11 Oktober 2019 | Kultur & Unterhaltung

Indonesische Filmwoche in Windhoek

Einblick in eine fernöstliche Welt

Wenn die Rede von Indonesien ist, kommt den meisten zunächst die Insel Bali in den Sinn – das über 264 Millionen einwohnerstarke Land hat aber noch so viel mehr zu bieten. Dies bewies die indonesische Botschaft in Windhoek diese Woche wieder einmal mit der liebevoll vorbereiteten Filmwoche, welche nun zum fünften Mal ausgerichtet wurde.

Von Eva-Marie Born

Alle Interessierten waren eingeladen, sich im Franco-Namibian Cultural Center (FNCC) jeden Tag einen anderen indonesischen Spielfilm anzusehen und die fernöstliche Kultur besser kennenzulernen. Unterstützt wurde das Ereignis vom Tourismusverband „Wonderful Indonesia“ und dem indonesischen Bildungs- und Kultusministerium, welches die fünf gezeigten Filme zur Verfügung stellte. Ausgewählt wurden Filme, welche die verschiedenen Regionen des Landes sowie die vielfältigen Lebensmilieus der Indonesier abbilden.

Beim Eintreten in den Vorführungsraum im FNCC fällt einem zunächst das Buffet auf – es gibt „Bolu Kukus“ (gedämpften, indonesischen Biskuitkuchen) und frittierte Teigtaschen, gezuckerte Nüsse, Kaffee und Tee. Das exotischste allerdings sind kleine, pastellfarbene Teigkügelchen aus Reismehl, welche zusammen mit stark gesüßtem, heißen Ingwertee und Erdnüssen als „Wedang Ronde“ serviert werden. Traditionell an den seltenen kalten Tagen oder wenn es regnet zum Aufwärmen getrunken, ist dieses Getränk der perfekte Start, in eine andere Welt einzutauchen. Die Röcke und Kleider der Botschaftsmitarbeiter sind traditionell gehalten, im Stil sulawesischer Tracht – bunt kariert und liniert.

Filme mit Aktualitätsbezug

Nachdem der indonesische Botschafter Eddy Basuki und seine Frau, Madame Mala Basuki, jeden Gast persönlich begrüßt und Platz genommen haben, beginnt die Vorführung des ersten Films, „EMMA“. Das Drama, welches sich auf der Insel Sulawesi im Zentrum Indonesiens abspielt, basiert auf dem Leben der Mutter des aktuellen Vizepräsidenten Jusuf Kalla, Athira.

Das Thema des Films ist ein etwas schwieriges, es geht um Polygamie und die daraus resultierenden Herausforderungen für alle Beteiligten. Sehr gefühlvoll und ein wenig dramatisch wird das Portrait einer indonesischen Familie in den 1950er Jahren gezeichnet, nur fünf Jahre nach der Unabhängigkeit von den Niederlanden – mit hohem Aktualitätsbezug. Polygamie ist durch die große Bedeutung des muslimischen Glaubens im Land immer noch akzeptiert. Etwa 90 Prozent der Indonesier sind Muslime. Die Vielehe ist allerdings nicht mehr so weit verbreitet wie in den 1950er Jahren, in denen der gezeigte Film spielt. Diese Art der Ehe wird eher wenig öffentlich gelebt. Dennoch rief im Jahr 2008 eine Gruppe Frauen zu einem Protest gegen die nationale indonesische Gesetzgebung auf, welche Polygamie und polygame Ehen zulassen. Ein Verbot erwirkten sie nicht. Vor allem männliche Politiker zeigten sich wenig einsichtig, was die Abschaffung der Vielehe anging.

Ihre Multireligiosität macht die indonesische Gesellschaft aus. Es leben viele verschiedene Religionsgemeinschaften größtenteils friedlich zusammen, meist auf bestimmte Regionen des Landes aufgeteilt. Die meisten Anhänger haben in Indonesien der Islam, der Buddhismus, der Hinduismus, das Christentum und der Konfuzianismus. Insgesamt gibt es über 200 inoffizielle Religionen, eine vorgeschriebene Staatsreligion existiert nicht.

In „EMMA“ wird die Mutter als sehr in ihr häusliches Leben zurückgezogen dargestellt, für Kinder und Küche zuständig. Im Gegensatz zum Indonesien der 1950er Jahre sind die Frauen Indonesiens heutzutage nicht aber mehr nur darauf beschränkt, daheim zu sitzen. Sie nehmen selbstverständlich am Arbeits- und Gesellschaftsleben teil, verwirklichen eigene Träume und sind unabhängiger. Ob mit oder ohne Kopftuch. Diese Entwicklung geht natürlich mit einer höheren Bildung auch für Frauen einher, die dazu führt, dass sie bessere Berufe ausüben können. Deshalb herrscht natürlich auch ein größerer Konkurrenzkampf untereinander. Zu Hause bleibt nur, wer es sich leisten kann.

Filmabende bringen Menschen zusammen

Paulina Gupta, eine Mitarbeiterin der Botschaft erzählt, dass Indonesier liebend gerne zu sogenannten „Layar Tancaps“ – gleichzusetzen mit Filmabenden im Freien – gehen. „Layar“ bedeutet Leinwand und „Tancap“ so viel wie „in den Boden hauen“ (der Bildschirm muss im Boden befestigt werden). Die lokalen Behörden in Indonesien stellen ungefähr einmal im Monat, vor allem in ländlicheren Gegenden, einen Platz oder eine Wiese zur Verfügung, wo dann verschiedene, meist Filme aus indonesischer Produktion, gezeigt werden. Nachbarn, Freunde und Familie kommen zusammen, man sitzt auf Decken und wird an kleinen Essensständen mit lokalen Spezialitäten versorgt. Sehr beliebt sind in Indonesien Action- und Geisterfilme sowie Dramen. Einer der beliebtesten Schauspieler der indonesischen Filmbranche ist Iko Uwais. Er spielte unter anderem in Hollywoodproduktionen wie „Star Wars“ oder „Mile 22“ mit.

Die Indonesische Filmwoche im FNCC ist an solch eine Layar Tancap angelehnt. Es kommen Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen zusammen um gemeinsam zu essen und zu trinken. Man schaut zusammen einen Film an, lernt die indonesische Kultur besser kennen und vielleicht spielt der eine oder andere danach mit dem Gedanken, selbst einmal dorthin zu fliegen.

Am Freitag, den 11. Oktober 2019, wird ab 18.30 Uhr im FNCC der letzte Film der Reihe gezeigt: „12 Menit“.

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