27 September 2018 | Meinung

Im Frühling verarbeitet die Journaille Angriffe noch besser

Nach der Blüten- und Dornkätzchenexplosion seit Ende August in den September hinein steht der Oktober ins Haus. Vor dem Monat ham die Leut mos stief Angst wegen Heuschnupfen, Selbstmordgefahr und Blinddarmreiz. Die Klischees der Jahreszeit wollen aber nich so ganz stimmen, weil der Freitod im

Lande der Bravourösen mos das ganze Jahr über in jedem Monat stark beansprucht wird. Viele Leut warten einfach nich auf den

Sensenmann.

Aber mit steigendem Quecksilber zum Jahresende hin scheinen sich auch die Gemüter zu erhitzen, nich nur wegen der bevorstehenden Landkonferenz, sondern auch wegen Bagatellen am Rande. Wie da sind und wie da wären: des Speakers Rüge und Drohung an Schreiberlinge und Radio/TV-Fritzen, dass er se aus´m Parlament aussperren will, sollten se sich nich bessern. Diese Hoffnung nimmt sich aus wie ´n Schneeball in der Hölle oder wie wors in die hondehok, wie die Wahrscheinlichkeitsrechnung, bzw. Unmöglichkeitsthese in der lingua franca ausgedrückt wird.

Die Leut am Wendekreis des Steinbocks werden´s vergangene und Anfang dieser Woche schon aus einigen Medien erfahren haben. Omutengwa Speaker Peter Katjavivi nimmt seine Parlamentarier in Schutz, die ihn schon häufig ohne Quorum ham sitzen lassen, wodurch er die Abstimmung über Gesetzesvorlagen mehrfach vertagen muss. Deine und meine Volksvertreter, die auch aus Deiner und meiner Tasche fette Diäten erhalten, selbst wenn se Parlamentssitzungen schwänzen, beanspruchen vor Deinen und meinen Augen – wenn se dann toch in der Nationalversammlung sitzen – besondere Immunität. Immunität nämlich vor den Kameralinsen der Journaille, die auf der Pressegalerie sitzt und lugt und lauscht. Genau darauf pocht Omutengwa Speaker Katjavivi unter Androhung der Pressesperre, sollten sich die Schreiberlinge nich an seine Anordnung aus dem Hohen Haus halten.

Das Gebaren, das makelhafte Benimm-Dich-Betragen vieler Abgeordneter, die uns, das Volk, dort vertreten, is schon öfter auf Zeitungspapier breitgetreten worden. Wie se Zeitung lesen oder manchmal gar dösen und schlummern, derweil se in Wirklichkeit Gesetzesvorlagen verfeinern, Staatsausgaben rechtfertigen oder kritisieren sollten, also sich der Arbeit des Hauses widmen sollten. Und die Politiker sollten das Internet und die WiFi-Verbindung im Parlament nich missbrauchen, lautet ein warnendes Rundschreiben des Parlamentssekretariats an die Herrschaften, die sich auf Facebook, YouTube und Flirtbörsen tummeln, dort im Hohen Haus der Gesetzgeber. Und nun sind in den Zeitungen Bilder erschienen, wie ein Parlamentarier lekka auf seinem Ai-Pähd spielt, oder wie das Spielzeug sonst noch heißen mag. Er schaut sich gerade 'n hübsches Weibsen an.

Daraufhin is Omutengwa Speaker angetreten, seine Schäfchen vor der Bloßstellung in den Medien in Schutz zu nehmen. Schäihm toch! Er muss das wohl pflichtgemäß tun, obwohl er den Zeitungen eigentlich dankbar sein sollte,

die indirekt das Verwarnungsschreiben des eigenen Hauses an die internetverspielten Volksvertreter verstärken. Nun teilt Katjavivi nach zwei Seiten Hiebe aus, gegen die Schreiberlinge, was die nich auf sich sitzen lassen, und (intern, versteht sich) gegen seine Schäfchen. Jessaik, er sollte sich lieber am Frühling der Dornkätzchen freuen.

Was vielen Parlamentariern noch an Benimm-Dich fehlt, könnte hier bleddy stief Seiten füllen. Aber für heute reicht´s.

Gleiche Nachricht

 

Museen: Namibischer Eiertanz

vor 1 tag - 18 Januar 2019 | Meinung & Kommentare

Demnächst soll Hendrik Witboois Familienbibel und Peitsche an Namibia zurückgegeben werden. Überall machen sich Politiker, Kuratoren und Interessenträger Gedanken darüber, wie man in der modernen...

Die Macht des Irrglaubens

vor 2 tagen - 17 Januar 2019 | Meinung & Kommentare

Man kann sich einreden, dass die Lieblingsfußballmannschaft in diesem Jahr den Pokal holen wird. Dass der abendliche Kaffee einen noch mindestens zwei Stunden wachhalten wird,...

Pädagogisches Einerlei plus Kostenallüren

vor 2 tagen - 17 Januar 2019 | Meinung

Jesslaik, das is net nich zu fassen! Omushamane Comräd David Namwandi, der vor wenigen Jahren in seiner Eigenschaft als Bildungsminister feurig die Abschaffung der Schulentwicklungsfonds...

Der Schlüssel: Zusammenhalt

vor 3 tagen - 16 Januar 2019 | Meinung & Kommentare

Eine Kriminalitätswelle hat in der vergangenen Woche Omaruru überrumpelt. Gleich vier Raubüberfälle hat es binnen fünf Tagen gegeben. Für die Ortschaft, die auch als Künstlerort...

Soldaten sind hier fehl am Platz

vor 4 tagen - 15 Januar 2019 | Meinung & Kommentare

Die heute endende Operation Hornkranz ist hinsichtlich des Einsatzes namibischer Streitkräfte äußerst fraglich. Denn während Polizisten für den Umgang mit der zivilen Bevölkerung geschult werden,...

In Namibia unterschätzte Gefahr

vor 5 tagen - 14 Januar 2019 | Meinung & Kommentare

Die im Bezirk Vhembe in der Limpopo-Provinz ausgebrochene und hochansteckende Maul- und Klauenseuche (MKS) macht nicht nur Südafrika als Exportland schwer zu schaffen, sondern kann...

Vom Sterben auf unseren Straßen

1 woche her - 11 Januar 2019 | Meinung & Kommentare

Einen soeben verunfallten Menschen zu sehen, der um die letzten Atemzüge seines Lebens ringt, ist kein schöner Anblick. Rettungssanitäter dabei beobachten zu müssen, wie sie...

Wie´s war, wie´s wird, wie´s sein müsste

1 woche her - 11 Januar 2019 | Meinung

Ganz klar ham wir stief Sorgen, Ängste und sommer so Erwartungen auf Besseres aus dem alten Jahr ins Neue mitgenommen. Aber wir sind mos schon...

Nichts mit Verschwörung zu tun

1 woche her - 10 Januar 2019 | Meinung & Kommentare

Die Kontroverse rund um die Umwelt- und Gesundheitsbedenken bei gentechnisch modifizierten Organismen (GMO) ist nicht neu. Dem jüngsten Aufflammen der Debatte in Namibia – samt...

Bringen die Wahlen die Rettung?

1 woche her - 09 Januar 2019 | Meinung & Kommentare

Gerade Mal eine gute Woche alt ist das neue Jahr, da sind schon drei Raubüberfälle in Swakopmund vermeldet worden. Beim ersten Fall wurde eine Frau...