16 Juli 2020 | Gesundheit

Im Kampf gegen Virus versagt

51 Corona-Patienten teilen sich eine Toilette und einen Wasserhahn

Die angeblich unzumutbaren Bedingungen bei Isolationseinrichtungen für COVID-19-Patienten an der zentralen Küste bringen Gesundheitsminister Kalumbi Shangula in Bedrängnis, dem ein Regionalpolitiker mit einem Misstrauensantrag droht. Indes wurden das erste COVID-19-Todesopfer beigesetzt und 96 Neuinfektionen gemeldet.

Von Erwin Leuschner

Swakopmund/Henties Bay/WBY

Gesundheitsminister Dr. Kalumbi Shangula soll im Kampf gegen das COVID-19-Virus in Walvis Bay nicht genügend unternommen haben. Dies wirft Knowledge Ipinge, Erongo-Regionalratsmitglied für den Wahlkreis Walvis Bay (Stadt), dem Minister vor, und droht, ein Misstrauensvotum gegen den Politiker einzureichen.

In einem an Minister Shangula gerichteten Schreiben wirft Ipinge diesem vor, zahlreiche Empfehlungen im Zusammenhang mit dem Kampf gegen COVID-19 ignoriert zu haben. Konkret nennt er als Beispiel das in Walvis Bay vom Militär errichtete Feldlazarett, in dem es „kein medizinisches Personal“ gebe. Shangula würde sich ferner nicht um COVID-19-Patienten kümmern, die sich in staatlichen Isolationseinrichtungen befänden. Patienten würden die Einrichtungen sogar auf Lebensmittelsuche verlassen, da sie keine angemessen Nahrung erhielten.

Diesen Vorwurf hat nun ein Betroffener bestätigt. „Ich war alles andere als zufrieden, als ich einen Patienten gesehen habe, der zum Mittagessen lediglich eine Handvoll Maisbrei und ein halbes Wienerwürstchen bekommen hat“, sagte ein COVID-19-Patient im Gespräch mit der Publikation Erongo. Der Mann möchte anonym bleiben und schilderte die angeblich unzumutbaren Zustände der Isolationseinrichtung beim Heim des Nationalen Jugenddienstes in Henties Bay.

„In meiner Abteilung gibt es nur drei Toiletten, wovon nur eine spülen kann“, sagte der Mann. Obwohl es mehrere Waschbecken gebe, würde lediglich eines davon über einen funktionsfähigen Wasserhahn verfügen, den sich sämtliche Patienten teilen müssten, die ihre Hände waschen wollten – warmes Wasser gebe es aber ebenso wenig wie Desinfektionsmittel. Der Mann drückte seine Bestürzung aus, da die Räumlichkeiten überfüllt und inakzeptabel seien. „Wir sind sehr viele Leute in der Einrichtung. In meiner Abteilung sind wir 51 Männer und die Betten stehen direkt nebeneinander“, sagte er.

Der Patient habe zuvor für eine Reinigungsfirma gearbeitet, die damit beauftragt gewesen sei, ein Krankenhaus an der Küste zu säubern. „Aus diesem Grunde weiß ich Einiges über Hygiene und was für Maßnahmen nötig sind, damit eine Gesundheitseinrichtung die Kriterien erfüllt“, sagte er. Und: „Obwohl wir aufgefordert wurden, unsere Hände mit warmem Wasser zu waschen, um das Virus zu bekämpfen, ist dies nicht möglich.“ Die Patienten hätten sich nun zusammengetan und beschlossen, die Einrichtung auf eigene Initiative regelmäßig zu reinigen, „weil niemand das sonst macht“.

Einige von den Patienten beschriebenen Zustände bezeichnete Erongo-Gouverneur Neville Andre indes als unwahr. „Ich werde dennoch mit meinen Kollegen sprechen und herausfinden, ob sie diesen Problemen nachgehen und sie lösen werden“, sagte er im Gespräch mit Erongo.

Derweil die Anzahl COVID-19-Fälle in Namibia gestern erneut deutlich gestiegen ist, wurde am Vortag der erste COVID-19-Todesfall beigesetzt. Der 45-Jährige sei bei Narraville in Walvis Bay im Beisein von Familie, Bekannten und Personal des Gesundheitsministeriums, der Armee und Ratsmitgliedern bestattet worden. Gouverneur Andre sagte dazu, dass strenge Vorschriften und Richtlinien von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei Beerdigungen im Zusammenhang mit COVID-19 durchgesetzt würden.

Gesundheitsminister Shangula bestätigte gestern 96 neue COVID-19-Fälle und zwei Genesungen. 91 seien in Walvis Bay aufgetreten, jeweils zwei in Karasburg und Keetmanshoop sowie ein Fall in Windhoek. Alle seien in einem stabilen Zustand. Die Anzahl aktiver Fälle liege bei 927.

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