11 Oktober 2021 | Natur & Umwelt

„Kavango-Landvergabe ungültig“

Untersuchung ernsthaft hinterfragt - ReconAfrica erklärt sich

ReconAfrica geht auf Behauptungen seitens der Kommunalbevölkerung in den Kavango-Regionen ein, vermeidet aber gewisse Aspekte der Anschuldigungen. Indessen erklären Interessenträger von verschiedenen Stämmen aus der betroffenen Bevölkerungsgruppe, warum sie die Anhörungen des Ständigen Parlamentarischen Ausschusses für Natürliche Ressourcen als irrelevant betrachten.

Von Frank Steffen, Rundu

Die Pressesprecherin des kanadischen Gas- und Ölexplorationsunternehmens Reconnaissance Energy Africa (ReconAfrica), Mwanyengwa Ndapewoshali Shapwanale, hat der AZ einige Fragen beantwortet, nachdem sich die AZ in den im Nordosten Namibias gelegenen Kavango-Regionen ein Bild vor Ort verschafft und mit der Lokalbevölkerung unterhalten hatte.

Warum sich der Ort für die Anhörungen des Ständigen Parlamentarischen Ausschusses für Natürliche Ressourcen so oft und dann meist in letzter Minute gewechselt habe, beantwortet Shapwanale wie folgt: „ReconAfrica war nicht an der Logistik der Anhörungen einschließlich der Veranstaltungsorte beteiligt.“ Damit bestätigt sie die Ansicht des Projektleiter Mundu Kasera (AZ berichtete).

Vorsätzliche Verschiebungen

Die Vorsitzende des Ncaute Community Forest, Kudumo Elizabeth, hatte sich klar zu den wiederholten Standortsverschiebungen geäußert: „Das war doch alles Quatsch. Die (der Ausschuss) haben doch jedes Mal den Standort gewechselt und zwar in letzter Minute, weil sie uns gar nicht dabeihaben wollten. Sie wissen ganz genau, wie schwierig sich die Anfahrt gestaltet und trotzdem wurde immer wieder im letzten Moment der Standort oder sogar der Tag geändert. Ich habe das Interesse an dieser Farce verloren, als man in letzter Minute auch den Standort für unsere Versammlung im Sambyu-Stammgebiet verschob“. Die Ortschaft Ncaute, in derer unmittelbarer Umgebung bei Kawe gebohrt worden war, gehört zum Gebiet der Sambyu. „Im Falle der Mbunza hat man diese Gespräche nur mit dem Fumu (Stammeskönig, auch als Hompa bekannt) abgehalten, da durfte gar sich kein Beteiligter äußern.

Den Uukwangali-Stamm findet man westlich der Regionalzentrums Rundu, rüber nach Nkurenkuru und angrenzend an das Ovamboland, während sich die Mbunza auch in diesen Regionen niedergelassen haben, allerdings näher an der Ortschaft Rundu und Umgebung. Die Sambyu bewohnen die südlich sowie östlich von Rundu gelegenen Gebiete und die Gciriku bewohnen die noch weiter östlich gelegenen Gebiete auf der Höhe des Khaudum-Nationalparks bis nahe Divundu. Hier macht sich der Übergang zu den Mbukushu bemerkbar, die das Gebiet nördlich des Okavango-Flussdeltas an beiden Seiten des Flusses in der Sambesi-Region (ehemaliger Caprivi-Zipfel) bewohnen.

ReconAfricas gute Vorsätze

Auf die Behauptung eingehend, dass ReconAfrica versucht habe Mitglieder von zwei Hegegebietsverwaltungen zu bestechen, erklärte Shapwanale: „Wir arbeiten mit unseren wichtigsten Interessenträgern zusammen, einschließlich der Hegegebiete. Wir führen die vorgeschriebenen Konsultationen durch, stehen aber in ständigem Dialog mit Interessenträgern. Während dieses Engagements werden Fragen und Antworten durchgenommen und dabei äußern sich die Beteiligten öfter über ihre sozioökonomischen Umstände. Wir nehmen solche Beiträge zur Kenntnis.“ Sie ging allerdings nicht darauf ein, warum man die Hilfe angeboten hatte unter der Bedingung, dass alle Beschwerden fallengelassen werden.

ReconAfrica habe indessen an keiner der öffentlichen Anhörungen teilgenommen, außer jener, zu der sie vorgeladen worden war. Man habe dem Ausschuss das Projekt vorgestellt und Fragen beantwortet. Dies entspricht allerdings nicht den Behauptungen einiger AZ-Informationszuträger.

Ungültige Landvergabe

Thomas Muronga vom George-Mukoya-Hegegebiet erkennt ganz andere Herausforderungen: „Die Politiker in Windhoek nehmen gar nicht unsere Kultur zur Kenntnis (die Kavango-Bevölkerung folgt einer matrilinealen Gesellschaftsstruktur). Sie entscheiden über unsere Zukunft und haben ihren eigenen Gewinn im Sinn. Somit verstehen sie nicht, dass ein ‚Headman‘ gar nicht dazu berechtigt ist, Land zu vergeben. Das darf allein unser Stammesoberhaupt (Chief). Und selbst dieses Oberhaupt vergibt Land nur nach einer Beratung mit den Stammesältesten. Alle bisherigen Landvergaben an ReconAfrica sind ungültig!“

„Und selbst wenn dieser oberste Rat die Landvergabe gutheißt, hätten wir als Heger der Kommunalwälder das letzte Wort haben müssen, gemäß des Umweltgesetzes aus dem Jahre 2009 und dem aktuellen Forstgesetz“, fügte Max Muyemburuko, der Vorsitzende der Kavango East and West Regional Community Conservation & Forestry Associations (KEWRCCFA) hinzu.

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