25 November 2005 | Kultur & Unterhaltung

Kaumbi gesteht Fehler ein

Der Produzent des Sam Nujoma-Films "Where Others Wavered", Uazuva Kaumbi, räumt im Interview mit der Allgemeinen Zeitung zahlreiche Versäumnisse ein. Trotz alledem könnten sich die Zuschauer auf ein spannendes Hollywood-Spektakel freuen.

Vor vier Jahren, als die Idee aufgekommen sei, aus Nujomas Biografie einen Film zu machen, habe die Regierung zugesichert, für dieses Projekt eine Summe von 15 Millionen N$ zur Verfügung zu stellen. "Offensichtlich war das eine komplette Fehlkalkulation", bekennt Kaumbi. Spätestens, als man so bekannte Schauspieler wie Danny Glover (Father Elias) und Carl Lumbly (Sam Nujoma ab 27 Jahren) für das Projekt gewinnen konnte, sei klar gewesen, dass dieses Budget nie und nimmer ausreichen würde. Zu den 15 Millionen seien in diesem Jahr schließlich weitere 50 dazu gekommen - insgesamt habe der Staat bisher also 65 Millionen investiert. "Das Problem ist nur, dass wir nicht genau wissen, wie viel wir davon schon ausgegeben haben und wohin genau dieses Geld geflossen ist." Die anfallenden Kosten seien nämlich nicht nur von der Produktionsfirma PACON (Pan African Centre of Namibia) beglichen worden, sondern teilweise auch direkt von der Filmkommission. Diese habe wiederum ihre Mittel von der Regierung erhalten. "Es geht jetzt darum herauszufinden, über wie viel Geld die Filmkommission verfügen konnte und wie viel sie davon an uns weitergeleitet hat", sagt PACON-Geschäftsführer Kaumbi. Korruption hält er allerdings für ausgeschlossen. "Wie zweifeln kein bisschen daran, dass alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Wir würden nur endlich gerne einen Überblick bekommen. Darüber hinaus verstehe ich natürlich, dass die Menschen wissen möchten, was mit all ihren Dollars passiert ist." Die Filmkommission bezieht ihr Budget aus Steuergeldern.

Hätte er die Chance, noch mal ganz von vorne zu beginnen, würde er einen sachkundigen Finanzexperten anheuern, der sich ausschließlich um die Bilanzen kümmert. "Bisher haben wir unsere Ausgaben nicht wirklich kontrollieren können. Wir werden das jetzt aber in den Griff bekommen", meint Kaumbi.

Wie viel Geld die Regierung bis zur Fertigstellung noch zuschießen muss, konnte er nicht sagen. "Wir wissen ja nicht genau, welche offenen Rechnungen noch zu begleichen sind. Außerdem ist die Produktion ja noch nicht abgeschlossen."

Der Film wird momentan in den USA geschnitten. Im Dezember wollen sich die Hauptbeteiligten, darunter auch der Regisseur Charles Burnett, in Windhoek treffen, um letzte Details zu besprechen. "Wir hoffen natürlich, dass er bis dahin so gut wie fertig ist - zumindest eine erste Version." Kleinigkeiten könnten dann noch geändert werden. "Hoffentlich müssen wir keine Szenen nachdrehen. An die Kosten mag ich da gar nicht denken."

Trotz der noch ausstehenden Arbeiten ist Kaumbi zuversichtlich, dass der geplante Erscheinungstermin, der 21. März 2006, eingehalten werden kann. "Für die Premiere planen wir einen großen Gala-Abend. Auch wollen wir Staatsmänner aus anderen afrikanischen Ländern dazu einladen."

Anschließend soll der Sam Nujoma-Heldenepos im ganzen Land gezeigt werden. "Wir werden ?Where Others Wavered' in jedes namibische Dorf bringen", kündigt der Produzent an. Dafür soll der Streifen auch synchronisiert werden, und zwar in sämtliche namibische Sprachen. "Wir schätzen, dass wir für dafür pro Version etwa 300 000 Namibia-Dollar aufbringen müssen. Hier hoffen wir auf die Hilfe von Sponsoren."

Im Folgenden will er den Film bei großen Festivals einreichen. "Wenn wir wie geplant im März fertig sind, können wir ihn nach Cannes schicken", sagt Kaumbi, der sich realistische Chancen auf eine "Goldene Palme" ausrechnet. Auch bei der Berlinale und in Toronto werde man sein Glück versuchen. "Wir planen Großes", kündigt der Produzent an, der keinen Zweifel daran hegt, dass "Where Others Wavered" auch international ein Kassenschlager wird.

Immerhin porträtiere der Streifen die Geschichte eines langen und blutigen Unabhängigkeitskampfes. "Wir verherrlichen nicht den bewaffneten Widerstand, wir zeigen aber gleichzeitig, dass die unterdrückten Schwarzen damals keine andere Wahl hatten." Die Frage, ob es seiner Meinung zu früh für Namibia gewesen sei, einen derartigen Film zu drehen, verneint er. "Auf diese Weise können wir der jüngeren Generation zeigen, wie die Gefechte in den Schützengräben tatsächlich ausgesehen haben." Kaumbi verspricht ein beeindruckendes Hollywood-Spektakel. Insbesondere die Kampfszenen wirkten sehr authentisch. "Am meisten beeindruckt haben mich die Bilder vom Kassinga-Massaker. Ich bin mir sicher, dass diese Szene vielen Menschen im Gedächtnis bleiben wird."

Auf Romantik müssten die Zuschauer ebenfalls nicht verzichten. Auch die Liebesbeziehung zwischen Sam Nujoma und seiner Frau habe Eingang in den Film gefunden. Sex-Szenen werde es aus Pietätsgründen allerdings nicht geben.

Alles in allem könne man doch zufrieden sein. "Wären wir in die Vereinigten Staaten gegangen, um den Film dort zu machen, hätten wir locker 100 bis 150 Millionen US-Dollar bezahlt." Nicht nur die Hauptdarsteller hätten eine viel höhere Gage verlangt. "Carl Lumbly wollte zwar viel, so viel aber nun auch wieder nicht", sagt er und schmunzelt.

Auch langfristig gesehen hätten sich die Investitionen gelohnt. "Ich bin mir sicher, dass durch die Produktion von ,Where Others Wavered' andere Filmemacher nach Namibia gelockt werden, die dann beispielsweise das Leben der Menschen heutzutage porträtieren." In dieser Beziehung gebe es viel Nachholbedarf. "Unser Film ist noch nicht das Beste vom Besten, aber wir werden Erfolg damit haben."

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