Handy ist die gesteigerte Sicherheit. Ein Gelegenheitsarbeiter, der kein traditionelles Bankkonto besitzt, muss nun nicht mehr mit Bargeld zur Familie reisen, sondern kann diese einfach per Handyüberweisung mit Geld versorgen. Und die Entwicklung geht weiter: Mittlerweile sind sind sogar Überweisungen von Kenia nach Großbritannien möglich. Und dies viel günstiger als mit dem bisherigen Platzhirschen Western Union. Von den gut sechs Milliarden Handybesitzern weltweit haben gut vier Milliarden kein Bankkonto – dies zeigt deutlich, wie riesig dieser Markt ist. Landwirtschaft Ein weiteres innovatives Beispiel aus Ostafrika ist das Projekt DrumNet. Rund zwei Drittel der Bevölkerung Afrikas leben von der Landwirtschaft. Oft kannten die Bauern jedoch nicht die gängigen Marktpreise und hatten Mühe, die Handelsplätze zu erreichen. Durch das auf SMS basierte DrumNet können Bauern nun angeben, wie viel sie geerntet haben, Händler können mitteilen, was sie kaufen möchten und erfahren auch, wie viel sie ankaufen können. Gleichzeitig werden über dieses System auch die Zahlungen abgewickelt und die angeschlossenen traditionellen Banken erfahren so etwas über die Bonität ihrer Kunden. Dadurch werden Kredite ermöglicht, die weitere Investitionen zulassen. Es profitieren alle Beteiligten davon. Gesundheitswesen Auch im Gesundheitswesen gibt es erfolgreiche Projekte. So konnte durch ein simples Quiz per Handy zum Thema HIV/Aids in Uganda ein Anstieg von 40 Prozent der Tests auf diese Krankheit erreicht werden. Auch „erste Hilfe“ oder Tipps für Mütter zu Ernährungsfragen in Gebieten ohne ausreichende ärztliche Versorgung helfen bei der Gesundheitsvorsorge und tragen letztendlich zum enormen wirtschaftlichen Wachstum bei. Und dies teilweise in Ländern, wo mehr Menschen ein Handy haben als Zugang zu sauberem Trinkwasser. Es ist also noch genug Luft nach oben... Stefan Peim, Swakopmund ([email protected])

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