22 November 2018 | Natur & Umwelt

Katastrophale Forstwirtschaft

Umweltschaden noch nicht messbar – Wirtschaft leidet offensichtlich

Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass der kostbare Baumbestand in der Kavango-Region unkontrollierten Holzfällern zum Opfer fällt. Wenngleich Neusiedler dabei mehr Geld verdienen als aus der Landwirtschaft, ist der Raubbau nicht nachhaltig. Der Verdienst steht in keinem Verhältnis zum Wert des Holzes.

Von C. Sasman & F. Steffen

Windhoek

Das andauernde Holzfällen in den Regionen Kavango-West und Kavango-Ost wird anscheinend von der namibischen Regierung gutgeheißen und die chinesischen Holzfäller vertreten die Meinung, der Lokalbevölkerung einen Gefallen zu erweisen, indem sie ihren Waldbestand lichten und das Land für eine intensive Landwirtschaft vorbereiten.

Lokale Beobachter können diese Ansicht nicht nachvollziehen und erkennen einen unkontrollierten Raubbau, dem einheimische, hochwertige Bäume zum Opfer fallen. Eine Untersuchung vor Ort ergab dabei, dass sich seit Anfang November 2018 mindestens 161 Neusiedler um Permits bemüht haben, die ihnen erlauben, das ihnen auf 99 Jahre verpachtete Areal zu entwalden. Diesen Anträgen hat das Ministerium für Landwirtschaft, Wasserbau und Forstwirtschaft (MAWT) stattgegeben, wodurch hochgradiges Holz wie Teak, Kiat und Afrikanisches Rosenholz als angeblich „berechnete, zugelassene Masse“ abgeholzt wird.



Fragwürdige Anträge

Diese Berechnungen scheinen für viel Unmut zu sorgen, denn sie stammen von den Farmern, die aufgrund eigener Bestandsaufnahmen Anträge einreichen und diese von Forstbeamten bestätigt bekommen. Nach Empfang eines Permits wird die zugelassene Quote gleich vom Farmer an chinesische Holzfäller weitergereicht. Nachfragen zur Klärung aufgrund welcher Staatszugehörigkeit, Arbeitsgenehmigung oder sonstiger Erlaubnis die chinesischen Unternehmen ihre Tätigkeit in diesem Gebiet fortsetzen, bleiben indessen unbeantwortet.

Das MAWT-Büro in Rundu weiß von 130 Holzfäller-Permits, die jeweils das Schlagen von 600 Bäumen pro Sorte erlaubt. Diese Zahl habe sich über die Jahre als nachhaltig erwiesen, weshalb die Permits auch geschützte Baumarten einschließen würden. Ein Beamter des Nkurenkuru-Büros weiß von nur zwei Permits in der Kavango-Ost-Region. Die Permits sollten laut zuständigem MAWT-Personal nur für drei Monate gültig sein, doch berichten Augenzeugen von einem anhaltenden Kahlschlag, der sich mit einem nie dagewesenen Tempo fortsetzt.



Keine Einmischung

Im Jahre 2016 hatte das Ministerium für Landreform unter Minister Utoni Nujoma einigen Lokalfarmern Land zugeteilt, das sie jetzt für 99 Jahre mieten. Laut dem Staatsekretär des MAWT, Percy Misika, habe sein Ministerium kein Recht dem Farmer die Entwaldung zu verbieten. Demnach dürfen die Neusiedler das Land „entwickeln“, wozu das Aufrichten von Zäunen und das Schlagen von Bohrlöchern gehört, wonach sie ihre Viehherden dort ansiedeln dürften. „Diese Farmer sind die legalen Besitzer der Farmen und dürfen den Baumbestand abholzen, da kann sich das MAWT nicht einmischen“, meinte Misika und ging nicht auf das Argument ein, dass es sich hierbei um eine nationale Ressource handle.

Die Lokalfarmer kommen zu schnellem Geld, denn sie verdienen mehr an dem verkauften Holz als an der Landwirtschaft. Laut einem der Siedler beruht diese auf der Wirtschaftsflaute im Land und „wegen der Schließung des Meatco-Schlachthofes werden wir unsere Tiere nicht los“. Aber für die Bäume gebe es Interessenten vor Ort. Dies scheint die Beamten des Forstwirtschaftsbüros nicht zu beunruhigen und meinte einer der Beamten: „Wir dünnen nur die Bäume aus. Die natürliche Vegetation wird sich erholen, denn es sind überschaubare Zahlen.“



Schaden an der Wirtschaft

Erschreckend überschaubar bleibt indessen der wirtschaftliche Schaden. Der Staat verdient etwa 100 N$ an den verschiedenen Permits und der Farmer verdient zwischen 300 N$ und 450 N$ pro Baum. Dadurch verdient er zwischen 180000 N$ und 270000 N$ an 600 Baumstämmen. Das Holzfällerunternehmen transportiert das Holz nach Walvis Bay, wo das Holz an ein weiteres chinesisches Unternehmen verkauft wird – zu einem Preis von etwa 12000 N$ pro Kubikmeter. Die Holzfäller verdienen somit einen Umsatz von mehr als 3 Millionen N$ mit denselben 600 Bäumen. „Warum kümmert sich die Regierung nicht um eine solche Diskrepanz“, erregt sich ein lokaler Einwohner.

Farmer Fillipus Shikwambi, der auch als Lehrer an der Rundu-Primarstufe beschäftigt ist, erkennt indessen einen fairen Handel. Er habe seine Infrastruktur auf der Farm verbessern können und sei sein Land jetzt gesäubert, wodurch es urbar werde.



Durchmesser verschieden

Aus der Luft ist der angebliche Kahlschlag in der Tat nicht deutlich zu erkennen. Stellenweise ist das Land genau wie in der Vergangenheit abgebrannt worden, wenn Weideland vorbereitet wird. Auf den Straßen bekommt der Reisende ein deutlicheres Bild, denn am Straßenrand ist Holz abgelagert. Oft entspricht das Holz nicht den Minimumvorschriften. Während das Nkurenkuru-Büro einen Mindestdurchmesser von 55 cm verlangt, erlaubt das Rundu-Büro einen Durchmesser von 45 cm. Ein chinesischer Holzfäller bei Nkurenkuru, dessen Unternehmen Bäume entlang der Straße von Mpungu nach Okongo gefällt hat, behauptet dagegen, dass sogar 42 Zentimeter erlaubt seien.

Der Chinese gibt offen zu Afrikanisches Rosenholz an der Straße zu lagern, weil der Preis in China gesunken sei. Bisher sei 70 bis 80 Prozent der Produktion seines Sägewerks bei Nkurenkuru direkt nach China verschifft worden, der Rest ging nach Südafrika. Einwohner der Region sind darüber besorgt, dass die Bäume unvermindert abgeholzt werden obwohl der Preis in China drastisch gesunken sei. Somit sei der weiterhin entstehende Schaden vollkommen unnötig.



Bei Nacht und Nebel

Die Transporte des Holzes nach Walvis Bay finden indessen hauptsächlich in der Nacht statt und weder die Holzfäller noch die Transportunternehmen geben ihre Namen preis. Nachfragen werden im Gegenteil unhöflich abgewiesen. Beamte des Forstbüros gaben inzwischen zu, dass sie weder das Geld noch die Möglichkeit hätten eine geregelte Kontrolle auszuüben.

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