20 Mai 2011 | Sport

"Ich fühle mich zuerst als Namibier, dann erst als Belgier."

AZ: Ende Oktober letzten Jahres bist du als namibischer Nationaltrainer zurückgetreten, wenig später konntest du die freie Stelle als Simbabwes Nationalcoach nicht antreten. Was hast du seitdem gemacht?
Tom: "Seit Simbabwe hatte ich Angebote von verschiedenen Vereinen, sogar als Nationalcoach der Malediven. Ich habe mich letztlich für Jordanien entschieden und habe da einen Verein trainiert - Shabab Al-Ordon, eine Top-Mannschaft. Wir haben erfolgreich gespielt, allerdings habe ich mich dort nicht ganz zuhause gefühlt und meinen Vertrag deshalb zum Ende der Saison aufgelöst. Da habe ich mich auch entschieden, dass ich mich im Moment eher auf Trainerjobs bei Nationalmannschaften konzentriere."
AZ: Warum?
Tom: "Diese Arbeit hat mir bis jetzt sehr gut gefallen. Ich habe sehr gute Ergebnisse mit Namibia geholt, ich hatte eine sehr tolle Zeit hier und spüre auch für mich selber, dass ich als Nationaltrainer viele Optionen, viel Potenzial habe, um Karriere zu machen."
AZ: Gibt es ein Kriterium, das bestimmte Mannschaften für dich als Trainer besonders interessant macht?
Tom: "Natürlich will ich als Trainer immer das Maximale. Wenn ich morgen Deutschland, Nigeria oder Argentinien trainieren kann, würde ich das sofort machen, aber das ist im Moment nicht reell. Reell sind derzeit Länder, die in der vergangenen Zeit ihre Trainer entlassen haben. Ich sehe in vielen Ländern Potenzial, ich weiß, dass ich Dinge zum Positiven hin verändern kann. Natürlich will ich immer ein Land trainieren, in dem ich die größten Chancen habe, an einem Turnier teilzunehmen."
AZ: Wenn du einen neuen Job anfängst: Hast du eine bestimmte Auffassung von Fußball, eine Philosophie?
Tom: "Ich denke, dass die Leute in Namibia wissen, für welchen Fußball Tom Saintfiet steht: Ich bin ein Trainer, der ergebnisorientiert ist. Ich bin vielleicht weniger der Guardiola, mehr der Mourinho, wenn auch nicht von meiner Persönlichkeit her. Ich will gewinnen, ich will Ergebnisse holen, das Ergebnis hat Priorität."
AZ: Was heißt das konkret?
Tom: "Man muss realistisch sein: Wenn man ein kleines Land trainiert, dann darf man nicht sagen: "Wir spielen mal schönen Fußball", denn dann verliert man 4:0 oder 5:0, man muss andere Qualitäten zeigen. Als Trainer muss man Organisationen auf und neben dem Platz schaffen: Disziplin ist mir wichtig. Ich bin sehr diszipliniert gegenüber mir selbst und erwarte dies auch von meinem Stab und meinen Spielern."
AZ: Wo siehst du deine Stärken?
Tom: "Ich glaube, ich kann ein Land mit limitiertem Potenzial besser machen, ich kann diese Länder auf ein höheres Niveau bringen. Ich hatte bisher immer gute Kontakte zu meinen Spielern und meinem Stab, nicht nur hier in Namibia. Übers Internet stehe ich immer noch mit vielen ehemaligen Spielern in Verbindung."
AZ: Was treibt dich bei deiner Arbeit an?
Tom: "Mein Traum ist es, einmal bei einer WM dabei zu sein, was ich auch für möglich halte. Viele Leute, die mich gut kennen, sagen ebenfalls, dass mir das möglich sein sollte."
AZ: Wenn man sich ansieht, wie lange du bei einzelnen Vereinen beschäftigt warst, kann man auf die Idee kommen, dass du ein eher rastloser Typ bist.
Tom: "Ich bin die Karriereleiter kontinuierlich Schritt für Schritt nach oben gegangen. Das ist der Grund für die vielen Wechsel, nicht, dass ich nicht die Ruhe hätte, irgendwo lange zu arbeiten. Im Fußball wird eher akzeptiert dass ein Trainer entlassen wird, als dass man akzeptiert, dass ein Trainer selbst weggeht."
AZ: Bereust du es, an manchen Orten nicht länger geblieben zu sein?
Tom: "Natürlich habe ich manchmal Fehlentscheidungen getroffen, wenn ich irgendwo zu früh gegangen bin. Aber die Leute haben das akzeptiert. Ich bin nicht Trainer, um Trainer zu sein, ich will das Maximale aus meiner Karriere holen. Dann muss man auch Leistung bringen, dann muss man hart arbeiten, dann muss man professionell sein. Ich kann nur nach oben gehen, wenn ich im aktuellen Job gute Leistungen bringe. Die Tatsache, dass es bis jetzt immer Schritt für Schritt nach oben ging, zeigt, dass ich wahrscheinlich gute Leistungen bringe."
AZ: Wie stellst du dich auf die jeweilige Kultur des Landes deiner Arbeitgeber ein?
Tom: "Das ist nicht einfach. Mein wichtigster Grundsatz ist, dass ich gerne mit lokalen Co-Trainern arbeite und dass ich - ich bin gelernter Psychologe - gerne mit Leuten rede. Ich lebe in den Ländern, in denen ich arbeite, um die Kultur zu verstehen, um zu wissen, wie die Leute denken, wie die Leute leben, wie die Leute Fußball spielen. In Namibia habe ich Brian Isaacs und Ronnie Kanalelo viel zu verdanken, meinen zwei Co-Trainern, die haben mir am Anfang sehr viel geholfen. Namibia war eine der schönsten Perioden in meinem Leben, auch, weil ich von den Leuten hier sehr gut akzeptiert wurde. Ich fühle mich zuerst als Namibier, dann als Belgier."
AZ: Ist es eine Frage des eigenen Charakters, eine solche Akzeptanz bei den Einheimischen zu erreichen?
Tom: "Ich glaube, dass ich sehr offen bin, dass ich leicht Gespräche anfange, dass ich selbstbewusst bin, aber auch sehr viel Respekt habe. Ich bin kein Typ, der vorschnell urteilt. Ich bin immer offen für alles und ich vertraue den Menschen. Ich denke, dass zu viele Leute nur ihre eigene Kultur und ihr eigenes Land kennen. Ich bin immer offen für Neues, dann sind die Leute auch offen zu mir."
AZ: Hättest du dir mit 23 vorstellen können, dass du mal Nationaltrainer von Namibia sein würdest?
Tom: "Von Namibia wahrscheinlich nicht, aber ich war mir schon sicher, irgendwann mal Nationaltrainer zu sein. Ich hatte das immer als Ambition. Schon mit 17, 18 habe ich mich mit der Idee beschäftigt, Trainer zu werden. Ich habe meine Thesis über Fußballtraining geschrieben. Ich habe auch mein Psychologiestudium nur begonnen, um später Trainer zu werden. Alles hatte ein Ziel."
AZ: Bist du jetzt zufrieden?
Tom: "Ich will immer mehr. Ich glaube, dass einige Leute gerne das erreicht hätten, was ich bisher gemacht habe. Ich bin sehr stolz, dass ich im Alter von 38 schon so viel Erfahrung habe, so viel erlebt habe und mit so vielen tollen Leuten zusammengearbeitet habe. Aber andererseits will ich nach wie vor mehr."

Lukas Schürmann

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