09 Juli 2020 | Glosse

Im Hohen Haus zwischen Schimpf und Dekorum

Es gibt noch Hoffnung in der Corona-Zeit, die aus den Fugen geraten will. Zum Beispiel im Tintenpalast regt sich eine Frauenstimme in der parternalistisch geprägten Gesellschaft der Nationalversammlung. In den vergangenen Wochen ham sich - diesmal Oppositionelle - rüpelhaft gegenüber Omupräsidente III, !Gôahesab Hage Gottfried Geingob benommen. Und danach wollten sich Oppositionelle und Swapo-Abgeordnete an die Kehle, mit und ohne Maulbinde. Die Beschwerde des Einen hieß, der Andere habe ihn nich nur beleidigt, sondern ohne Gesichtsmaske bei der Beleidigung auch noch feucht besprüht und das in einer Zeit, wo jeglicher Atem im öffentlichen Raum nich nur wegen üblen Mundgeruchs sondern vor allem wegen der Corona-Gefahr durch Maul-Lappies gefiltert werden soll.

Longinus Ipumbu von den namibischen Rotkäppchen, den Economic Freedom Fighters (NEFF), in Südafrika abgeguckt, hat sich prompt mit dem Swapo-Hinterbänkler Natangwe Ithete angelegt, so dass sie per Hand getrennt werden mussten. Der Landless-Peoples-Mann (LPM) Bernadus Swartbooi hat bei anderer Gelegenheit im Hohen Haus seine Jacke ausgezogen und wollte seinem Kontrahenten im Plenarsaal nich nur verbal auf den Pelz rücken, sondern draußen vor der Tür wollte er mit ihm abrechnen. Hinzu kommt, dass !Gôahesab Swartbooi und sein Parteigenosse Seibeb den Gründungsvater der Nation, Omupräsidente I, Osema Shafiishuna Nujoma, in der Nationalversammlung lauthals beschimpft ham, ohn dass dieser sich wehren konnte, denn er genießt den Status des Elder Statesman und braucht sich nich mehr in den trivialen Tagesablauf einzumischen. Allerdings werden nachfolgende Generationen Omupräsidente I im Rahmen seiner Handlung und seiner Unterlassungen später noch anders beurteilen als politische Korrektheit es heute tut, da er noch als unantastbar gilt. Anpöbelei in seiner Anwesenheit gehört allerdings nich zur ernsten Aufarbeitung. Aber das is ´ne andre Story.

Speaker Peter Katjavivi hat sowahr seine liebe Not mit den Rowdy-Elementen in der Versammlung und muss inzwischen mit Rauswurf und Saalverbot drohen. Und da eilt ihm unvermittelt die neue Justizministerin zuhilfe, Madam Ivonne Dausab, die sich schon in der Kommission für Gesetzesreform einen Namen gemacht hat. Sie hat sich bisher in Gremien öffentlicher Anhörung durch gründliche Sachkenntnis ausgezeichnet. Und nun gibt sie den unflätigen Mannsbildern Kontra, dass sogar die Enn-Bie-ßie sie gern zitiert. Sie gehört zu den acht Delegierten, die der Präsident laut Verfassung ohne Wahlvorgang in die Nationalversammlung berufen kann, die aber dort kein Stimmrecht ausüben können. Und auf der Internet-Plattform Twitter hat sie ihre Meinung über die Macho-Haltung einiger ihrer Parlamentskollegen deutlich zum Ausdruck gebracht und macht damit dem kritischen Beobachter wieder etwas Hoffnung, dass das Haus der Gesetzgeber sich biekie zum angemessenen Niveau zurückfindet:

,,Wenn die Nationalversammlung zum Gemenge mit unseren Frauen verkommt, dann haben wir ein Problem. Namibier, das müsst Ihr wissen! Schützt das parlamentarische Dekorum. Es ist eine Schande.“

Hoffnungszeichen in der Corona-Starre.

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