25 August 2016 | Glosse

Im heroischen Monat August zwischen Staub und Pathos

Der Monat August stellt sich zuverlässig mit Sandwind und Staub-Bö ein, dass Du die Uhr danach stellen kannst, und der Dornbusch treibt hier und da schon Kätzchen. Die Luft wird in den ersten Hitzewellen milchig. Die Differenz zwischen der Tages- und Nachttemperatur steigt jetzt bis in die zwanziger Grad Celsius hinein. Bei soviel Normalität willste dabei muhts von der Annahme ausgehen, dass am Ende wieder ´ne halbwegs normale Regenzeit rauskommt. Schon allein wegen der Dornkätzchen, die in der Zuversicht ausschlagen, dass der Regen eines Tages toch wieder kommt. Jeder Tag der Dürre bringt uns den Regen näher, sagen die Optimisten, deren Glas stets halbvoll is.
Der August is der Monat des Heros, des Helden. Und diese Gestalten sind mos wüst vergänglich. Dem einen s´n Held is dem Andern sein Terrorist. Dem Enen sin Uhl is dem Andern sin Nachtigall, so ham wir schon verschiedentlich versucht hier zu schreiben. Und dann geht die Zeit über die Helden des Tages hinweg, und sie verblassen in den Zeitläuften. Außer wenn sie noch eine Weile in Stein gehauen oder in Bronze gegossen auf dem Sockel stehen. Und auch dann kann´s passieren, dass kleine Geister von ihnen eingeschüchtert werden, wie es mit dem Südwester Reiter geschehen is. Kleine Geister sind in der Anonymität und im Brei des Kollektivs wüst stark, anson­sten aber nich ernst zu nehmen.
Bei Heldengedenken und anderen patriotischen Feiern wird die Sprache in den Pflichtkonzepten und Reden wüst strapaziert, um das Heldentum zu feiern, zu definieren und zu bewundern. In der klassischen Gestalt is der Held ein durch Tapferkeit hervorragender Krieger, ein außergewöhnlicher Mensch, der durch seine Taten und sein Schicksal aus der Menge herausragt, lautet die Definition des Großen Brockhaus, der als Enzyklopädie im Hause Namibia übrigens unbedingt seinen Platz behaupten muss gegenüber dem seichten Geträufel des Internets.
Zurück zum Helden, denn hier wird es nochmal interessant: Ganze Epochen sind mit Heldensagen und Halbgöttern ausgestattet, wobei sich die letzteren in den griechischen Gefilden gar nich so heldisch aufgeführt ham, sondern sich eher wie intrigante Lebemänner den Genüssen des irdischen Lebens hingegeben ham. Unweigerlich ham die dann auch Menschen mit hineingerissen. Bei uns kursieren das Nibelungenlied und die Wikingersagen. Dazu Prinz Eisenherz mit „hoher Schätzung des Manneswertes, Großgesinntheit mit der Neigung zum Großsprechen gepaart mit Gefühlskargheit“. Auf dieser Spur der Macho-Gefühlsarmut erreichen wir sodann die Western-Helden, die von der Hüfte ziehen, über die Leichen mehrerer Bösewichter und Widersacher steigen, um am Ende in Gelassenheit einen Triumph zu feiern, möglichst mit unveränderter, ungerührter Miene mit Stoppeln im gehärteten Gesicht.
Heroische Augusttage verlangen viel Pathos und Rhetorik, wobei es nich auf historische Genauigkeiten ankommt, solange die bombastische Tonlage stimmt. Denn hinterher kräht kaum noch ein Hahn danach, außer wenn sich ein Skandal ereignet haben sollte. Bei soviel Heldentum isses unbedingt eine Erlösung, dass der spanische Dichter Cervantes uns den Don Quixote samt Sancho Panza geliefert hat, um uns wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzubringen. In deren Gesellschaft lassen sich die heldischen Tage des August zwischen Staub und Sandwind recht ordentlich ertragen.

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