12 Februar 2021 | Natur & Umwelt

Kavango-Volk entrechtet

ReconAfrica erhält Carte Blanche von der Kommunalverwaltung

Ein Umweltaktivist und Vertreter der Lokalbevölkerung musste sich neulich Beleidigungen von der ReconAfrica-Fachkraft Sindila Mwiya gefallen lassen, doch lässt sich nicht beirren. Seiner Meinung nach wird das Kavango-Volk von ihren Häuptlingen entrechtet. Und die botswanische Regierung dementiert nun jegliches Fracking-Vorhaben.

Von Frank Steffen

Windhoek

Der Vorsitzende der Ost- und West-Kavango-Regionalvereinigung für Kommunal-Hegegebiete und -Forstwirtschaft (Kavango East and West Regional Conservancy & Community Forestry Association), Max Muyemburuko, beschwerte sich in dieser Woche: „Ich bin sehr darüber besorgt, wie unsere Führungskräfte in Namibia, speziell unsere Kommunalführung in der Ost-Kavango-Region, mit unserer Lokalbevölkerung umgehen. ReconAfrica hat scheinbar im Kavango das Recht für sich gepachtet.“

Er habe sich am Tag zuvor mit einem „armen Mann“ unterhalten, der direkt am Bohrstandort Kawe ansässig sei: „Dieser hat sich vor Ort beim ReconAfrica-Projektleiter in Kawe über den ständigen Lärm beschwert, der Tag und Nacht andauert. Daraufhin wurde ihm gesagt, dass er als eingeborener Kavango kein Recht dazu habe, diese Angelegenheit mit dem Projektleiter zu besprechen. ReconAfrica habe vom Va Shambyu (traditionelles Stammesoberhaupt) das Recht zugesprochen bekommen, zu tun und lassen was es wolle. Sie brauchen angeblich nur auf die Kommunalverwaltung zu hören.“

Lebensqualität verschlechtert

Dabei habe es in der Präsentation von ReconAfrica geheißen, dass das Projekt die Lebensqualität der Menschen im Kavango verbessern würde. Nun sei er – Muyemburuku – darüber besorgt, dass die Lokalbevölkerung ähnlich dem genannten Beispiel, Leuten wie Dr. Sindila Mwiya vollen Glauben geschenkt haben könnten. In „Erwartung der besseren Zeiten“ hätten die Farmer damit aufgehört, ihre Felder zu bestellen. „Das ist die grundsätzliche Existenzgrundlage eines geborenen Kavango-Mannes. Wenn ReconAfrica unsere Felder für sich einnimmt, sollen wir dann vor Hunger umkommen?“ will Muyemburuku wissen. Die Stammesoberhäupter würden ihre Leute wie Sklaven behandeln.



Botswana bestreitet Fracking

Auch in Botswana scheint der Druck zuzunehmen, denn das botswanische Umweltministerium (Ministry of Mineral Resources, Green Technology and Energy Security) gab vorgestern eine Presseerklärung heraus, in der sie ihren Schritt verteidigt, ReconAfrica eine Explorationslizenz für vier Jahre erteilt zu haben. „Dies ist ein Anfangsstadium, wodurch wir Information und Analysen einholen. Die Genehmigung für eine Ölförderung muss erst auf Dauer nach Betrachtung des Resultats neu erwogen werden“, heißt es in der Mitteilung.

Ferner sei Fracking nie als Methode der Förderung in Betracht gezogen worden. Botswana bestätigte erneut, dass das Tsodilo-Hills-Welterbe sowie das Okavango-Delta nicht Teil des gutgeheißenen Explorationsareals seien (AZ berichtete).

Die Entwicklung in den Kavango-Regionen, wo die kanadische Ölexplorationsgesellschaft Reconnaissance Energy Africa (ReconAfrica) mit dem Schlagen erster Bohrlöcher begonnen hat, hat eine unrühmliche Wechselwirkung. So beruft sich die Nationale Agentur für Öl, Gas und Biokraftstoffe (ANPG) aus Angola auf Sambia, Namibia und Botswana, die angeblich bereits eine Einschätzung ihrer Kohlenwasserstoff-Lagerstätten durchgeführt hätten - dabei ist dies das erste derartige Vorhaben zu Lande in Namibia.



Unerwünschte Wechselwirkung

Ähnlich hatte sich ReconAfrica hierzulande in der Vergangenheit darauf berufen, dass Angola längst Ölfelder oberhalb der namibischen Grenze vermessen habe, was allerdings laut ANPG gar nicht zuträfe (AZ berichtete). Indessen nehmen die Dinge auf beiden Seiten der Grenze ihren Lauf, sodass die Lokalbevölkerung letztendlich vor vollendete Tatsachen gestellt werden könnte.

So hat ANPG nun damit begonnen, auch in den Naturschutzgebieten Angolas nach Öl zu suchen. Dagegen werden die lokalen NGOs Eco-

Angola und die Kissama-Stiftung genauso wenig ankommen, wie es in Namibia der Fall ist, solange sich im Wesentlichen nur die San-Be­völkerung und Teile des Kavango-Volks gegen eine solche Entwicklung stemmen.

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