14 Juni 2019 | Polizei & Gericht

„Ich war es nicht“

Mutmaßlicher NIMT-Mörder streitet Doppelmorde ab

Der mutmaßliche Mörder Ernst Lichtenstrasser, der den NIMT-Geschäftsführer Eckhart Mueller und dessen Vize Heimo Hellwig im April im Hinrichtungsstil vor der Ausbildungsstätte in Arandis erschossen haben soll, hat gestern am Magistratsgericht in Swakopmund vehement auf seine Unschuld gepocht: „Ich war es nicht.“

Von Erwin Leuschner, Swakopmund/Arandis

Unter schwerer Polizeibewachung durch Mitglieder der Sondereinheit „Special Reserve Force“ wurde Ernst Joseph Lichtenstrasser (58) gestern dem Magistratsgericht in Swakopmund vorgeführt. Dort hat die Kautionsverhandlung des 58-jährigen, gebürtigen Österreichers begonnen, der sich wegen des angeblichen Doppelmordes am Geschäftsführer des Instituts für Minenkunde und Technologie (NIMT), Eckhart Mueller und seinem Vize, Heimo Hellwig, verantworten muss.

Obwohl Lichtenstrasser vor Gericht seine Unschuld beteuerte, bestätigte er, dass er die Mordtat bereits in einem Geständnis zugegeben hatte. Dies habe er allerdings nur getan, weil die Polizei ihm nach intensiver Befragung mit der Verhaftung seiner Frau gedroht habe. „Ich wollte meine Frau beschützen und habe daher den Mord gestanden“, sagte er aus. Er habe dabei aber „die ihm von der Polizei vorgetragene Darstellung wiederholt“.

Während der Kautionsverhandlung war Lichtenstrasser persönlich in den Zeugenstand getreten, nachdem die Staatsanwältin, Antonia Verhoef, insgesamt fünf Gründe vorgebracht hatte, warum Lichtenstrasser weiterhin in Untersuchungshaft verbleiben soll. Unter anderem bestehe im Falle einer Kautionsgewährung eine akute Fluchtgefahr seitens des Angeklagten und sei es ferner nicht im Interesse der Öffentlichkeit, dem Angeklagten eine Kaution zu gewähren. „Die Vorwürfe gegen den Angeklagten sind schwerwiegend“, sagte Verhoef.

Das Gegenteil will Lichtenstrassers Anwalt Trevor Brockerhoff beweisen, weshalb Lichtenstrasser mehrere Stunden lang im Zeugenstand vernommen wurde. Dabei sagte der Angeklagte aus, dass er vor der Unabhängigkeit nach Namibia ausgewandert sei. Er sei mit dem damaligen Apartheitssystem nicht einverstanden gewesen und darum zum „Freiheitskämpfer“ der SWAPO geworden, wodurch er aktuell einen Veteranenstatus genieße. Darüber hinaus habe er erfolgreich eine Ausbildung beim Berufsausbildungsinstitut in Stetten, Österreich, absolviert und sei „gut zehn Jahre“ selbst als Lehrer an der NIMT-Außenstelle in Tsumeb tätig.

Im Zeugenstand verwies er wiederholt auf seine Zeit als PLAN-Kämpfer, allerdings habe er nie an einem Gefecht teilgenommen, sondern habe vielmehr „Information gesammelt“, um dadurch den „Untergang des Apartheitsregimes zu erwirken“. Sein Status als Veteran habe allerdings zu internen Querelen unter den NIMT-Arbeitern beigetragen, da viele der Angestellten „ehemalige SWATF-Kämpfer“ (dem territorialen Militär vor der Unabhängigkeit Namibias) gewesen seien. Lichtenstrasser gab an, dass er Teil einer „besorgten NIMT-Gruppe“ gewesen sei, die das Management und Muellers Führungsstil in Frage gestellt hätten. Aber nicht nur er habe einen „Zwist“ mit Mueller gehabt, sondern alle Mitglieder der besagten Gruppe.

Wenngleich er die Vorwürfe von sich wies, gab er zu, sich an dem besagten Tag, dem 15. April 2019, unweit von Arandis „in der Wüste aufgehalten“ zu haben. Dies begründete er mit der Tatsache, dass er sich am Sonntag zuvor (14. April), mit seiner Frau in Tsumeb gestritten habe. „Ich sagte ihr, ich fahr zu Jason“, sagte er mit Verweis auf einen NIMT-Arbeiter, der in Swakopmund wohnhaft ist. Er habe wie immer seine Pistole des Kalibers .38-Special und die dazugehörende Munition aus dem Tresor genommen und sei Richtung Süden abgefahren.

Wegen Schulterschmerzen habe er unterwegs starke Schmerztabletten zu sich genommen und zwischen Usakos und Arandis „aufgrund einkehrender Müdigkeit und Verwirrung“ angehalten um am Straßenrand zu schlafen. „Ich bin am Montagmorgen (dem Tag der Morde) verwirrt aufgewacht und bin aus Sicherheitsgründen ein Stück weiter in die Wüste gefahren, wo ich erneut eingeschlafen bin“, erklärte er. Am Dienstag habe er dann beschlossen, zurück nach Tsumeb zu fahren. Während der Fahrt habe er im Radio von den Morden gehört und sei am gleichen Tag in Karibib festgenommen worden.

Die Verhandlung wird heute fortgesetzt.

Gleiche Nachricht

 

Mit Messern und Machete: Polizei meldet drei Morde

vor 9 stunden | Polizei & Gericht

Windhoek (cev) – Nach dem vergangenen Wochenende ermittelt die Polizei in drei getrennten Mordfällen, wie die Behörden in ihrem aktuellen Kriminalbericht mitteilen, der gestern in...

Deutsche auf offener Straße ausgeraubt

vor 9 stunden | Polizei & Gericht

Windhoek (cev) – Erneut haben Verbrecher am helllichten Tag zugeschlagen: Am Samstag sollen zwei mit Messern bewaffnete Männer drei Personen in Windhoek überfallen und ausgeraubt...

Pangolin-Schmuggler festgenommen

vor 9 stunden | Polizei & Gericht

Windhoek/Okahandja (nic) – Zwei Männer wurden am Samstag festgenommen, nachdem sie in der Nähe eines Supermarkts in Okahandja mit einem Panolin-Panzer entdeckt worden waren. Dies...

Beim Brunnen ausheben lebendig begraben

vor 9 stunden | Polizei & Gericht

Windhoek/Okatope (cev) – Zwei Männer sind am Wochenende umgekommen, als sie gerade dabei waren, einen Brunnen auszuheben, um nach Wasser zu suchen – sie wurden...

NIMT-Fall nimmt Wendung

vor 1 tag - 17 Juni 2019 | Polizei & Gericht

Von Erwin Leuschner, SwakopmundLichtenstrasser gab sich bei der Fortsetzung des Verfahrens am Freitag über die zahlreichen Indizien „überrascht“ die die Staatsanwaltschaft im Rahmen seiner Kautionsverhandlung...

Mörder erhalten lebenslänglich

vor 1 tag - 17 Juni 2019 | Polizei & Gericht

Windhoek (ms) – Das Obergericht hat erneut eine lebenslange Haftstrafe verhängt, diesmal gegen die beiden Triebtäter Kinsley Dausab (46) und Michael Tsowaseb (44), die in...

Mutmaßliche Möller-Mörder bleiben in Haft

vor 1 tag - 17 Juni 2019 | Polizei & Gericht

Windhoek (ms) – Die fünf mutmaßlichen Mörder des 50-jährigen Hans-Jörg Möller werden vermutlich alle bis zum Abschluss ihres Verfahrens in Untersuchungshaft bleiben, nachdem zwei von...

Soldat nach fatalen Schüssen angeklagt

vor 1 tag - 17 Juni 2019 | Polizei & Gericht

Von Marc Springer, WindhoekDem Angeklagten Gerson Nakale (38) wurde am Freitag am Regionalgericht in Katutura auf Antrag von Staatsanwältin Hertha Upindi von Magistratsrichter Johannes Shuuveni...

„Ich war es nicht“

vor 4 tagen - 14 Juni 2019 | Polizei & Gericht

Von Erwin Leuschner, Swakopmund/Arandis Unter schwerer Polizeibewachung durch Mitglieder der Sondereinheit „Special Reserve Force“ wurde Ernst Joseph Lichtenstrasser (58) gestern dem Magistratsgericht in Swakopmund vorgeführt....

Erfolg für Anklage

vor 4 tagen - 14 Juni 2019 | Polizei & Gericht

Von Marc Springer, WindhoekDer juristische Sieg ergibt sich aus einem am Mittwoch ergangenen Urteil, durch das ein früherer Befund von Richter Shafimana Ueitele korrigiert wird....