25 Juni 2019 | Meinung & Kommentare

Kampf gegen Windmühlen

Die von Petitionen begleiteten Demonstrationen gegen eine bedingte Freilassung mutmaßlicher Nashorn-Wilderer sind zwar eine verständliche Reaktion auf die drohende Ausrottung von Rhinozerossen in Namibia, werden an sich den weiteren Niedergang der Spezies jedoch kaum aufhalten.

Das hat damit zu tun, dass mutmaßliche Wilderer, wie die fünf derzeit in Outjo vor Gericht stehenden Angeklagten bestenfalls ein Symptom, nicht aber die Ursache für die prekäre Situation der an den Rand des Aussterbens gejagten Dickhäuter darstellen. Sie sind Handlanger ihnen meist unbekannter Hintermänner, die in deren Auftrag versuchen, sich für ein erbeutetes Rhinozeros-Horn eine schmale Gewinnbeteiligung zu verdienen. Wer glaubt, durch ihre Festnahme ein wichtiges Glied in der Schmugglerkette entfernt und internationale Syndikate damit gelähmt zu haben, unterschätzt, wie leicht sich nationale Erfüllungsgehilfen ausländischer Drahtzieher ersetzen lassen.

So fatalistisch es klingen mag: Wo ein Bedarf für Verbotenes besteht, werden sich Menschen finden, die diesen Bedarf gegen Bezahlung befriedigen. Das Gesetz von Angebot und Nachfrage kennt keine Moral, der mittellose Wilderer keine Skrupel, solange er in der Hoffnung handelt, mit einem erlegten Nashorn seine Familie eine Weile ernähren zu können.

Eine mögliche Haftstrafe schreckt dabei ebenso wenig ab wie verstärkte Patrouillen der Sicherheitskräfte in Nationalparks. Dafür ist hierzulande die Armut und mit ihr auch die Versuchung zu groß, sich mittels illegaler Nashornjagd zumindest vorübergehend die Existenz zu sichern. So sind die wie ein Kampf gegen Windmühlen anmutenden Demonstrationen gegen vermeintlich Beteiligte auch Ausdruck von Ohnmacht und Aktionismus. Denn wer den irrationalen Glauben an eine potenzsteigernde Wirkung von Nashornpulver im Ausland nicht bekämpfen kann, dessen Wut richtet sich stellvertretend gegen jene, die selbst nur als Werkzeug der Abnehmer instrumentalisiert werden.

Marc Springer

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