02 April 2019 | Meinung & Kommentare

Im eigenen Saft schmoren

Dass Namibier deutscher Abstammung sich in ihrer Denkart an Vorgaben halten sollten, die von Politikern, Kirchenfürsten sowie Historikern in und aus Deutschland für korrekt und opportun gehalten werden, ist nichts Neues. Seit geraumer Zeit verlangt der oberlehrerhafte bundesdeutsche Drohfinger aus dem Lager, Namibier deutscher Sprache sollten sich unter dem Genozid-Dogma gleichschalten lassen. Ebenso fordern es etliche Akademiker und Juristen ein, die vor einer Woche zum Genozid-Symposium in Windhoek angereist waren, das sie federführend einberufen hatten.

Belehrung aus Deutschland hat einen langen Hergang. In den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts kamen ähnliche Dogmatiker aus dem Dritten Reich, die die damaligen Südwester unter dem Führerprinzip und der NS-Ideologie in einen Kral treiben wollten. Wie Albert Voigts hat es noch andere prominente Südwester gegeben, die sich davon distanzierten. In den 60-iger und 70-iger Jahren kamen Vorwürfe von Geistlichen und anderen aus Deutschland, dass Namibier deutscher Abstammung sich nicht oder nicht deutlich genug gegen das Apartheidsregime stemmten, wie selbige Sprachgruppe es jedoch durch die Interessengemeinschaft Deutschsprachiger Südwester (IG), durch Unterstützung der DTA und vereinzelt durch Mitgliedschaft in der Swapo demonstrierte.

Jetzt stellt ein Großteil der Namibier deutscher Abstammung für das dogmatische Genozid-Lager eine Irritation dar. Die Erklärung ist einfach und wurde bei dem kürzlichen Symposium erneut deutlich: Genozid-Dogmatiker begründen ihre Position selektiv und in chronischer Myopie einseitig auf Quellen wie das Britische Blaubuch und Geschichtsschreibung aus der DDR. So schmoren sie im eigenen Saft postfaktischer Süffisanz. Daher können sie weder ein integriertes, auf vergleichendem Quellenstudium beruhendes, Geschichtsbild dulden noch selbst anstreben. Empfohlen: kritisches Quellenstudium, nicht nachplappern.

Eberhard Hofmann

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